Das plant Bürgermeister Bergmann für Nordkirchen

Sommerinterview

Hotel, Schwimmbad, Baugrundstücke und viele weitere Themen stehen derzeit auf der Agenda der Gemeindeverwaltung Nordkirchen. Wie Bürgermeister Dietmar Bergmann die Dinge einschätzt, hat er uns im ausführlichen Sommerinterview verraten.

NORDKIRCHEN

, 19.08.2017 / Lesedauer: 5 min

Was war aus Sicht des Bürgermeisters das Wichtigste für Nordkirchen in den vergangenen Monaten?

Ganz klar: Das Hotel- und Schwimmbadprojekt. Aber viele andere Dinge waren auch wichtig, wie die Weiterentwicklung von Wohnbau- und Gewerbegebieten. Wir haben eine verstärkte Nachfrage nach Gewerbe- und Baugrundstücken. Dabei sollten wir aber nicht die sogenannten Soft Skills vergessen. Da sind wir zurzeit in der Rezertifizierung zur familiengerechten Kommune unterwegs. Es hat bereits Workshops gegeben, in denen wir neue Ziele für die Familienpolitik entwickelt haben.

Ein Schwerpunkt ist die stärkere Vernetzung der Ehrenamtlichen. So soll es 2018 einen „Markt der Möglichkeiten“ geben, bei dem sich die Vereine vorstellen können. Zusammen mit dem Quartiersmanagement soll auch die Zusammenarbeit von Vereinen weiter durchdacht und verbessert werden. Das gegenseitige Ausleihen von Zelten und anderen Gegenständen kann ein kleiner Baustein sein.  

Wie kann die Gemeinde die Vereine unterstützen?

Wir wollen den „Markt der Möglichkeiten“ auch gezielt nutzen, um Neubürgerinnen und Neubürger anzusprechen um sie nicht nur zu informieren, sondern eventuell auch für eine Mitarbeit in Vereinen und Organisationen zu gewinnen. Die Nachwuchsgewinnung ist für das Ehrenamt ja auch immer wichtig.  

Sie sprachen die starke Nachfrage nach Baugrundstücken an. Wie sieht es denn bei Baugrundstücken aus?

Ziemlich eng, im Moment. Die Gemeindegrundstücke im Baugebiet Rosenstraße-West sind vergeben, auch für das Baugebiet Große Feld III gibt es Interesse. Mir ist dabei wichtig, dass es uns gelungen ist, die Struktur dessen, was gebaut wird, etwas zu verändern. Wir haben Investoren für den Bau von Mehrfamilienhäusern gewinnen können, in denen Eigentumswohnungen, aber auch kleinere und preisgünstige Mietwohnungen angeboten werden.

So wird auch im Baugebiet Rosenstraße günstiger Wohnraum entstehen. Das liegt mir sehr am Herzen. Nicht jeder kann sich das Einfamilienhaus leisten. Wir müssen jungen Leuten, die in Nordkirchen leben wollen, einen Start und eine Perspektive ermöglichen. Und auch an ältere Menschen, die sich wohnungsmäßig verkleinern möchten, müssen wir denken.  

Wo könnte man denn neue Baugrundstücke anbieten?

Wir haben den politischen Auftrag, über Entwicklungsperspektiven der drei Ortsteile nachzudenken. Im Ortsteil Nordkirchen ist das klar „Große Feld III“, aber auch hier gibt es Alternativen. Und für Südkirchen und Capelle gibt es bei uns einige Ideen, an denen wir gerade arbeiten.  

Wie ist der Stand der Dinge beim Dorfgemeinschaftshaus?

Ich bitte um Verständnis, dass größere Projekte auch eine gewisse Zeit der Vorbereitung brauchen. Gerade wenn es um Fördergelder geht, wird es manchmal kompliziert: Der Stand ist, dass wir einen nach den Forderungen der Förderstelle überarbeiteten Antrag eingereicht haben. Teil davon ist ein positiver Bauvorbescheid durch den Kreis. Dieser ist jetzt eingetroffen. Der Baubeginn könnte 2018 erfolgen.  

Ein weiteres, wenn nicht das größte Projekt, ist das Hotel?

Die Projektentwickler haben das Konzept des Hotels in der Zwischenzeit weiter verfeinert. Jetzt sind die die Projektpartner mitten in der Ansprache potenzieller Investoren. Dort gibt es mehrere Interessenten. Die Bauleitplanung ist gestartet und wird durch weitere Beratungen in den Ausschüssen der Gemeinde nach den Sommerferien fortgesetzt werden.  

Kann man sagen, dass mit dem Hotel ein kleiner Traum des Bürgermeisters in Erfüllung geht?

Ich muss mir ganz bestimmt kein Denkmal setzen oder einen Traum erfüllen. Es geht um was anderes: Das Hotel wäre ein echtes Pfund für die Wirtschaftskraft von Nordkirchen und ein neuer Anlaufpunkt in der Gemeinde. Deshalb kämpfen wir auch darum. Es würde viele Arbeitsplätze bringen und die Gemeinde deutlich stärken. Von einem Hotel würden alle Ortsteile profitieren. Die Statistik sagt, dass im Schnitt jeder Hotelgast täglich 20 Euro im Ort lässt. Und dazu ist das Hotel mit dem ebenfalls von einem Privaten zu errichtenden Schwimmbad verbunden, welches der Gemeinde dringend fehlt.  

