"Diskallico" radelt durch das Münsterland, besonders gerne auch durch Nordkirchen. © Goldstein
Kuriosität

„Diskallico“ radelt knallbunt durch Nordkirchen und sucht Mitstreiter

Nicht zu übersehen ist ein Radfahrer, der regelmäßig durch Nordkirchen fährt. Bunt beleuchtet und mit lauter Musik tritt „Diskallico“ in die Pedale. Der knallige Radfahrer sucht Mitstreiter.

Er ist laut, bunt und einfach nicht zu übersehen. Wo er auftaucht, bleiben die Leute stehen und zücken sofort ihre Handys. Im Internet hat er bereits eine große Fangemeinde aufgebaut, jede Sichtung des auffälligen Radfahrers wird sofort auf sämtlichen Online-Kanälen gepostet. Sogar Tik Tok-Videos gibt es von ihm. Die haben mittlerweile 60.000 bis 70.000 Views.

Die Rede ist von Karl Jehle (59), oder besser gesagt von „Diskallico“, denn so nennt sich der Fahrrad-Begeisterte. Seit zweieinhalb Jahren fährt Jehle regelmäßig Rad und seit August 2021 ist der 59-Jährige Herberner mit seinem knallbuntbunten Outfit im Münsterland unterwegs.

Nordkirchener neugierig auf blinkenden Radfahrer

Regelmäßig führt ihn sein Weg auch durch Nordkirchen. Fünf oder sechs mal war er nach eigener Aussage schon mit seinem blinkenden und trötendem Fahrrad in Nordkirchen. Dort gab es vor etwa drei Wochen einen warmen Empfang. „Da standen auf einmal so viele Leute, die halbe Straße war voll und alle haben zugesehen, wie ich hier langgefahren bin“, freut sich der bunte Radfahrer noch immer über die Begeisterung der Nordkirchener für das blinkende Gefährt und ihn.

An dem Fahrrad des 59-Jährigen blinken etwa 30 Lampen, alles LEDs, aber jede Woche kommen neue hinzu. Alle Lichter sind auf Fünf-Volt-Basis. Dafür nutzt Jehle fünf Powerbanks, „die sind wie Akkus im Handy, nur größer“, sagt er. Seit einer Woche trägt Jehle auch einen beleuchtete Helm und leuchtende Schuhe.

Diskallico sucht Mitstreiter in Facebook-Gruppe

Auch nach Lüdinghausen ist er schon mit seiner „Diskallico“ gefahren. Der Name ist ein Wortspiel aus seinem Spitznamen „Kalli“ und Disco. Vorwenigen Tagen ist er mit dem Rad nach Bockum-Hövel gefahren, „ich fahre immer zwischen 25 und 30 Kilometern, meistens so sechs Stunden“.

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In Herben hat er ein Freitags-Event, dann fährt Jehle mit jedem, der mitfahren möchte durch die Gegend. Aber auch in der Nordkirchener Facebook-Gruppe hat der laute und bunte Radfahrer bereits nach Mitstreitern gesucht. Gefunden hat ihn ein Mann aus Ascheberg, der sich schon bunte Lampen besorgt hat und mitfahren möchte. Auch eine Anfrage aus Köln kam schon rein.

In die Pedale treten gegen enormen Stress und Tinnitus

Aber wie kommt man auf die Idee, sein Rad so umzurüsten, bunt blinkend und mit einer Musikanlage durch die Gegend zu Fahren? Vor etwa zwei bis drei Jahren hatte Karl Jehle enormen privaten wie beruflichem Stress. Der war so groß, dass er sogar einen Tinnitus bekam. Während der Corona-Pandemie wurde die Situation für ihn nicht besser, er litt unter chronischer Erschöpfung.

Überall wo Karl Jehle mit seinem bunten Rad langfährt, wird er angeschaut.
Überall wo Karl Jehle mit seinem bunten Rad langfährt, wird er angeschaut. © Goldstein © Goldstein

Um die Symptome zu bekämpfen tritt Karl Jehle also in die Pedale, denn die psychische Belastung unter der er leidet, lässt sich nicht mit Tabletten bekämpfen. „Dagegen hilft nur Ablenkung und positiver Stress“, sagt er im Gespräch.

„Gibt es noch mehr von meiner Sorte?“

Also begann Jehle unter leichter Belastung zu fahren, damit ging auch der Tinnitus nach oben. Zunächst. Denn danach wurde es besser. Wenn die Ruhe einkehrt, geht auch der Tinnitus runter.

„Auch ablenken hilft, vor allem mit vielen bunten Lämpchen und lauter Musik“, sagt Jehle. Mittlerweile sei der nervige Feind im Ohr tageweise sogar komplett weg.

Mitte Juni 2021 hat Karle Jehle im Internet recherchiert, ob es noch mehr Radler wie ihn gibt. Gefunden hat er einen jungen Allgäuer, der Räder bunt und beleuchtet aufmotzt.

In Deutschland noch unbekannt

Dann fand er eine Gruppe in Italien, die mit fahrenden Discos rumradelt. Außerdem steht er in Kontakt mit einem Amerikaner, dem Leiter der Gruppe, die „Venice Electric Light Parade“ heißt. Die Gruppe fährt mit 300 bis 500 Leuten durch Los Angeles. „Ich bin also nicht allein, nur in Deutschland ist so etwas noch komplett unbekannt“, sagt Diskallico.

Für die Zukunft hat sich der 59-Jährige noch Münster, Aalen und weitere Städte auf die Bucket List geschrieben. „Mein Hauptziel ist es nicht mehr viel Geld zu verdienen, sondern möglichst viel Spaß zu haben und Stress zu vermeiden.“

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen