Daumen drücken für die Kleeblatt-Region

Leader-Programm

Nordkirchen hat sich gemeinsam mit Lüdinghausen, Ascheberg und Senden als "Region Kleeblatt" beim Leader-Programm der Europäischen Union beworben. Was sich dahinter verbirgt, welche Chancen es gibt und was das für die Bürger bedeutet, haben wir zusammengefasst.

NORDKIRCHEN

, 13.02.2015, 08:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Daumen drücken für die Kleeblatt-Region

Die Kleeblattregion: Senden, Lüdinghausen, Ascheberg und Nordkirchen wollen beim Leader-Wettbewerb erfolgreich sein.

Was genau ist „Leader“ eigentlich? Leader ist eine Abkürzung für „Liaisons entre actions de développement de l`économie rurale“. Wörtlich übersetzt heißt es „Verbindungen zwischen Maßnahmen zur Entwicklung zur ländlichen Wirtschaft“. Die Europäische Union möchte damit ländliche Regionen über Kommunengrenzen hinaus vernetzen und fördern.

Wer kann sich bewerben? Mehrere Kommunen müssen sich zu einer Leader-Region zusammenschließen – wie im Fall von Ascheberg, Lüdinghausen, Nordkirchen und Senden zur „Region Kleeblatt“. Dann können sie an einem landesweiten Wettbewerbsverfahren teilnehmen, wofür sie eine „Lokale Entwicklungsstrategie“ (LES) entwickeln müssen. Ursprünglich war der Ascheberger Bürgermeister Dr. Bert Risthaus gegen eine Beteiligung seiner Gemeinde an der Leader-Bewerbung. Nach "intensiver Beratung" mit seinen Amtskollegen aus den anderen Kommunen änderte er jedoch seine Meinung: "Ich denke, dass man dem Rat der Kollegen vertrauen kann." Entsprechend stimmte der Gemeinderat am Ende doch für die Bewerbung.

Was genau ist eine LES? Ein 120 Seiten starkes Papier, das die Grundlage der Bewerbung für das Leader-Programm bildet. Neben den Eckdaten der jeweiligen Region sind dort Entwicklungsziele, Strategien und natürlich die Projekte der einzelnen Kommunen formuliert.

Wer hat die Projekte für die LES geplant? Vertreter der kommunalen Verwaltung, Politiker, aber auch Bürger der Kommunen. In Ascheberg, Lüdinghausen, Nordkirchen und Senden haben deshalb Workshops stattgefunden, bei denen auch Privatleute Vorschläge machen konnten, die dann in der LES berücksichtigt worden sind.

Nach welchen Kriterien wurden Projekte berücksichtigt? Es gibt Leitprojekte, qualifizierte Projekte und Projektideen mit Potenzial. Die Leitprojekte haben zentrale Bedeutung für das Ziel, die Bewerberregion weiterzuentwickeln.  Sie sind in der LES bereits konkret mit Inhalt und Methode zur Umsetzung genannt. Qualifizierte Projekte dienen als Ergänzung und haben ebenfalls bereits eine Umsetzungsstrategie, können jedoch erst später in der Förderperiode starten. Projektideen mit Potenzial können, aber müssen nicht in der Förderperiode umgesetzt werden.

Wie lang ist die Förderperiode? Der Zeitraum umfasst die Jahre von 2014 bis 2020. Im vergangenen Jahr haben die Kommunen den Entschluss zur Bewerbung gefasst und die Workshops veranstaltet. Am 16. Februar – Rosenmontag – müssen die Bewerbungen in Düsseldorf eingegangen sein. Die Entscheidung darüber, welche der 40 Bewerbungen eine der 23 Förderplätze bekommt, fällt frühestens im Mai, spätestens im Juli.

Wie viele Projekte gibt es in der Leader-Region Kleeblatt? 20 Leitprojekte und mindestens 32 Projektideen mit Potenzial. Dr. Frank Bröckling vom Büro Planinvent, der die LES mit den vier Kommunen erstellt hat, geht aufgrund von Erfahrungswerten anderer Regionen davon aus, dass es auch noch mehr werden könnten.

Wie sind die Projekte geordnet? Die vier Kommunen haben für die Region „Kleeblatt“ vier Handlungsfelder festgelegt, die die Stärken der Region herausheben sollen: „Baukultur und Kulturlandschaft“, „Generationen“, „Ländliche Wirtschaft und Versorgung“ und „Inklusive Region“.

Was für Projekte sind das? Die Region „Kleeblatt“ geht zum Beispiel mit dem Projekt „Kulturbühne“ ins Rennen: Eine mobile Bühne, die kulturelle Veranstaltungen in allen Kommunen und an allen denkbaren Orten ermöglichen will. In die gleiche Richtung zielt der „rollende Bauernhof“, der die Landwirtschaft den Leuten näherbringen will. Auch soll es eine zentrale Anlaufstelle für ehrenamtliche Angebote für Familien und Senioren geben. Oder ein Angebot „Radfahren für alle“, mit dem freiwillige Radler Menschen, die nicht mobil sind, auf Fahrradtouren kutschieren.

Wie viel Geld gibt es? Insgesamt stehen rund 2,3 Millionen Euro an Fördergeldern für eine Leader-Region zur Verfügung. Bedingung für die Bewerbung ist allerdings, dass dieses Geld nur 65 Prozent der Gesamtsumme ausmacht. Das bedeutet, dass Projekte mit einem Volumen von insgesamt rund 3,5 Millionen Euro angestoßen werden. Die verbleibenden 35 Prozent müssen also kofinanziert werden.

Und wer macht das? Privatspenden, Stiftungen, Kommunen – vieles ist möglich. Gerade die Kommunen werden sich aber aufgrund der angespannten finanziellen Situation zurückhalten. Vielmehr sind die Bürger als Betreiber der Projekte aufgerufen, zum Beispiel durch die Übernahme von Arbeiten Geld zu sparen. Dieses eingesparte Geld wird bei der Gesamtsumme des Projektes berücksichtigt.

Wer überwacht und koordiniert das Ganze? Jede Leader-Region benötigt ein Regionalmanagement. Ascheberg, Lüdinghausen, Nordkirchen und Senden wollen dazu den Verein „Lokale Aktionsgruppe (LAG) Kleeblatt e.V.“ gründen, der die Koordination, Durchführung und Überprüfung der Projekte übernimmt. Dazu werden vom Leader-Programm 1,5 Personalstellen vorgeschrieben und auch gefördert. Für die beteiligten Kommunen bleiben am Ende jährliche Kosten von jeweils 5000 bis 6000 Euro. 

Wie geht es jetzt weiter? Die Bewerbung ist auf dem Weg nach Düsseldorf. Dort wird eine Jury alle Einsendungen auf Formalitäten prüfen und anschließend die Projekte bewerten. Eine Entscheidung fällt im Sommer. Deshalb heißt es für alle Ascheberger, Lüdinghausener, Nordkirchener und Sendener: Daumen drücken!

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