Chef in Rente - Das wird aus der Bäckerei Kallwey

106-jähriges Familienunternehmen

Ende März ist Schluss für Bernd Kallwey. Dann geht der Bäckermeister aus Südkirchen in Rente. Wir blicken zurück auf die 106-jährige Geschichte seines Familienbetriebes. Und erklären, was die Mitarbeiter erwartet und was aus den insgesamt zehn Filialen in Nordkirchen, Selm, Bork, Seppenrade, Ottmarsbocholt und Werne wird.

SÜDKIRCHEN

, 20.01.2016 / Lesedauer: 3 min
Chef in Rente - Das wird aus der Bäckerei Kallwey

Zieht sich Ende März 2016 zurück: Bäckermeister Bernd Kallwey.

Darum ist es für Bernd Kallwey schwerer geworden

Der Bäckermeister (63) erklärt: „Eigentlich wollte ich noch drei bis vier Jahre machen.“ Bis auch seine Frau das Rentenalter erreicht hat. Es gebe aber keine Garantie, dass die Konstellation in einigen Jahren so günstig wie jetzt sei. Schließlich werde es im Handwerk nicht einfacher. Kallwey verweist auf den Kostendruck und die stärkere Konkurrenz insbesondere durch die Discounter. Was das in der Praxis bedeutet, hat er selbst erfahren müssen. Ende 2014 musste er die Filiale im Lidl in Lüdinghausen aufgeben. Nicht, weil es nicht lief, sondern weil es der Discounter wollte. Damit brach Kallwey die umsatzstärkste Filiale weg.

Darum zieht er sich gerade jetzt zurück

Im Herbst 2015 kamen Anja und Stefan Braune auf Kallwey zu. Sie führen aktuell 13 Bäckerei-Filialen und übernahmen vor einiger Zeit die Westermann-Produktionstätte in Bergkamen. Entscheidend waren für Kallwey am Ende zwei Gründe: „Die Ladenlokale sind alle renoviert, aber ich hätte kräftig in den kleinen Betrieb in Südkirchen investieren müssen.“ Zudem stand kein Nachfolger bereit. „Wir haben ein Kind, eine Tochter. Sie studiert in London.“ Mit Anja und Stefan Braune habe es konstruktive Gespräche gegeben. „Ich hatte direkt ein gutes Gefühl.“ Das war Bernd Kallwey sehr wichtig.

Das wird aus den Kallwey-Filialen

"Das Ladenlokal an der Oberstraße in Südkirchen wird Ende März ebenso geschlossen wie die Bäckerei", sagt Kallwey. An den anderen Standorten geht es jedoch weiter. Die Filialen im K+K-Markt in Südkirchen, in Nordkirchen, Bork, Selm, Seppenrade und Ottmarsbocholt sowie die drei Filialen in Werne werden von Braune weitergeführt - fast alle zunächst unter dem Namen Kallwey. Nur in Werne, wo Braune schon eine Filiale hat, wird aus Kallwey direkt Braune. Überall ändern wird das Sortiment: Es gebe dann „das Beste von Kallwey und Braune“, sagt Anja Braune.

Das wird aus den Mitarbeitern

Das Bergkamener Unternehmen übernimmt auch die mehr als 50 Verkäuferinnen. Die Mitarbeiter aus der Produktion hätten ebenfalls zu Braune wechseln können. „Einige haben sich aber anders entschieden“, sagt Kallwey. Erste Beschäftigte hätten bereits bei anderen Bäckereien in der Region angefangen.

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Die Geschichte der Bäckerei Kallwey in Südkirchen

Eine 106-jährige Firmengeschichte endet im März 2016: Dann wird die Bäckerei Kallwey von Braune übernommen. Wir blicken zurück auf die Geschichte der Bäckerei.
20.01.2016
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In den ersten Jahren trug die Bäckerei den Namen Koch. Es gab auch noch den Zusatz "Kolonialwaren".© Foto: privat
Die Gründer der Bäckerei: Anna und Bernhard Koch.© Foto: privat
Nach dem Krieg trug die Bäckerei zunächst den Doppelnamen Koch-Kallwey.© Foto: privat
Doppelter Name: Die Bäckerei Koch-Kallwey in Südkirchen Mitte des 20. Jahrhunderts.© Foto: privat
So kennen die Kunden den Laden: Das Stammhaus der Bäckerei in Südkirchen.© Foto: Annika Ruhfaut
Im Jubiläumsjahr 2010: Seinerzeit wurde die Bäckerei Kallwey 100 Jahre alt.© Foto: Annika Ruhfaut
Zieht sich Ende März 2016 zurück: Bäckermeister Bernd Kallwey.© Foto: Annika Ruhfaut
Schlagworte Nordkirchen

So lange reicht die Kallwey-Firmengeschichte zurück

Es war im Jahre 1910, als Bernhard Koch in Südkirchen sein Backhaus eröffnete, Bernd Kallweys Großvater, der Vater seiner Mutter Agnes. Brötchen, Brot und Streuselkuchen waren damals sein Geschäft – die Vielfalt von heute gab es damals noch nicht. Dafür hatte die Bäckerei anderes zu bieten: Als Nahversorger in Südkirchen wurden Zucker, Salz, Mehl und andere Lebensmittel verkauft. Das meiste wurde noch mit einer großen Waage abgewogen. Wer seinen eigenen Teig mitbrachte, dem wurde sogar ein Brot gebacken.

Hauptabnehmer war das Schloss, das Anfang des Jahrhunderts ein Posterholungsheim beherbergte. „500 Stückchen haben die pro Tag genommen“, erinnert sich Agnes Kallwey. Erst wurde mit einem Bäckerwagen ausgeliefert, dann ab 1928 mit einem Brenner Bor. „In den Wagen kamen hinten Bretter rein, darauf die Ware“, so Agnes Kallwey. Es war das erste Auto in Südkirchen.

Als Bernhard Koch 1935 starb, übernahm ein Pächter die Bäckerei. „Ich war damals noch zu jung“, sagt Agnes Kallwey. Ihre Mutter Anna führte das Kolonialwarengeschäft weiter. So ging es bis 1950. Dann lief der Pachtvertrag aus. Agnes Koch hatte mittlerweile ihre Kaufmannsgehilfenprüfung absolviert und heiratete den Bäckermeister Hubert Kallwey – das Geschäft in der Oberstraße wurde in Koch-Kallwey umbenannt.

Moderner wurde der Betrieb mit der Übernahme durch Bernd Kallwey. Er war erst 21 Jahre alt, als er 1974 die Meisterprüfung ablegte. Er änderte das Sortiment der Bäckerei. „Wir wollten uns nur auf Backwaren konzentrieren“, sagt Bernd Kallwey. Das Kolonialwarengeschäft war somit Geschichte. Dafür gibt es heute die zehn Filialen.

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