Die Bebauung des Haus-Westermann-Grundstücks hat auch ein Jahr nach dem ersten Bauantrag nicht begonnen. Die UWG bleibt bei ihrer kritischen Haltung gegenüber Architekt Thomas Buhl.

Nordkirchen

, 01.07.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Haus-Westermann-Grundstück gehört zweifelsfrei zu den prominentesten Grundstücken im Nordkirchener Ortskern. Entsprechend stark steht es im Blick der Öffentlichkeit und der Politik. Im Gespräch mit unserer Redaktion formuliert die UWG neue Zweifel an der Umsetzung.

„Es ist nicht so wie immer dargestellt, dass die Mitarbeiter des Kreises Coesfeld die Bösen sind“, sagt Heinz-Jürgen Lunemann. Er sitzt für die UWG im Nordkirchener Gemeinderat und ist auch ordentliches Mitglied im Kreistag. In der Sitzung des Kreisausschusses am 13. Mai hatte er zum wichtigen Nordkirchener Bauprojekt eine Anfrage gestellt: „Warum hat sich das ganze Verfahren so in die Länge gezogen?"

Kreismitarbeiter macht keine Schuldzuweisungen

Der im Internet einsehbaren Niederschrift der Sitzung ist zu entnehmen, dass Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr eine Untätigkeit oder Verzögerung durch die Mitarbeiter des Kreises deutlich zurückgewiesen hat. Die Verzögerungen seien eindeutig dem Antragsteller zuzurechnen, der nachgeforderte Unterlagen nicht bzw. nicht zeitnah eingereicht habe.

Nein und nochmals nein: Schuldzuweisungen will Ludger Brinkmann vom Kreis Coesfeld nicht machen. Aber nein, er möchte auch nicht, dass unberechtigte Vorwürfe gegenüber der Kreisverwaltung im Raum stehen bleiben. Brinkmann nennt deshalb auf unsere Anfrage die zeitlichen Abläufe.

„Für das Eckgrundstück Mühlenstraße/Schloßstraße - also das Nachfolgegebäude von Haus Westermann - ist erstmals am 24. Juni 2019 ein Bauantrag eingegangen.“ Am 10. Juli 2019 habe der Kreis aufgelistet, was nicht genehmigungsfähig sei.

„Anträge waren nicht vollständig“

Nach „mehrfachen Umplanungen“ seien die Unterlagen am 3. März 2020 vollständig gewesen. „Am 10. März 2020 - also nur eine Woche später - hat der Kreis Coesfeld die Baugenehmigung erteilt.“ Ähnlich sei die Situation bei Vorhaben auf der Ecke Schloßstraße/Krampeneck gewesen.

„Der erste Bauantrag ist am 21. August 2019 hier beim Kreis eingegangen“, sagt Ludger Brinkmann. Weil er nicht rechtzeitig vervollständigt wurde, sei der Antrag am 17. Januar 2020 als zurückgezogen gewertet worden.

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„Vier Tage später ist das Vorhaben erneut beantragt worden.“ Ebenfalls am 3. März waren nach Einschätzung des Kreises Coesfeld die Unterlagen vollständig. Mit Datum vom 11. März ging die Genehmigung heraus.

Grundstücksgrenze ist dreimal geändert worden

Angesichts der langen Zeitspanne zwischen dem ersten Antrag und der Vervollständigung der Unterlagen stellt sich für den Laien allerdings doch die Frage nach dem „Warum“. Brinkmann sagt dazu allgemein: „Es war keine unkomplizierte Planung mit verschiedenen Änderungen auf der Bauherrenseite.“

So sei alleine die Grundstücksgrenze dreimal geändert worden. Bereits von Anfang an seien die Stellplätze ein Thema gewesen. Als „Juckelpunkte“ zählt Brinkmann den Brandschutz und die verschiedenen Nutzungen auf. „Deshalb hat es auch mehrere Gespräche mit dem Bauherrn gegeben.“ Aus Sicht der Kreisverwaltung sei das Vorhaben auch für den Investor nicht „ganz einfach gewesen“.

„Prominente Lage des Grundstücks war von Anfang an bekannt“

Brinkmanns Fazit lautet deshalb: „Von der Kreisverwaltung aus hat es keine Verzögerung von mehr als zwei Wochen gegeben, denn die prominente Lage des Grundstücks in Nordkirchen war von Anfang an bekannt.“ Dezernent Ulrich Helmich hatte in der Kreisausschuss-Sitzung ausdrücklich betont, dass alles ordnungsgemäß abgelaufen und quasi minutiös nachvollziehbar sei.

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Eine Position, die Heinz-Jürgen Lunemann offensichtlich teilt. Allerdings geht das UWG-Mitglied noch einen deutlichen Schritt weiter. Er formuliert nicht erst jetzt seine Zweifel am Investor. Bereits im Juni 2019 hatte die UWG einen Antrag auf Rückabwicklung des Vertrages mit Thomas Buhl gestellt. Er wurde mehrheitlich abgelehnt.

Verwaltung erhofft sich einen „baldigen Baubeginn“

Die Gemeindeverwaltung Nordkirchen räumt auf Nachfrage ein, dass sie sich einen „schnelleren Fortgang“ gewünscht hätte. „Wir wären froh, wenn es losgehen würde“, sagt Bauamtsleiter Josef Klaas. Die Verwaltung sei „guter Hoffnung, dass dies bald der Fall ist.“

Zunächst müssen aber noch weitere Bedingungen erfüllt sein. Nach Informationen der Gemeindeverwaltung hat Thomas Buhl beim Kreis Coesfeld Wohnungsbaufördermittel beantragt. Zudem laufe eine Prüfung durch die NRW-Bank. Dieser bei derartigen Projekten übliche Vorgang überprüfe die finanzielle Leistungsfähigkeit des Investors.

Thomas Buhl hat sich auf eine Anfrage der Redaktion zu diesem Thema bisher nicht gemeldet.

Bauarbeiter haben lange zu tun auf dem Grundstück

Viele Bürger der Gemeinde hoffen darauf, dass die Bauarbeiten beginnen. Bereits seit dem Abriss im Sommer 2019 ist das ehemalige Gasthaus und Hotel Westermann an der Schloßstraße Geschichte. Mit der Eröffnung des Gebäudes dürfte es zumindest in diesem Jahr nichts mehr werden. In einem früheren Gespräch mit der Redaktion war Thomas Buhl von einer zwölfmonatigen Bauzeit ausgegangen.

Die Arbeiten am Teil des ehemaligen Hauses Wißmann auf der Ecke Krampeneck sollen etwa ein dreiviertel Jahr zeitversetzt beginnen. Auch diese Arbeiten sollen etwa ein Jahr dauern. Bis also die markante Stelle mitten in Nordkirchen in neuem Glanz erstrahlt, ist noch viel Geduld gefragt.

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