Feuchttücher in der Toilette bereiten auch in Nordkirchener Kanalisation Probleme

rnVerstopfte Abwasserrohre

Was in einigen Nordkirchener Toiletten heruntergespült wird, stellt den Lippeverband immer wieder vor Probleme. Heruntergespülte Feuchttücher machen aber nur einen Teil dieses Unrats aus.

Nordkirchen

, 09.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bilder zweier Riesen-Fettklumpen gingen um die Welt: In den Kanalisationen des südenglischen Küstenorts Sidmouth und des Londoner Stadtteils Whitechapel hatten sich über Jahre aus Fett, Kondomen, Feuchttüchern und weiterem Unrat Fettberge von über 60 Meter Länge gesammelt. Ein Großstadtphänomen? Nicht unbedingt.

Punktuell gebe es ähnliche Probleme auch in der Nordkirchener Kanalisation, wie Bauamtsleiter Josef Klaas auf Anfrage sagt. Fettberge in dem oben beschriebenen Ausmaß hätten sich noch nicht angesammelt, allerdings gebe es auch in der Schlossgemeinde immer wieder Probleme mit dem, was in den Abflüssen landet, aber eigentlich nicht dahingehört.

Fett sammelt sich meist in der Nähe von Gastronomiebetrieben

Wenn Fettansammlungen entstehen, dann meistens durch Gastronomie-Betriebe, erklärt Josef Klaas. Das sei vereinzelt auch in Nordkirchen aufgetreten, wenn Betriebe, wie zum Beispiel Imbisse, keinen Fettabscheider in der Küche verwenden und altes Fett in die Kanalisation leiten. In einem Fall, den der Bauamtsleiter beschreibt, sei ein kleines Pumpwerk betroffen gewesen. „Dort können sich Fettballen sammeln“, so Klaas. Die Folge: Die Pumpe fällt aus.

Ilias Abawi, Sprecher für die Emschergenossenschaft und den Lippeverband, sagt, dass Fettberge, wie sie in Großbritannien aufgetreten sind, hierzulande nicht das Problem wären. „Dafür sind die Betriebe hier zu diszipliniert“, sagt Abawi. „Natürlich kommt auch hier im Abwasser Fett an, das stellt aber kein Problem dar“, fügt er hinzu.

„Grobstoffe“ sind viel problematischer

Was allerdings ein großes Problem für die Wasserverbände ist, sind zum Beispiel Feuchttücher und andere „Grobstoffe“, wie Ilias Abawi sagt. Gerade Feuchttücher landen nach der Benutzung häufig in der Toilette, lösen sich, anders als trockenes Toilettenpapier nicht im Wasser in kleinere Bestandteile auf.

Sammeln sich die Tücher dann in Pumpwerken, können sie die Pumpen beschädigen, so der Lippeverband-Sprecher. Etwa eine Million Euro gibt der Verband im Jahr für die Entsorgung solcher Grobstoffe aus, erklärt Abawi.

Auch über die Toilette entsorgte Windeln hätten in der Vergangenheit für Probleme gesorgt, sagt Josef Klaas.

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Diese verstopfen dann entweder direkt die Rohre im Haus, oder bleiben spätestens in der Kanalisation hängen, erklärt Klaas.

Eine Rolle dabei spielt auch, wie viel Wasser durch die Kanalisation läuft. Die Wasserspartaste an der Toilettenspülung ist zwar für den Kunden gut, weil er erstmal Wasser spart. „Kanäle werden bei weniger Wasserzulauf aber auch schlechter gespült“, sagt Ilias Abawi. Das bedeutet, dass häufiger die Kanalisation gereinigt werden müsse, was wiederum mit höheren Unterhaltungskosten einhergehe, so Abawi.

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