Lesen Sie auf der folgenden Seite, was Bürgermeister Bergmann zum Bahnhof in Capelle sagt, über Internet in der Gemeinde und wie es um den Haushalt bestellt ist.

Wann wird denn der Bahnhof in Capelle barrierefrei?

Das ist auch so ein Projekt, bei dem man sagen muss, dass halt nicht alles von heute auf morgen geht. Wir haben den Vertrag mit der Bahn endabgestimmt. Die Bahn wird das Projekt nach der Bewilligung öffentlicher Zuschüsse realisieren, die Gemeinde muss allerdings die nicht durch Zuschüsse gedeckten Restkosten übernehmen.

Wir haben ja schon einen positiven Planungsbescheid. Nach Auskunft der Bahn laufen auch bereits die Umsetzungsplanungen. Zurzeit wird nach Sperrfenstern gesucht, denn beim Bau müsste die Bahnstrecke für eine gewisse Zeit gesperrt werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Umbau kommt, wird aber eher 2019 als 2018 verwirklicht.  

Wie wichtig ist die Verwirklichung des schnellen Internets für die Gemeinde?

Sehr wichtig! Aber es war schon ein hartes Stück Arbeit. Umso mehr ist es ein Erfolg, dass wir nun bald flächendeckend in allen drei Ortsteilen einschließlich der Außenbereiche schnelles Internet über die Firmen Unitymedia und muenet anbieten können und für die Zukunft sehr gut aufgestellt sind. Das ist auch ein wichtiger Standortfaktor für Gewerbetreibende und Häuslebauer.

Es wird aber in den nächsten Wochen noch eine Herausforderung werden, bedingt durch die vielen Baustellen in den Ortschaften. Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gewerbetreibenden um Verständnis, denn es wird noch erheblich gebuddelt.  

Wie steht es um die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken?

Es gibt Nachfragen für Südkirchen und Nordkirchen. Wir haben uns politisch entschieden, dass wir nachhaltiges Gewerbe mit Arbeitsplätzen ansiedeln wollen. Deswegen bitten wir interessierte Firmen mit uns das Gespräch zu suchen, damit wir sie aktiv bei ihrer Ansiedlung unterstützen können.  

Thema in den letzten Monaten war auch das Sportstättenkonzept.

Es ist bei einem Workshop mit Vertretern der Sportvereine deutlich geworden, dass auch die Vereine der Meinung sind, dass man enger zusammenarbeiten solle. Dies wünschen wir uns als Kommune und auch seitens der Politik, um die jährlichen Aufwendungen für die Sportanlagen und die anstehenden Investitionen rechtfertigen zu können.

Im Workshop sind wir zu guten Ergebnissen gekommen. So überlegen wir, die Anlagen in Capelle und Südkirchen zu verkleinern und jeweils einen Kunstrasenplatz mit Beteiligung der Vereine zu bauen. Nach den Sommerferien gehen wir mit den Vereinen in Einzelgespräche.  

Wie ist es um die Haushaltsituation bestellt?

Wir sind in den vergangenen Jahren in deutlich ruhigeres Fahrwasser gekommen. Für 2016 prognostizieren wir im letzten Budgetbericht einen Überschuss von 1,3 Millionen Euro. Das wäre wieder ein schöner Erfolg, ist aber zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nur ein Zwischenstand. Dazu haben wir die Kassenkredite, die die jeweilige Liquidität sichern, in den letzten Jahren von 9 auf 2,5 Millionen Euro abgebaut. Das war ein echter Kraftakt und diese wollen wir jetzt vollständig abbauen.

Man muss aber insgesamt immer abwägen: Wir müssen die Infrastruktur der Gemeinde sichern und entwickeln, was nur mit neuen Investitionen geht, aber gleichzeitig wollen wir sparen und die Finanzen im Griff haben. Das ist immer auch eine Gratwanderung, die uns in den letzten Jahren aber, glaube ich, gut gelungen ist. Und so wollen wir weitermachen.  

Was wünscht sich der Bürgermeister für die Gemeinde in den nächsten Monaten?

Wir haben eine ganze Menge geschafft in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle! Ich wünsche mir, dass die positive Entwicklung so weitergeht und es uns gelingt, die Attraktivität der Gemeinde weiter zu steigern. Und dabei ist mir besonders wichtig, dass wir dabei die Bürgerschaft, Handel und Gewerbe und alle am Gemeindeleben interessierten Menschen einbeziehen.  

Wo führt der Weg des BVB nach Ansicht des BVB-Fan Bergmann hin?

Man muss noch etwas Geduld haben, bis sich die Mannschaft auf das neue System des Trainers eingestellt hat. Ich glaube, wir spielen oben mit und wollen auch in der Championsleague die Vorrunde überstehen. Natürlich würde ich mich über eine Meisterschaft freuen. Schauen wir mal, wie es läuft.

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