Braucht Nordkirchen mehr verkaufsoffene Sonntage? Diskussion nach Weggang von Instyle

rnGeschäfte in Nordkirchen

Sonntags ist es oft voll im Ortskern: Touristen schauen sich das Schloss an - und gehen im Ort ein bisschen bummeln. Wären mehr verkaufsoffene Sonntage da nicht sinnvoll?

Nordkirchen

, 05.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Schließung des Geschäfts Instyle in Nordkirchen tut nicht nur den Stammkunden leid: Auch die Gemeinde und die Händler im Ortskern bedauern, dass das Geschäft zum Ende des Monats nicht mehr auf der Schloßstraße weitermachen wird. Zu wenig Laufkundschaft war laut Inhaberin Jessica Klostermann der Grund, warum sie mit ihrem Modegeschäft nach Senden umgezogen ist. Außerdem kritisierte sie an dem Standort, dass aus ihrer Sicht vorhandenes Potenzial nicht unbedingt ausgenutzt wurde. Etwa, wenn es um verkaufsoffene Sonntage geht.

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Das ist etwas, das Markus Pieper, der an der Schloßstraße zusammen mit seiner Frau selbst ein Eiscafé und einen Copyshop betreibt und außerdem Vorsitzender des Vereins Nordkirchen Markting ist, grundsätzlich schon bestätigt. An den Wochenenden, so erklärt er, sei Nordkirchen durch das Schloss und den Park nun mal ein beliebtes Ausflugsziel. Das belebt regelmäßig auch den Ortskern. Und wenn sich dann sonntags jemand in Nordkirchen ein Eis holt, durch die Straße schlendert und dann zum Beispiel eine schöne Bluse im Schaufenster sieht, sie aber nicht kaufen kann, weil das Geschäft geschlossen hat, „dann tut das doch in der Seele weh“, so Markus Pieper.

Gesetzliche Regelungen

Nur: Die Händler müssen sich natürlich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Die Geschäfte dürfen sonntags nur öffnen beziehungsweise vor ihrem Geschäft Waren anbieten, wenn in räumlicher Nähe ein Fest oder ein Markt stattfindet. In Nordkirchen ist das zum Beispiel beim Hollandmarkt der Fall, beim Frühlingsmarkt oder beim Herbstmarkt im Oktober. An einem ganz normalen Sonntag öffnen?

Das geht in NRW nur in Orten, die vom Land als Kur-, Ausflugs-, Erholungs- und Wallfahrtsorte mit besonders starkem Tourismus definiert sind. Das ist in Nordkirchen zwar der Fall, wie Bürgermeister Dietmar Bergmann auf Anfrage der Redaktion erklärt. Allerdings dürfen auch in diesen Orten nur Geschäfte öffnen, die Waren zum Sofortverzehr, frischen Früchten, Tabakwaren, Blumen, Zeitungen und Waren, die für den Ort kennzeichnend sind (zum Beispiel Postkarten) anbieten. Schuh- oder Modeläden machen das in der Regel ja nicht.

Dennoch sagt Pieper: „Wir müssen mal ganz positiv und modern über die Öffnung an Sonntagen nachdenken.“ Besonderheit in Nordkirchen sei auch: Alle Unternehmen an der Schloßstraße seien inhabergeführt. Vielleicht, so Pieper, sei da auch eine Insellösung möglich. „Allerdings müssen dazu erst einmal die Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ Heißt: Die gesetzlichen Regelungen müssten sich ändern.

Sortiment reduziert sich immer mehr

Dass durch den Weggang ein Leerstand an der Schloßstraße droht, sieht Michael Bomholt, der das gleichnamige Schuh- und Sporthaus betreibt, gar nicht so kritisch. Bedenklich sei eher, dass - wie damals durch den Weggang des Buchladens - ein Sortiment wegbreche, sich die Einkaufslandschaft im Ortskern verändere.

Das, so sagt es Bürgermeister Dietmar Bergmann, sei allerdings eine Entwicklung, die schon seit der Sanierung des Ortskerns absehbar gewesen sei. „Wir haben sehr viel mehr Raum mit Aufenthaltsqualität geschaffen“, erklärt er. Die Folge: Im Zentrum findet sich seitdem auch viel mehr Gastronomie. „Vor der Sanierung hatten wir zum Beispiel keine Eisdiele, jetzt haben wir zwei“, sagt Dietmar Bergmann. Er hat noch weitere Beispiele, die für Nordkirchen als Sitz für Händler oder aber Dienstleister sprechen: die Ansiedlung von Rossmann, der Ausbau des Aldis und der Bäckerei Geiping, das neue Büro eines Pflegedienstes. Ein wichtiger Punkt außerdem: das Haus Westermann. In den Sommerferien soll da mit dem Abriss begonnen werden, sagt Dietmar Bergmann.

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