Capeller begeistert mit Gedichten auf Plattdeutsch

Mit Audio

Dieser Mann ist ein Phänomen. Auch mit fast 86 Jahren erfreut Theodor Heimann aus Capelle die vielen Freunde der plattdeutschen Sprache mit seinen in Vers und Reim gesetzten „Gedanken“. Für uns hat er eines seiner Gedichte vorgetragen und die Gedanken dahinter erklärt.

CAPELLE

, 18.08.2017, 12:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Capeller begeistert mit Gedichten auf Plattdeutsch

Heimatdichter Theodor Heimann aus Capelle hat mehr als 100 Gedichte geschrieben, die er bei plattdeutschen Abenden auswendig vorträgt.

In den beiden Audios trägt Theodor Heimann sein Gedicht "De Eiken" – hochdeutsch "Die Eichen" – zunächst auf Plattdeutsch vor. Folgend erklärt er seine Gedanken dazu. Diesmal auf Hochdeutsch. Hören Sie rein!  

  Schon in der Schulzeit hat Theodor Heimann gerne Gedichte gelesen – und auswendig gelernt. Was für andere Kinder eher eine lästige Pflicht war, war für den jungen Heimann ein schöner Ausgleich zur Arbeit in der elterlichen Landwirtschaft, die der älteste von insgesamt sechs Jungen neben der Schule zu leisten hatte. „Ich stand früh in der Verantwortung“, sagt er im Rückblick.

Dazu gehört auch, dass er mit nicht einmal 14 Jahren seine Stellmacherlehre im Betrieb seines Vaters begann. Was er nicht ahnen konnte: Einen Grundstein für eine gesicherte berufliche Zukunft legte er damit mit. Die technische Entwicklung machte den Stellmacher nach zwei Gesellenjahren arbeitslos. Es folgten zehn Jahren im Modellbau, ehe er sich mit seiner Frau auf dem von seinen Eltern geerbten Hof eine neue Existenz aufbaute. Zunächst mitten im Dorf, in den neunziger Jahren auf dem neuen Hof im Gorfeld.

Erst mit Mitte 50 kann Heimann sich seiner Leidenschaft widmen

Als das Gröbste geschafft war – Heimann war mittlerweile Mitte 50 – hatte er wieder mehr Zeit für Gedichte. Viele Verse hatte er schnell im Kopf, aufs Papier brachte er aber zunächst nicht eine Zeile. Bis er das „plattdeutsche Abitur“ auf dem Mühlenhof in Münster ablegte. Nachdem er hier seine Gedanken vorgetragen hatte, gab es spontan positive Rückmeldungen. Verbunden mit der ausdrücklichen Bitte, die Verse auch zu veröffentlichen. Gesagt, getan. Was dann folgte, will Theodor Heimann bis heute nicht groß kommentieren.

Anfrage um Anfrage für Vorträge erreichte ihn. Und immer wieder gab es anschließend sehr persönliche Dankesbriefe. 1993 erschien die erste Auflage seines Buches „Gedanken kanns liäsen“.Die Nachfrage ist so groß, dass mittlerweile die dritte, erweiterte Auflage am Markt ist. Ein Buch oder zumindest einen Zettel benötigt er übrigens bis heute auch bei längeren Vorträgen nicht.

Heimann setzt mit seinen „Gedanken“ nicht auf leichte Unterhaltung, der Capeller beschäftigt sich mit wichtigen Fragen des Zusammenlebens. Er stellt die Bedeutung von Heimat und Nachbarschaft heraus, sagt, was er für Anstand hält, und setzt sich mit dem „Größenwahn von Hitler“ auseinander.

Klare Worte in melodische Sprache gebracht

Klare Worte, die in plattdeutscher Sprache jedoch nicht so hart klangen. Von der holländischen Grenze bis Paderborn hält er bis heute Vorträge. Bei Ausflügen der von ihm mit gegründeten münsterländischen „Theo-Gruppe“ (alle Mitglieder haben Theo als Vornamen) nach Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern hat Heimann dem ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel und Unternehmer Norbert Rethmann Gedichte vorgetragen und großen Zuspruch gefunden.

„Ich habe nie mit der Resonanz gerechnet“, sagt er. Und schon gar nicht mit den verschiedenen Auszeichnungen. 2010 ist der Capeller ins deutsche Literatur-Lexikon aufgenommen worden. Die Wibbelt-Gesellschaft hat zu seinem 80. Geburtstag einen Sonderdruck herausgegeben.

Ob er in den nächsten Wochen und Monaten wieder unterwegs, um seine „Gedanken“ in Worte zu fassen und die Menschen zu begeistern? Eine allenfalls rhetorische Frage. Theodor Heimann ist mit Begeisterung dabei. Ein Phönomen halt.

 

Lesen Sie jetzt