Der sechste Nordkirchener Integrationstag zeigt, wie gelebte Inklusion aussieht

rn6. Nordkirchener Integrationstag

Zum sechsten Mal haben Caritaswerkstätten und die Gemeinde Nordkirchen den Inklusionstag veranstaltet. 25 Menschen mit Behinderung nahmen daran teil. Dabei geht es mitunter auch haarig zu.

Nordkirchen

, 07.05.2019, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Steven (19) ist umringt von Hunden. Der 19-Jährige steht in dem Hundefriseursalon von Helga Tripp (80) in Capelle und erlebt bei der erfahrenen Hundefrisörin, wie das Fell von Pudel und Co nicht nur zum Glänzen gebracht wird, sondern auch wie es in Perfektion sitzt. Heute ist ein Ausnahmetag für Steven.

Zum sechsten Mal haben die Caritaswerkstätten Nordkirchen und Betriebe aus der Schlossgemeinde und der Umgebung 25 Menschen mit Behinderung ermöglicht, Tagespraktika in unterschiedlichen Berufen zu absolvieren.

Ein Sprung ins kalte Wasser für Steven

Für Steven war das Tagespraktikum bei Helga Tripp gleich in doppelter Hinsicht ein Sprung ins kalte Wasser: Er ist kurzfristig als Ersatz für eine andere Praktikantin eingesprungen. „Einfach ausprobieren“ war Stevens Einstellung am Dienstag.

Angst vor Hunden hat der 19-Jährige nicht, seine Eltern haben zwei Hunde, erzählt Steven und streichelt einem der vielen vierbeinigen Frisörbesucher über das plüschige Pudelfell.

Nach den ersten Stunden bei Helga Tripp gefiel es Steven schon „sehr gut“. Es sei ein spannender Tag, sagt er. Die Hundefrisörin ist ebenfalls ganz angetan von ihrem Tagespraktikanten. Beim Bürsten habe ihr Steven geholfen und auch beim Festhalten und Streicheln, wenn einer ihrer Kunden noch etwas skeptisch auf die Schönheitsbehandlung reagiert hat.

Ein wichtiger Teil des Nordkirchener Gemeindelebens

Festhalten und Streicheln ist bei den Kunden von Eva Frank nicht nötig. Seit 22 Jahren betreibt sie ihren Friseursalon (Evas Haarstudio) an der Lüdinghauser Straße. Genauso wie Helga Tripp macht auch sie in diesem Jahr zum ersten Mal mit beim Nordkirchener Integrationstag. Ihre Tagespraktikantin Whitney (23) hatte sich einen Einblick in die Arbeit einer Frisörin gewünscht und schaut genau zu, wie Eva Frank ihrer Kundin die Haare wäscht, schneidet oder färbt.

Der sechste Nordkirchener Integrationstag zeigt, wie gelebte Inklusion aussieht

Whitney (l.) hat während des Integrationstages im Friseursalon von Eva Frank (r.) einen Einblick in den Beruf der Friseurin bekommen. © Karim Laouari

Die Salonbetreiberin kann sich jetzt bereits vorstellen, auch im nächsten Jahr wieder am Integrationstag teilzunehmen. Das Thema Integration sei ein wichtiger Teil des Gemeindelebens in Nordkirchen, deshalb habe Frank nicht lange überlegen müssen, als sie darauf angesprochen wurde, ein Tagespraktikum für einen Mitarbeiter der Caritaswerkstätten anzubieten, sagt sie.

Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen

„Whitney hilft zum Beispiel beim Haarewaschen und bringt den Kunden Getränke“, erklärt sie. Auch das - die Kundenbetreuung - gehöre zum Frisörberuf dazu. Die 23-Jährige selbst, sagt, dass sie vor allem „erstmal zuschauen“ und lernen möchte.

Seit 2014 findet der Integrationstag einmal im Jahr statt. Er ist eine Zusammenarbeit der Caritaswerkstätten und der Gemeinde Nordkirchen und soll Menschen mit Behinderung und Betrieben zusammenbringen. Das Ziel: den Gedanken der Inklusion auf die Arbeitswelt übertragen und Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen.

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