Coronavirus in Kenia: die Keniahilfe über das Problem, dort Abstand voneinander zu halten

rnKenia-Hilfe

Das Coronavirus hat mittlerweile auch Kenia erreicht. Können sich die Leute dort überhaupt gegen das Virus schützen? Bernd Kersting aus Nordkirchen weiß, wie die Bedingungen vor Ort aussehen.

von Carina Strauß

Nordkirchen

, 25.03.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie in jedem Jahr war das Ehepaar Kersting aus Nordkirchen auch zu Beginn dieses Jahres für den Verein „Keniahilfe Nordkirchen“ einige Wochen in Kenia unterwegs. Ende Februar kamen sie von ihrer Reise zurück.

Mittlerweile steht das Hotel, in dem das Ehepaar wohnt, wenn sie vor Ort sind, unter Quarantäne. „Die Gäste dürfen nicht mehr aus ihren Zimmern heraus. Ein gemeinsames Essen im Speiseraum gibt es nicht mehr, die Bedienung kommt direkt aufs Zimmer“, erzählt Bernd Kersting. Nun würden die Gäste alle nach Hause geflogen und das Hotel werde geschlossen.

„Abstand halten gar nicht möglich“

Und wie ergeht es den Einwohnern, die nicht mal eben ausgeflogen werden können? Als Bernd und Birgit Kersting vor Ort waren, gab es noch keine Coronafälle. „Mittlerweile gibt es aber auch dort die ersten Infizierten“, so Bernd Kersting. Schulen seien geschlossen worden. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es dort im Moment aussieht. Dort sind Abstandsregelungen gar nicht einzuhalten“, sagt Kersting.

„Die Familien dort leben meist auf zehn Quadratmetern zusammen, egal ob zwei oder drei Kinder. Und dann sind dort acht solcher Zimmer direkt nebeneinander. Da ist eine Trennung gar nicht möglich.“ Und auch eine Quarantäne sei vor Ort unmöglich. Zumal die acht Familien alle eine „Toilette“, ein Loch im Boden, nutzen würden.

Aber nicht nur die Wohnbedingungen könnten für das Coronavirus zum Nährboden werden. „Die Verpflegung erfolgt ja über die Märkte. Da sitzen dann hunderte Menschen nebeneinander mit teilweise nicht mal einem Meter Abstand und verkaufen Lebensmittel“, gibt Kersting zu bedenken. Aber die Menschen sind auf die Einnahmen angewiesen. „Eine Familie dort hat ungefähr drei Euro am Tag zur Verfügung. Damit müssen Essen und Schulgeld bezahlt werden. Die Leute können nicht zuhause bleiben.“

Reisevortrag erst wenn die Krise vorbei ist

Bernd und Birgit Kersting konnten die von der Keniahilfe gesammelten Spenden während ihrer Reise in Kenia sehr gut nutzen. „Wir konnten aufgrund der vielen Spenden noch mehr tun als in den Jahren zuvor“, so Bernd Kersting. „Wir helfen immer dort, wo gerade Hilfe benötigt wird.“

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, planen die Kerstings einen Reisevortrag, „damit die Spender sehen, wo ihr Geld geblieben ist.“ Dabei ist es dem Ehepaar wichtig, dass die Spenden eins zu eins in Kenia ankommen: „Wenn hier hundert Euro gespendet werden, dann kommen davon auch hundert Euro vor Ort als Hilfe an.“

Bereits seit zehn Jahren reist das Ehepaar Kersting jedes Jahr nach Kenia, um zu helfen. Gerade weil in Deutschland ein ganz anderer Lebensstandard herrscht als in Kenia, „gibt es einem einfach ein gutes Gefühl, etwas davon weitergeben zu können.“

Lesen Sie jetzt