Geflohener Syrer hat seit einem Jahr einen Job

Beispiel für Integration

In der eigenen Heimat verfolgt und beschossen, dann die Flucht nach Deutschland, die Unterbringung in Südkirchen - jetzt steht der syrische Flüchtling George Almaher auf eigenen Beinen: Seit einem Jahr hat er einen Job als Goldschmied in Werne und ist ein Beispiel für gelungene Integration. Wie hat er das gemacht?

SÜDKIRCHEN/WERNE

04.07.2016, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Geflohener Syrer hat seit einem Jahr einen Job

George Almaher zeigt Karin Haddad Fragebögen aus seinem Geschichtskursus: Der Syrer steht in Deutschland mittlerweile auf eigenen Beinen.

Seit einem Jahr (1. Juli 2015) hat George Almaher eine feste Stelle als Goldschmied. Er hat ein Einkommen, das ihn von Behörden unabhängig macht. Auch eine Wohnung hat der 40-Jährige nun, in der seine Ehefrau Mary, die Tochter Haia und Sohn Ihab genügend Platz hätten. Und er hat jetzt auch endlich Hoffnung, dass seine Familie bald zu ihm kommen kann.

Im September 2014 floh George Almaher aus Syrien, nachdem Islamisten versucht hatten, ihn zu entführen. An einer Straßensperre wurde er beschossen, vermutlich, weil er Christ ist und man das an einem im Wagen hängenden Kreuz erkennen konnte.

Der Goldschmied hatte sein Geschäft verkauft. Mithilfe von Schleppern floh er über Land, versteckt hinter Kisten in einem LKW, kaum Nahrung, wenig zu trinken, keine Toilette.

Der Krieg vor der Haustür

Seine Frau Mary, seine Tochter Haia, mittlerweile neun Jahre alt, und der jetzt zwei Jahre alte Sohn Ihab leben heute noch in Damaskus, mittlerweile bei den Schwiegereltern. Lange weniger als einen Kilometer entfernt von der Demarkationslinie, also mit dem Krieg vor der Haustür. Mary, Grundschullehrerin, hörte zu arbeiten auf, weil der Weg zur Schule zu gefährlich war.

Im April hatte Mary eine Anhörung in der Deutschen Botschaft im Libanon und nun einen positiven Bescheid zur Ausreise. Jetzt wartet George Almaher auf eine Zustimmung vom Kreis Coesfeld. Im Dezember hatte Mary bereits einen Termin in der Deutschen Botschaft in Jordanien, doch man ließ sie an der Grenze zum Nachbarland Syriens nicht einreisen.

Tag und Nacht in Angst

Der 40-jährige Goldschmied sprach bei unserem ersten Treffen im März 2015 von der Angst um Frau und Kinder - von einer Angst, die ständig, Tag und Nacht, da war. Er zeigte Fotos auf dem Handy, erste Schritte von Sohn Ihab. Es kann sein, dass er seinen Jungen bald, anderthalb Jahre später, endlich wiedersieht.

Jetzt lesen

Damals war er mit zwei weiteren Syrern in einem Zimmer an der Unterstraße untergebracht, versorgt mit dem Notwendigsten. Frauen der Pfarrcaritas kümmerten sich um die Flüchtlinge und sorgten für Kontakte zu Südkirchenern. Das Café International gab es noch nicht, erste Sprachkurse wurden erst eingerichtet. Das war noch vor der sogenannten „großen Flüchtlingswelle“.

Mittlerweile ersten Deutschkurs abgeschlossen

Vor zwei Wochen hat George Almaher nach 600 Stunden seinen ersten Deutschkurs abgeschlossen und ein Examen (B1) gemacht. Von montags bis freitags fuhr er täglich um 7 Uhr zum Sprachkurs nach Lünen, nachmittags und samstags ging es zur Arbeit nach Werne zu Juwelier Teigelkötter.

„Jetzt lerne ich Politik“, erzählt er und zeigt Texte in denen es um deutsche Geschichte, das Grundgesetz und vieles mehr geht. Er muss Fragen in einem Fragebogen zur Integration beantworten können. Fragen, die auch viele Deutsche nicht auf Anhieb beantworten könnten.

Ein ausgewechselter Mensch

Einige Zeit hat Almaher in einer kleinen Wohnung bei Ehepaar Ghassan und Karin Haddad in Südkirchen gewohnt. Gemeinsam mit den Haddads und unterstützt von seinem Chef und den Arbeitskollegen fand er jetzt eine große Wohnung, groß genug für die Familie.

Blick ins Grüne, ein Zimmer für die Kinder, ein schönes Bad, ein großes Wohnzimmer und ein Abstellraum. Er führt durch die Wohnung, ist stolz auf das, was er sich selbst leisten kann, wartet, hofft und freut sich auf seine Familie. Ein ausgewechselter Mensch. Noch fehlen Möbel, aber George kümmert sich und hat Hilfe.

Karin Haddad, die uns noch beim Übersetzen hilft, betont, wie viel George Almaher mit seinen Deutschkenntnissen heute alleine schafft. „Übers Internet hat er eine gebrauchte Küche für die neue Wohnung gefunden“, erzählt sie und Almaher erzählt, dass er Möbel kaufen wird – gemeinsam mit seinen Arbeitskollegen, denn dann gibt es Prozente.

Über die Flucht von George Almaher und die weiterer Flüchtlinge haben wir in dieser Multimedia-Reportage im Frühjahr 2015 berichtet: 

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt