Leon Leuschner hat am 1. August seine Ausbildung im Landgasthof Simonsmeier begonnen. Er lässt sich zum Koch ausbilden - und von der Corona-Krise nicht abschrecken.

Capelle

, 12.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon während seiner Schulpraktika im Landgasthaus Simonsmeier war für Leon Leuschner klar „Ich möchte Koch werden.“ Die abwechslungsreichen Aufgaben und gute Job-Aussichten nach der Ausbildung überzeugten den Schüler. Schwierige Arbeitszeiten und Stress? Der 16-Jährige lächelt. Er hat seinen Traumberuf gefunden. Leon Leuschner ist seit dem 1. August angehender Koch, der erste Auszubildende im Landgasthaus Simonsmeier.

„Wir sind ein Familienbetrieb. Wer hier arbeitet muss auch ins Team passen. Das ist ganz wichtig. Leon hat Spaß an der Arbeit und ist interessiert. Auch die schulischen Voraussetzungen hat er erfüllt“, sagt Stefanie Simonsmeier. Stefanie und Marcus Simonsmeier haben sich über Leons Bewerbung gefreut.

Aber es gab auch Bedenken. „Hier wird an Wochenenden und Feiertagen gearbeitet. Oft bis spät in den Abend. Leon ist noch nicht volljährig, da müssen wir uns an das Jugendarbeitsschutzgesetz halten. An den Berufsschultagen fällt er aus und dienstags ist bei uns Ruhetag. Die Ausbildung ist komplex und umfasst viele Bereiche. Das wird zeitlich eng“, erklärt Stefanie Simonsmeier. Dennoch stand schnell fest: „Das kriegen wir hin.“

Der 16-Jährige fährt mit dem Rad zur Arbeit. Denn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man das Restaurant nur schwer. Die Strecke von ungefähr vier Kilometern ist für ihn kein Problem.

Bevor der Azubi mit Lebensmitteln in Berührung kommt, zieht er sich um. In der Küche angekommen müssen die Hände gewaschen und desinfiziert werden. Eine kurze Besprechung mit dem Chef Marcus Simonsmeier und schon legt Leon los. Schnippeln, schälen und Salate anrichten. Zu einer professionellen Ausbildung als Koch gehört jedoch weit mehr als das.

Ausbildungsplan Schritt für Schritt abhaken

Am Anfang stehen viele Grundlagen auf dem Ausbildungsplan. Wie schneidet man richtig, Gar-Techniken, welche Nahrungsmittel es gibt, welche Inhaltsstoffe sie enthalten? Arbeitsplanung und betriebswirtschaftliche Inhalte spielen ebenfalls eine große Rolle. „Wir sind den Ausbildungsplan gemeinsam durchgegangen, werden ihn jetzt gut sichtbar am Kühlhaus aufhängen und Schritt für Schritt abhaken“, erzählt Leon.

In der Gaststätte ist Teamfähigkeit, auch mit dem Service, wichtig.

In der Gaststätte ist Teamfähigkeit, auch mit dem Service, wichtig. © Beate Dorn

Von Stefanie Simonsmeier, die für den Service zuständig ist, erfährt Leon, dass für den nächsten Tag eine Hochzeitsgesellschaft angemeldet ist. Das Anrichten der Speisen, die Dekoration, das Aufstellen des Buffets. Auch das gehört zur Ausbildung.

Noch viele Ausbildungsplätze in der Gastronomie frei

„Das Gastgewerbe ist auf ausreichende und richtig qualifizierte Fach- und Arbeitskräfte angewiesen. Sie entscheiden über die Leistungs- und Dienstleistungsqualität der Branche. Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen“, sagt Stefanie Simonsmeier.

Leon Leuschner bei der Arbeit.

Leon Leuschner bei der Arbeit. © Beate Dorn

In der Tat sind auch jetzt noch Betriebe auf der Suche nach Auszubildenden: „Es gibt noch viele Vakanzen in der Gastronomie“, sagt Thorsten Hellwig, Sprecher des Gaststätten- und Hotelverbandes Dehoga in NRW. Es würden derzeit auch noch Ausbildungsverträge abgeschlossen, allerdings in geringerer Anzahl als 2019, so Hellwig. Da der Prozess dieses Jahr aber wegen der Corona-Pandemie etwa acht Wochen im Vergleich zu den Vorjahren hinterher laufe, sei noch mit Abschlüssen zu rechnen.

Corona-Krise sorgt für Verunsicherung bei den Betrieben

Entscheiden sich den weniger Betriebe in den unsicheren Corona-Zeiten für einen Auszubildenden? Es gäbe zahlreiche Betriebe, die das täten, so Thorsten Hellweg. „Problematisch ist weiterhin die wirtschaftlich unklare Situation und Perspektive“ der Betriebe, erklärt er. „Was noch nicht absehbar ist, ist die Antwort auf die Frage, inwiefern die Ausbildungsprämie hilft, die Ausbildungszahlen doch noch positiv zu beeinflussen.

Insgesamt stellt der Bund 410 Millionen Euro an Ausbildungsprämie zur Verfügung. Unternehmen, die besonders betroffen von der Corona-Krise sind ihre Ausbildungsplätze im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019 aber nicht reduzieren können 2000 Euro je Ausbildungsvertrag erhalten. Unternehmen, die neue Ausbildungsplätze schaffen sogar 3000 Euro.

Ob potenzielle Azubis wegen der Corona-Krise aber lieber ganz darauf verzichtet haben, sich bei einer Gaststätte zu bewerben, kann Thomas Hellweg nicht sagen.

Langweilig wird es nicht

Leon Leuschneider jedenfalls hat sich durch die Corona-Krise nicht von seinem Traumberuf abbringen lassen. „Soll ich dann am Buffet bedienen“, fragt Leon gerade seine Chefin Stefanie Simonsmeier. „Genau“, lautet die Antwort. Denn ein Koch muss auch gut mit den Gästen umgehen können. „Da macht er instinktiv schon sehr viel richtig“, freut sich Stefanie Simonsmeier.

Wie der Berufsschulunterricht in Münster abläuft, weiß Leon noch nicht. „Nächste Woche ist der erste Schultag, dann werde ich alles Weitere erfahren. Die nächsten drei Jahre werden bestimmt nicht langweilig.“

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