Gesamtschule Nordkirchen: Lose gezogen - was nun?

Fragen und Antworten

94 Absagen sind verschickt. Wie viele Kinder, die keinen Platz an der Gesamtschule bekommen haben, aus Nordkirchen kommen? Das verrät Schulleiter Ulrich Vomhof nicht. Was Familien machen, die eine Ablehnung erhalten haben und warum die Hoffnung auf eine fünfte Übergangsklasse wohl keine Grundlage hat, lesen Sie hier.

NORDKIRCHEN

, 15.02.2017 / Lesedauer: 3 min
Gesamtschule Nordkirchen: Lose gezogen - was nun?

Keinen freien Platz gefunden auf der Schlaun-Gesamtschule haben 94 Kinder.

Wer hat am Montag die Lose gezogen, die darüber entschieden, welche der 210 angemeldeten Kinder tatsächlich einen der 116 Plätze bekam?

Das waren Dietmar Bergmann, Bürgermeister der Gemeinde Nordkirchen und Mechthild Kammert, Fachbereichsleiterin für den Bereich Schulen. Sie zogen die Lose aus zwei Töpfen: dem mit den leistungsstärkeren Schülern und dem mit den etwas -schwächeren. Noch am Montag hatte die Schulleitung der Conrad-Schlaun-Schule alle Absagen verschickt – auch an Kinder aus der Gemeinde Norkdkirchen, die Schulträgerin ist. Wie Eltern unserer Redaktion mitteilten, habe es sieben Anmeldungen aus dem Ortsteil Capelle gegeben. Vier Kinder davon erhielten Absagen.

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Was machen Familien, die eine Ablehnung bekommen haben?

Sie müssen ihr Kind jetzt an einer anderen weiterführenden Schule außerhalb Nordkirchens anmelden. Allerdings bleibt auch noch eine Hoffnung, doch noch bleiben zu können: Sollten bereits vergebene Plätze zurück gegeben werden, werden diese unter denjenigen verlost, die bisher keinen Platz erhalten haben, wie Schulleiter Vomhof mitteilt. Das sei in den vergangenen Jahren stets der Fall gewesen. Außerdem könnten sie gegen den Ablehnungsbescheid Widerspruch einlegen. Dafür haben sie einen Monat Zeit. Der Widerspruch kann formlos erfolgen, muss allerdings schriftlich und mit einer Unterschrift versehen zugesendet werden. Die Schule leitet sie an die Bezirksregierung in Münster weiter. Die Erfolgsaussichten sind offen.

Könnte die Schule nicht angesichts der vielen Anmeldungen nachträglich einen fünften Zug anmelden?

Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Nach Auskunft von Sigrun Rittrich, der Sprecherin der Bezirksregierung, ist es zwar grundsätzlich möglich, dass Schulen ausnahmsweise eine Übergangsklasse bilden – vorausgesetzt die Schule hat ausreichend Platz dafür und die Nachbargemeinden haben keine Einwände. Im konkreten Fall scheinen diese Bedingungen aber nicht erfüllt zu sein. „Der Platz fehlt“, sagt Ulrich Vomhof. Dass die Gemeinde Aschebeg, die jetzt ihre Profilschule weiterführen möchten, zustimmen würde, darf als unwahrscheinlich gelten. „Im Nordkirchener Fall würde die kurzfristigte Entscheidung für eine Übergangsklasse auch rechtliche Fragen aufwerfen“, sagt Sigrun Rittrich. Denn: Das Losverfahren sei bereits abgeschlossen. Offiziell Stellung beziehen zum Thema Überhangklasse braucht die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde ohnehin nicht. Ein entsprechender Anrag der Gemeinde liege nicht vor. Er lasse sich kurzfristig auch nicht umsetzen, so Vomhof.

Wie beschreibt Ulrich Vomhof die Stimmung an der Schule nach dem Aus für die Gesamtschulerweiterung um einen Standort Ascheberg?

„Bodenlos überrascht“, sagt er. „Davon sind wir alle nicht ausgegangen.“ Er könne die Aufregung der Nordkirchener, Südkirchener und Capeller Eltern verstehen, die jetzt Absagen erhalte hätten für ihre Kinder. Das sei in den Vorjahren aber nicht anders gewesen.  

Warum kann die Gemeinde als Schulträgerin nicht die Kinder aus der Gemeinde bevorzugen bei der Platzvergabe?

Weil das gegen geltendes Schulrecht verstößt. Die Gemeinde Nordkirchen hatte 2003 vorm Verfassungsgericht Münster geklagt – und war gescheitert. Der Hintergrund: Im Herbst 2000 hatte der damalige Schulleiter der 1993/94 gegründeten Gesamtschule erstmals angekündigt, künftig Kinder aus der Gemeinde ablehnen zu müssen. Die Gemeinde legte daraufhin fest dass 75 Prozent der Plätze für einheimische Kinder zu reservieren seien: ein Vorgehen, das das Gericht beanstandet hat. Denn: Kinder, in deren Städten es kein Angebot des längeren gemeinsamen Lebens gäbe, dürften nicht benachteiligt werden.

Bleibt es dabei?

„So lange sich das Schulrecht nicht ändert, ja“, sagt Schulleiter Vomhof. Allerdings meint er, dass es dafür Zeit sei. Die Ausgangssituation habe sich geändert. „Inzwischen haben alle Nachbarkommunen Sekundarschulen – also Schulen des längeren gemeinsamen Lernens.“

60 Absagen wären ohnehin erteilt worden:
- 210 Anmeldungen hat die Gesamtschule in diesem Jahr. Entsprechend groß war die Zahl der Absagen (94).
Ein Spitzenwert ist das allerdings nicht. 
- Absagen hätte die Nordkirchener Gesamtschule in diesem Jahr ohnehin erteilen müssen, sagt Gesamtschulleiter Ulrich Vomhof – auch wenn sich die Eltern für einen Teilstandort Ascheberg entschieden hätten. „60 Kinder hätten wir auch dann abweisen müssen.“
- Hintergrund für diese Rechnung: Zusammen mit Ascheberg wäre die Zahl der Förderkinder im fünften Jahrgang auf zwölf gestiegen, dadurch hätte die Größe der Klassen von 29 auf 27 Kinder senkt werden müssen. 

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