Es rollt eine große Hilfswelle durch Nordkirchen

Ehrenamtliches Engagement

Eine Notunterkunft wird Nordkirchen vorerst nicht bekommen. Das hat die Bezirksregierung gegenüber der Gemeindeverwaltung deutlich gemacht. Trotzdem rollt eine Welle ehrenamtlichen Engagements durch Nordkirchen. Wir stellen drei Beispiele für gelungene Nordkirchener Hilfsmentalität vor.

Nordkirchen

, 09.09.2015, 13:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Es rollt eine große Hilfswelle durch Nordkirchen

Leitungspersonen im Gespräch: Stefanie Sandhagen, Pfarrcaritas-Teamsprecherin Maria Schlieker (79) und Pastoralreferentin Christiane Poppe in der Kleiderkammer.

1. Beispiel: Kleiderkammer

Die Kleiderkammer der Pfarrcaritas ist wieder eröffnet (wir berichteten). Dabei erwähnten wir auch, dass die Mannschaft der Helferinnen, die hier mitarbeiten, in der Sommerpause stark gewachsen ist. Vor den Ferien hatten sich zwei langjährige Mitarbeiterinnen aus gesundheitlichen Gründen aus der Kleiderkammer verabschiedet – aus einem damals fünfköpfigen Team ist jetzt ein 13-köpfiges geworden.

13 Frauen wollen sich nun dafür einsetzen, dass Kleiderspenden angenommen, sortiert und an einem Tag im Monat an Bedürftige ausgegeben werden. Da wächst im Leitungsteam der Pfarrcaritas schon die Idee, einen zweiten Öffnungstag pro Monat anzubieten. Zurzeit läuft die Prüfung, möglicherweise steht eine Ausweitung bald bevor. 

Jetzt lesen

Bei der Kleiderkammer können Bedürftige günstig gebrauchte Kleidungsstücke, Bettwäsche oder Schuhe erwerben. Dabei handelt es sich um gut erhaltene Sachen, die andere Nordkirchener aussortiert haben und der Gemeinde zur Verfügung gestellt haben. Einmal im Monat, immer am zweiten Dienstag, öffnet die Kleiderkammer im Keller des Pfarrheims ihre Türen. Die Einzelteile kosten zwischen 25 Cent und 2 Euro – nur ein symbolischer Beitrag der Kunden, damit die Wertschätzung der erworbenen Teile gefördert wird.

2. Beispiel: Sprachunterricht

Es war ein simpler Aufruf an die Bürgerschaft in Nordkirchen: Wer könnte sich vorstellen, Flüchtlingen Sprachunterricht zu erteilen? Die Resonanz war riesig: Rund 20 Personen, darunter viele Lehrer oder Pensionäre, meldeten sich darauf bei der Pfarrgemeinde St. Mauritius beziehungsweise direkt bei der Pfarrcaritas um Teamsprecherin Maria Schlieker.

Dabei ist angedacht, das Angebot ergänzend zu den Sprachkursen, die es in Südkirchen gibt, und in Kooperation damit anzubieten. „Aber wie genau wir das ausgestalten können, entwickeln wir mit den Freiwilligen zusammen“, sagt Pastoralreferentin Christiane Poppe. Sie arbeitet hauptamtlich in der Gemeinde St. Mauritius und sieht ihre Aufgabe darin, das ehrenamtliche Engagement anzustoßen und begleitend, beratend und vermittelnd tätig zu sein. Bereit erklärt, dieses Angebot bei der Pfarrcaritas zu stützen, ist Reinhard Niehues. Er wird auch am Mittwochabend bei einem ersten Treffen der Ehrenamtlichen dabei sein und die Möglichkeiten und Interessen dort bündeln.

Jetzt lesen

3. Beispiel: Tee-Café

Unter dem Projekttitel „Tee-Café“ bereitet eine kleinere Gruppe im Team der Pfarrcaritas ein offenes Angebot vor, das vergleichbar ist mit dem „Café international“ in Olfen: Es soll sich an Asylsuchende aus Nordkirchen, Südkirchen und Capelle und Menschen aus den Orten richten, die Interesse haben deren Integration zu fördern, sie kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei soll ab Oktober alle zwei Wochen montags von 15.30 bis 17.30 Uhr die Altenbegegnungsstätte hinter der Mauritiuskirche geöffnet werden. Dort stehen zwei Räume und eine Teeküche dafür zur Verfügung.

Die Idee entstand aus dem Besuchsdienst der Pfarrcaritas heraus: Dabei gehen Ehrenamtliche zu Bedürftigen in der Gemeinde nach Hause, um ihnen Hilfe und ein offenes Ohr anzubieten. Vor allem bei den Flüchtlingen seien sie zuletzt immer wieder überhäuft worden von Anfragen und Sorgen. „Da wird man oft praktisch überfallen“, sagt Stefanie Sandhagen, die zusammen mit Susanne Schuster und Barbara Alsbach dieses Projekt vorantreiben will. Es gehe um medizinischen Rat, Fragen zu Dokumenten oder Behördenbesuchen, Übersetzungsdinge, aber auch andere Probleme des Lebens in der neuen Heimat für neu angekommene Flüchtlinge. „Das ist dann für einzelne Personen von uns oft zu viel auf einmal.“ Darum soll dieses „Tee-Café“ eine Anlaufstelle sein, wo alle hinkommen können und auch offene Ohren von mehreren Personen für solche Probleme da sind. 

Die Pfarrcaritas trägt das organisatorisch und leistet auch finanziell Hilfe, dazu werden gerne Kuchenspenden angenommen. Christiane Poppe sagt: „Wir sehen den Herbst und Winter kommen. Die Asylbewerber haben in ihren Unterkünften keine richtigen Gemeinschaftsräume. Wir wollen ihnen das hier anbieten.“ Dabei soll es kein festes Programm geben. Es soll Möglichkeit zu Gesprächen, zu einem gemeinsamen Kaffee oder Tee, etwas Gebäck und Gesellschaftsspiele geben. Die Treffen finden am ersten und dritten Montag im Oktober erstmals statt.

Jetzt lesen

Diese drei Initiativen der Pfarrcaritas basieren auf den Ideen einzelner und einem regelmäßigen Austausch in einem Leitungsteam, das sich einmal im Monat trifft und Dinge koordiniert und bespricht. Dort werden Bedürfnisse in der Gesellschaft vor Ort besprochen. Maria Schlieker ist Teamsprecherin der Pfarrcaritas, die begleitet wird von Pastoralreferentin Christiane Poppe. 

Lesen Sie jetzt