Das erlebten Pendler am Bahnhof Capelle am ersten Tag der Zugstreckensperrung

rnSchienenersatzverkehr

Der erste Tag der Bahnstreckensperrung zwischen Lünen und Davensberg war eigentlich kein besonders aufregender Tag für die betroffenen Pendler. Es gibt aber Mankos im Kommunikationsfluss.

Capelle, Nordkirchen

, 06.01.2020, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Capeller Bahnhof am sehr frühen Montagmorgen, 6. Januar: Es ist dunkel. Es ist kalt. Es nieselt etwas. Umstände, unter denen man keinen Hund raus jagt. Pendler müssen raus. Das liegt in der Natur der Sache, denn sonst würden sie ihre Arbeitsstelle, Schule oder Uni nicht erreichen.

Gut, wenn der Nahverkehr reibungslos funktioniert. Tut er aber nicht. Acht Monate lang, das ist die Prognose, wird die Bahnstrecke zwischen Lünen und Davensberg gesperrt sein. Wegen Bauarbeiten. Also werden auch keine Züge Richtung Dortmund beziehungsweise Richtung Münster fahren.

Es ist ein Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet worden. Der läuft auch. Das weiß nur nicht jeder.

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Etwas ratlos und unsicher

Kurz vor 7 Uhr am Capeller Bahnhof: Zwei junge Männer - ihre Namen wollen sie nicht nennen - stehen etwas ratlos da. „Wir wussten nicht, dass keine Züge fahren“, sagt der eine. Er ist aus Nordkirchen mit dem Bus der Linie R53 nach Capelle gefahren, um wie sonst auch per Zug nach Münster weiter zu fahren. Das Schicksal der kurzzeitigen Ratlosigkeit teilt er mit dem anderen jungen Mann. Er ist per Bürgerbus nach Capelle gefahren. Und nun?

Das erlebten Pendler am Bahnhof Capelle am ersten Tag der Zugstreckensperrung

Der freundliche Busfahrer des R53 am Capeller Bahnhof versucht, die korrekte Abfahrtszeit des Schienenersatzverkehrs auf einem Zettel herauszufinden, um Fahrgästen zu helfen. © Arndt Brede

Der Busfahrer der Linie R53, der auf die Abfahrt wartet, will helfen, kramt einen Zettel mit den Fahrplänen des Schienenersatzverkehrs heraus. „Um 7.38 Uhr fährt euer Bus nach Davensberg“, sagt er. Von dort haben die Männer dann Anschluss an den Zug nach Münster.

7.26 Uhr am Capeller Bahnhof. Mit fünf Minuten Verspätung rollt der SEV-Bus nach Lünen an. Die beiden jungen Männer sind unsicher: Ist das unser Bus? Der Hinweis des Reporters hält sie davon ab, einzusteigen. Als der SEV-Bus nach Davensberg pünktlich um 7.37 Uhr am Bahnhof ankommt, steigen sie dann ein. In den richtigen Bus.

Wie läuft es, wenn die Schüler kommen?

Alles so weit ruhig also am Capeller Bahnhof. „Warten Sie mal ab“, sagt der Fahrer des Bürgerbusses. „Morgen beginnt die Schule; da dürfte es hier etwas drubbeliger werden.“ Da könnte der Mann recht haben. Drubbeliger und mit ein paar Menschen mehr, die ratlos sind.

Das erlebten Pendler am Bahnhof Capelle am ersten Tag der Zugstreckensperrung

Rätselraten am Capeller Bahnhof: Wann fährt welcher Bus wohin? Die Angaben auf dem Schild sind bei Dunkelheit schwer zu lesen. © Arndt Brede

Denn das Schild mit den Zeiten des Schienenersatzverkehrs links neben dem Buswartehäuschen am Capeller Bahnhof ist bei Dunkelheit schwer zu lesen. Also ein kleiner Tipp: Taschenlampe mitnehmen oder die Handylampe aktivieren.

Das erlebten Pendler am Bahnhof Capelle am ersten Tag der Zugstreckensperrung

Das ist die Schienenersatzverkehr-Haltestelle Nordkirchen Rathaus. Von hier aus geht es Richtung Selm. © Arndt Brede

Klare, gut lesbare Informationen gibt es dagegen an der SEV-Haltestelle Nordkirchen Rathaus auf der Bergstraße. Von dort aus gelangt man nach Selm zum Bahnhof Selm und von dort aus per Zug Richtung Holland oder Richtung Dortmund. Es gibt aber eine kleine Hürde. Wer sich zum Beispiel entschließt, mit dem Bus R53 nach Nordkirchen zu fahren, um dann den SEV-Bus nach Selm zu nehmen, muss an der Haltestelle Lüdinghauser Straße aussteigen und rund 200 Meter weiter gehen. Dort kann er von eben jener SEV-Haltestelle Nordkirchen Rathaus nach Selm fahren.

Das erlebten Pendler am Bahnhof Capelle am ersten Tag der Zugstreckensperrung

Servicewüste Nahverkehr: Wer mit dem R53 an der Haltestelle Lüdinghauser Straße ankommt und zum Bahnhof Selm weiterfahren möchte, bekommt nirgendwo einen Hinweis , dass er ab der Haltestelle Nordkirchen Rathaus sein Ziel erreichen kann. © Arndt Brede

Kein Hinweis auf Umsteigemöglichkeit nach Selm

Das muss man aber wissen. Denn an der Haltestelle Lüdinghauser Straße gibt es keinerlei Hinweise auf die SEV-Haltestelle Rathaus. Ein großes Manko.

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