Auch in Selm macht sich die Inflation bemerkbar. Bei Andreas Langhammer werden die Weizenbrötchen teurer - anderswo ebenfalls. © Natasa Balas (A)
Inflation

Brötchenpreise steigen in Selm und Nordkirchen: „Wir müssen uns immer rechtfertigen“

Frische Brötchen - dafür müssen Kunden und Kundinnen künftig tiefer in die Tasche greifen, auch in Selm und Nordkirchen. Bäcker erzählen, wie sich die aktuelle Situation auf ihre Preise auswirkt.

„Jetzt kommt die Brötchen-Inflation – Brötchen kosten bald einen Euro“, schrieb die Bild-Zeitung vor ein paar Tagen – und hat dabei möglicherweise dem ein oder anderen das Frühstück etwas ruiniert.

Keine 1-Euro-Brötchen in Selm und Nordkirchen

Maria Artmann, Inhaberin der gleichnamigen Bäckerei-Kette mit Filialen in Selm und Nordkirchen kann aber beruhigen – zumindest etwas: „Wir gehen nicht auf einen Euro wie von der Bild-Zeitung geschrieben“, sagt Artmann. Eine Preissteigerung steht bei der Bäckerei aber dennoch ins Haus. Wie viel, dass kann Artmann allerdings aktuell noch nicht sagen, die Entscheidung fällt erst in ein paar Wochen.

Aktuell kostet ein Weizenbrötchen dort 32 Cent – und das seit 2017. „Eigentlich wollten wir im letzten Jahr schon unsere Preise erhöhen“, erzählt Maria Artmann, die Schilder seien schon gedruckt gewesen. Doch dann ging es los mit der Corona-Krise „und dann haben wir es nicht gemacht, weil sowieso schon alle so gebeutelt waren“, sagt sie.

Inflationsrate liegt bei über vier Prozent

Das Statistische Bundesamt meldet für den September eine Inflationsrate von 4,1 Prozent und damit – so schreibt es das Amt – „die höchste Inflationsrate seit Dezember 1993“ also seit fast 30 Jahren. Mehl lag im August bei 34,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. „Ich bekomme E-Mails von unseren Lieferanten, da ist nichts, was nicht teurer wird“, erklärt auch Maria Artmann. Milch, Zucker, Mehl. Nun steht also die Preiserhöhung bei den Brötchen ins Haus. „Wir bemühen uns aber im Rahmen zu bleiben. So wie wir es immer gemacht haben“, sagt Maria Artmann.

Auch Andreas Langhammer, Bäckermeister aus Bork, wird seine Brötchenpreise anpassen. Zumindest bei den Weizenbrötchen, für Brot und Körnerbrötchen gab es im Mai und Juni schon eine Preiserhöhung. Mehr als 75 Cent sollen die Körnerbrötchen aber erstmal nicht kosten. Durchaus ein fairer Preis für die Arbeit, findet Andreas Langhammer. „Schließlich sind wir ein Handwerksbetrieb und mischen alles wirklich selber zusammen.“

Die Weizenbrötchen kosten aktuell noch 30 Cent, sie werden auf 33 Cent steigen. Dass die Preise steigen würden hat Langhammer auch nicht überrascht. Das sei auch der Witterung beim Getreideanbau geschuldet. „Das Getreide dieses Jahr ist sehr gut für Backwaren geeignet“, sagt er. Aber es sei wenig vorhanden. So habe der Müller eben entsprechend mehr verlangt.

Diskussionen mit Kunden über steigende Preise

Diskussionen zum Thema Preise kämen immer mal wieder vor, sagt Langhammer. „Wir müssen uns immer rechtfertigen, weil wir das schwächste Glied in der Kette sind“, sagt der Bäckermeister. Man beschwere sich doch schließlich auch nicht bei der Tankstelle, wenn sich die Spritpreise dreimal am Tage ändern. Was für Langhammer aber bei möglichen Diskussionen mit Kunden wichtig ist: Immer freundlich zu bleiben.

Auch die Bäckerei-Kette Büsch mit Filialen in Selm und Nordkirchen denkt aktuell über Preiserhöhungen nach, wie Firmensprecherin Sigrid Baum sagt. Als Grund führt auch sie die gestiegenen Energie-Kosten an. „Wir haben das bisher aber immer geschafft, durch eine clevere Einkaufsstrategie auszugleichen“, sagt die Sprecherin. Aktuell kostet ein Weizenbrötchen bei Büsch 30 Cent, seit 2018 habe es keine Preiserhöhung gegeben.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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