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Mehrgenerationen-Projekt an JCS und Altenhilfezentrum dreht sich um die Frage: Wer bist du?

Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule

Der neue Snoozelenraum im Altenwohnzentrum hat es 17 Gesamtschülern angetan. „Das brauchen wir auch“, findet die Jugend. „Wir haben den verdient“, kontert eine Bewohnerin. Alle lachen.

Nordkirchen

, 11.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Mehrgenerationen-Projekt an JCS und Altenhilfezentrum dreht sich um die Frage: Wer bist du?

Wer bist Du und was macht Dich aus? Dieser Frage gingen Schüler und Senioren gemeinsam nach. © STEPHANIE TATENHORST

17 Schülerinnen und Schüler treffen in dieser Woche auf 10 Senioren. Eine Frage steht beim Treffen der Generationen an erster Stelle: „Wer bist Du?“

„Das ist die Hand von Herrn Becker“, sagt Petra Lemke und zieht mit einem dicken Stift die Umrisse der Hand nach. Kurz darauf der Wechsel: Mike Becker übernimmt Stift und malt die weibliche Hand auf dem Blatt Papier. Die anderen Paare und Gruppen, die sich gebildet haben, machen es ihnen gleich. Und dann schreibt jeder etwas über sich selbst in seine Papier-Hand - und etwas über den anderen

in dessen Handumrisse. „Es ist unglaublich, was sich hier seit gestern entwickelt hat“, sagt Lehrerin Gabriele Hessling mit Blick auf die sich stetig füllenden Zettel.

Die wenigsten leben noch mit Großeltern zusammen

Nur drei der 17 Schülerinnen und Schüler haben zuhause selbst Großeltern und kennen daher den täglichen Umgang mit der älteren, erfahrenen Generation. Für die Schüler war es daher am Montag spannend, sich mit den Älteren auszutauschen - und auch aus erster Hand Dinge aus Kriegszeiten zu erfahren. „Es ist unglaublich, was die Schüler alles behalten haben“, staunte Hessling bei der Wiederholung am nächsten Tag. Doch die Schüler waren wirklich interessiert, und so bildeten sich schon am ersten Tag Kleingruppen, in denen das eine oder das andere Thema vertieft wurde.

Schüler früher - und heute

„Wie ist Schule denn heute“, will eine Seniorin nun wissen, und die Schüler erzählen aus ihrem Alltag. Genauso erzählen die Älteren von früher. „In unserer Zeit war immer alles ein Muss, da war nichts freiwillig“, sagt Rudolf Tondar und freut sich, dass die Schülergruppe, die aus drei Jahrgängen besteht, aus diesem Grund für drei Tage ins Altenwohnheim gekommen ist. „Die Unterhaltungen sind schön“, sagt er. „Die Jugend ist schon interessiert - auch wenn die Gruppe letztes Jahr ein wenig aufgeweckter war.“

Erfolgreiches Projekt für beide Seiten

Seit sieben Jahren gibt es das Mehrgenerationen-Projekt zwischen Gesamtschule und dem Altenhilfezentrum St. Mauritius, bei dem sich beide Seiten begegnen und von einernander lernen sollen. „Das normale Leben kommt so in Altenheim“, sagt Gabriele Hessling, die die Tage mit Kollegin Nicole Plagge und Ellen Klüsener vom Sozialen Dienst koordiniert hat. „Die alten Leute leben auf, werden mit ihren Erinnerungen geistig, aber auch körperlich gefordert“, sagt Hessling. Gleichzeitig werden die Schüler im Umgang sensibilisiert. Beide Seiten lernen über interaktive Prozesse eigene und fremde Ressourcen zu erkennen, zu stärken und auch, mögliche Defizite in Stärken zu verwandeln.

„Ich bin hier, weil ich mich weiterbilden möchte“, sagt Stella Pauker. Die Schülerin hat bereits Prakika in einem anderen Altenpflegezentrum gemacht und hilft dort nach wie vor ehrenamtlich mit. „Die Altenpflege ist mein Traumberuf“, verrät Stella, die diese Arbeit auch gerne nach der Schule machen würde. „Hier möchte ich weitere Erfahrungen sammeln.“

Langeweile muss auch im Alter nicht sein

Eine Bewohnerin plaudert gerne über das Alltagsleben in St. Mauritius: „Wer hier Langeweile hat, der ist zu faul, sich zu bewegen. Hier ist so viel los, es macht einfach nur Spaß.“ Als ein älterer Herr das mit einem „Wow“ kommentiert, wird schallend gelacht. So groß, stellen beide Seiten nämlich immer wieder fest, ist der Unterschied zwischen Alt und Jung doch eigentlich gar nicht. Entspannungsangebote gibt es aber auch: zum Beispiel im neuen Snoozelenraum.

Mehrgenerationen-Projekt an JCS und Altenhilfezentrum dreht sich um die Frage: Wer bist du?

Ein Snoozelenraum zum Entspannen wäre für die Schülerinnen und Schüler in der Schule ein Traum. Was sie dann tun würden, demonstrierten sie im Gesprächskreis. © STEPHANIE TATENHORST

Mehr Verständnis in alternder Gesellschaft

Über die persönlichen Begegnungen erhalten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in das Berufsbild der Sozial- und Pflegeberufe, und sehen die Herausforderungen, denen sich die immer älter werdende Gesellschaft stellen muss, mit anderen Augen und einem besseren Verständnis füreinander.

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