Eis-Unfall: Zufälliger Retter war perfekt vorbereitet

Am Schloss Nordkirchen

Nur zufällig ist Julian Grenz (31) am Montag am Wassergraben des Schlosses Nordkirchen vorbei gegangen. Plötzlich entdeckte er zwei junge Männer, die im Eis eingebrochen waren. Dass ausgerechnet er in dem Moment vor Ort war, muss Fügung gewesen sein - denn er war perfekt auf so einen Notfall vorbereitet.

NORDKIRCHEN

, 24.01.2017, 19:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Grenz ist Vorsitzender der Nordkirchener Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG): „Ich hatte auf Verdacht schon das Seil mitgenommen, das ich immer im Auto liegen habe“, sagt Julian Grenz am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn als er mit seinem Auto vorfuhr, sah er sie schon: junge Leute mit Schlittschuhen über der Schulter, die auf dem Weg zum Schlossgraben waren.

Gräfte ist 1,80 Meter tief

An anderen Orten in der Umgebung wird derzeit Schlittschuh gefahren - beispielsweise in Olfen an der Alten Fahrt: eine mit Eis bedeckte Weide. Wer dort einbricht, steht nur knöcheltief im Wasser. In Nordkirchen ist das jedoch weitaus gefährlicher: „Die Gräfte ist 1,80 Meter tief“, so Grenz. Und: Unter Wasser lägen Stöcke, Fahrräder und andere Gegenstände, „an denen man sich schwer verletzten kann“.

„Vor dem Betreten des Eises wird gewarnt“ - diesen großen Warnschilder zum Trotz hatten sich die Jugendlichen aufs Eis begeben. Was schon der Nachwuchs in der DLRG-Gruppe Nordkirchen wisse, sei ihnen wohl unbekannt gewesen: „Es muss mindestens eine Woche lang unter zehn Grad minus sein, damit man sich aufs Eis trauen kann“, so Grenz.

Eislaufen? - "Zur Zeit auf keinen Fall!

„Solche wirklich kalten Wintertage gab es in der Vergangenheit immer wieder“, sagt Wilhelm Schulte, Verwaltungsleiter der Fachhochschule für Finanzen, die ihren Sitz im Schloss hat. Seine Mitarbeiter – gerade die Gärtner seien auch im Winter draußen aktiv – würden die Eisfläche dann zwar nicht offiziell freigeben, „aber sie sagen dann nichts“.

Im Gegenteil: „Für unsere Studenten ist es ja toll, dort ihre Runden zu drehen.“ Aber Gelegenheit dazu bestehe eben nur selten: „Zurzeit auf keinen Fall.“

Jetzt lesen

Das sieht Anne Büscher von der Gemeindeverwaltung mit Blick auf Temperaturen um den Gefrierpunkt genauso. „Die Gemeinde Nordkirchen bietet aber ohnehin keine öffentlichen Flächen zum Eislaufen an“, sagt sie.

Aus Eis geretteten Männer laufen zu ihrem Auto

Als am Montag die beiden nassen Schlittschuhfahrer wohlbehalten wieder auf festem Boden standen, wollte Julian Grenz den Notarzt rufen. „Das macht man so, denn mit Unterkühlung ist nicht zu spaßen.“ Sie seien aber lieber im Galopp zu ihrem Auto gerannt.

Grenz ist dagegen zurzeit nicht so flott unterwegs. Wegen einer Rückenverletzung ist nur leichtes Spazierengehen möglich: ein trauriger Umstand für ihn, aber ein Glück für die beiden im Eis Eingebrochenen.

Lesen Sie jetzt