Ferdinand von Plettenberg ist zurück in Nordkirchen

Die Geschichte des Schlossherrn

Die Portraits von Ferdinand von Plettenberg und seiner Gemahlin Bernhardine von Westerholt sind ins Schloss Nordkirchen zurückgekehrt. Erstanden auf einer Auktion haben die Kunstwerke zurück in den Speisesaal des Erdgeschosses gefunden. Doch warum sind die Gemälde so wichtig für das Schloss? Eine Zeitreise.

NORDKIRCHEN

von Hildegard Schlutius

, 19.09.2017, 06:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ferdinand von Plettenberg ist zurück in Nordkirchen

Die Gemälde sind gut verpackt, damit sie keinen Schaden nehmen.

Im Leben hatte er es nicht mehr geschafft, nun ist er immerhin als Portrait nach Nordkirchen zurückgekehrt: der große Ferdinand, Wilhelm, Adolf, Franz von Plettenberg, der das Schloss erbauen und die seiner Zeit so berühmten Gärten anlegen ließ.

Er brachte Glanz und Leben in diesen damals weit entlegenen Ort im Münsterland. Hohe Würdenträger und sogar den späteren Kaiser Franz I. konnte er auf seinem Besitz begrüßen und mit Tafelgenüssen, Musik und Feuerwerk ehren und erfreuen.

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Er war Erbmarschall und erster Minister des Fürst Bischofs Clemens August von Wittelsbach, den man den „Monsieur de Cinque eglises“ nannte, da er die Bistümer Köln, Münster, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim regierte, das größte zusammenhängende Territorium im norddeutschen Raum.

Mit diplomatischem Geschick und vor allem engen Kontakten zu seiner einflussreichen Verwandtschaft hatte Ferdinand seinem Herrn, der zunächst nur Regent und Bischof in Köln war, nach und nach die Herrschaft in den anderen Fürst Bistümern verschafft. Der Fürstbischof versicherte ihn wieder und wieder seiner besonderen Dankbarkeit.

Mit dem goldenen Vliesses ausgezeichnet

Aber auch das Haus Habsburg hatte sich Ferdinand verpflichtet, da er seinen Herrn, den Fürstbischof Clemens August 1732 dazu bewegen konnte, für die „Pragmatische Sanktion“ zu stimmen. Sie bedeutete, dass die Tochter des Kaisers Karls VI., mangels eines Sohnes die Erbfolge im Land Österreich antreten konnte.

Ferdinand wurde vom Kaiser für die gewagte, diplomatische Leistung, dem Taktieren zwischen Wittelsbach/Frankreich und dem Hause Habsburg mit der Grafschaft Kosel in Schlesien und mit dem höchst ehrenvollen Orden des goldenen Vliesses ausgezeichnet.

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Aus dem Freiherrn Plettenberg war der Reichsgraf Plettenberg geworden. Seine Besitzungen waren umfangreich, seine Macht groß, aber wer hochsteigt, kann auch tief fallen. Plötzlich im Mai 1733 begann der Fürst Bischof ihn kalt zu behandeln und ließ ihm dann im August die Entlassungspapiere überreichen. Möglicher weise bedauerte Clemens August, dass er sich so stark von ihm hatte beeinflussen lassen. Ferdinand war in das Räderwerk der hohen Politik geraten.

Der Witwe einen riesigen Schuldenberg hinterlassen

Nun hoffte er, als Belohnung vom Kaiser als Reichskanzler eingesetzt zu werden, aber der fand ihn ab mit dem Botschafterposten in Rom, der im Wesentlichen nur der Repräsentation diente. Ehe aber Ferdinand von Plettenberg diese Aufgabe antreten konnte, erkrankte er schwer in Wien und starb wenige Tage später. Er wurde dort in der Minoritenkirche beigesetzt.

Seine Witwe, Bernhardine von Westerholt befand sich nun in einer schwierigen Situation. Ihr Gemahl hatte trotz seiner hohen Apanage als Erbmarschall und seiner Einkünfte aus seinen Besitzungen einen riesigen Schuldenberg hinterlassen. Hinzu kam, dass er für die elegante Ausstattung seines in Rom angemieteten Palais Möbel, wertvolle Bilder, Porzellane, Uhren und andere Kostbarkeiten vorgeschickt hatte.

Wertvolle Güter Schleuderpreisen veräußert

Ein sehr teurer Rücktransport kam nicht in Frage und so wurden die wertvollen Güter in den nächsten Jahren zu Schleuderpreisen an die bedeutenden Familien Roms veräußert, deren Villen sie fortan schmückten. Auch die schon auf dem Weg nach Rom in den Niederlanden gelagerten Kunstgegenstände kehrten nicht nach Nordkirchen zurück.

Sie wurden teils in Amsterdam zu niedrigsten Preisen feilgeboten. Der Verkauf war aber dennoch nicht einfach. So hatten 140 Bilder und drei Bronzen, die zusammen genommen 24.543 holländische Gulden bringen sollten, drei Jahre später nicht einmal für 5000 Guldeneinen einen Interessenten gefunden.

Mehr als 100 Jahre im Dornröschenschlaf

Der Witwe gelang es nicht, die Schulden abzutragen. Auch die nachkommenden Generationen, die überwiegend in der Kaiserstadt Wien lebten, neigten dazu, das Geld mit vollen Händen auszugeben. Das zuvor so glänzende Schloss Nordkirchen aber verfiel für etwas mehr als 100 Jahre in einen Dornröschenschlaf.

Erst die Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkelin des Grafen Ferdinand, Maria von Plettenberg, Gemahlin des Grafen Esterhazy Galantha, besann sich wieder auf ihre westfälische Heimat und lebte jährlich mehrere Monate mit ihrer Familie in diesem Juwel barocker Baukunst.

Bilder landeten im Depot
Der Herzog von Arenberg, so die Vermutung von Experten, hat die beiden Porträts bei seinem Einzug ins Schloss 1905 ins Depot bringen lassen, da er ja nun der Schlossherr war. Aus diesem Depot sind in der Folgezeit offensichtlich verschiedene Kunstwerke „abhanden“ gekommen. Die Hintergründe dieses „Verschwindens“ sind nie ganz geklärt worden.

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