Fazit: Ein Jahr Rettungsdienst aus Südkirchen

Unternehmen Arbo

Bürgermeister Dietmar Bergmann nannte den Rettungswagen des privaten Unternehmens Arbo einen "gewaltigen Sprung in der Infrastruktur in Nordkirchen". Aus Lüdinghausen brauchte ein Rettungswagen 20 Minuten, das Unternehmen ist in unter 10 Minuten vor Ort. Doch die Krankenkassen zahlen nur 40 Prozent der Einsatzkosten.

NORDKIRCHEN

, 14.07.2017 / Lesedauer: 3 min
Fazit: Ein Jahr Rettungsdienst aus Südkirchen

Frank Dunsche (l.) betreibt seit knapp einem Jahr den neuen Rettungsdienst in Südkirchen an der Cappenberger Straße. Nun stellte er gemeinsam mit Bürgermeister Dietmar Bergmann (r.) und Mechtild Kammert von der Gemeinde (2.v.l.) ein erstes Fazit.

Seit rund einem Jahr übernimmt das private Unternehmen Arbo (Ambulanz- und Brandschutzdienste) von der Cappenberger Straße in Südkirchen aus unter anderem Rettungs- und Krankentransportfahrten. Donnerstag zogen Arbo-Chef Frank Dunsche und Gemeinde ein erstes Fazit.

Ein paar Zahlen:

Frank Dunsche hatte vor allem viele Zahlen aus dem vergangenen und diesem Jahr im Gepäck.

Ab dem 16. August 2016: 

  • Das Rettungsfahrzeug fuhr zu 214 Einsätzen seit dem 16. August. Das sind 1,57 Einsätze pro Tag. 
  • Davon waren 191 Notfalleinsätzen (1,4 pro Tag im Durchschnitt) und 23 Krankentransporten.
  • Den Großteil der Einsätze fuhren sie innerhalb der Nordkirchener Gemeindegrenzen (140 Einsätze)

Bis Mitte Mai 2017: 

  • 238 Einsätze (1,76 im Durchschnitt pro Tag),
  • davon waren 216 Notfalleinsätze (1,6 pro Tag) und 22 Krankentransporte.
  • Auch die Fahrten innerhalb der Gemeinde stiegen leicht auf 143, was etwa 1,06 pro Tag sind.

Standort in Nordkirchen?

Zusammengefasst ziehe die Gemeinde angesichts dieser Zahlen „ein absolut positives Fazit“, sagte Bürgermeister Dietmar Bergmann. Auch Arbo-Chef Frank Dunsche zeigte sich mit dem Ergebnis nach etwa einem Jahr zufrieden. In Zukunft gelte es, an der Feinjustierung zu arbeiten.

So werde sich noch zeigen, ob der Standort an der Cappenberger Straße 18 wirklich der Ideale ist oder ob ein Platz im Nordkirchener Ortskern angesichts der vielen Einsätze in diesem Ortsteil nicht günstiger wäre, erklärte der Arbo-Chef.

Ob Südkirchen, Nordkirchen oder Capelle: Der Rettungsdienst hat in seinem ersten Jahr bereits dazu beigetragen, dass im Durchschnitt deutlich schneller Hilfe am Unfallort war als zuvor. So hätten Rettungswagen aus Lüdinghausen alleine der Entfernung wegen teilweise eine Anfahrtzeit von 20 Minuten gehabt, sagte Frank Dunsche. 2016 sei der Südkirchener Rettungswagen im Schnitt in 8,81 Minuten (2017: 8,94 Minuten) am Einsatzort gewesen. Bei Einsätzen in der Schlossgemeinde lag der Schnitt bei 6,42 Minuten (2017: 6,90 Minuten).

Krankenkassen zahlen nur 40 Prozent

Die Einsätze laufen, die Zeiten stimmen, trotzdem gibt es für Frank Dunsche und sein in Olfen ansässiges Unternehmen einen Wermutstropfen: Die Krankenkassen zahlen ihm aktuell nur 40 Prozent der Einsatzkosten zurück, andere verweigern sich der finanziellen Erstattung sogar komplett. Das Problem: Der Rettungsdienst befindet sich noch nicht im Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises Coesfeld.

Und als privates Rettungsdienstunternehmen sei der Stand vor den Krankenkassen einfach ein anderer als der etablierter Rettungsdienste. Der Fall befinde sich gerade beim Sozialgericht in Münster, sagt der Arbo-Chef. Würde seine Rettungswache in Südkirchen in den nächsten Rettungsdienstbedarfsplan aufgenommen werden, wäre das zumindest schon ein großer Schritt in der Auseinandersetzung mit einigen Krankenkassen.

Denn das Geld, das nicht oder nur zum Teil in seiner Rechnung fehlt, zahlt der Unternehmer aus eigener Tasche drauf. Das erste halbe Jahr habe er die Einsatzkosten aus eigenen Mitteln subventionieren müssen. Etwa 450 Euro berechnet er für einen Rettungseinsatz, sagt Frank Dunsche.

Kreis bearbeitet neuen Bedarfsplan

Auf Anfrage unserer Redaktion sagte Dietrich Aden vom Kreis Coesfeld, der neue Rettungsdienstbedarfsplan werde zurzeit bearbeitet. So werde aktuell ein Gutachten erstellt, das den Bedarf im Kreis erfasse. Anfang 2018 soll der Bedarfsplan dann in den betreffenden Fachausschüssen des Kreises Coesfeld besprochen werden.

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