Mehr Urnen- als Erdgräber: Neue Bauflächen fürs Wohnen am Friedhof in Nordkirchen?

rnWohnen in Nordkirchen

Viele Kommunen machen aus Friedhofserweiterungsflächen Wohnbaugebiete. Das hat mit veränderten Bestattungsformen zu tun. Die gibt es in Nordkirchen auch. Also auch bald Wohnen am Friedhof?

Nordkirchen

, 21.11.2019, 15:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wohnen am Friedhof wird für viele Kommunen zur Lösung, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. So werden immer häufiger dort Neubaugebiete erschlossen, wo eigentlich Friedhofsflächen hätten entstehen sollen - auf Erweiterungsflächen der Begräbnisstätten. Das hat vor allem eine Ursache: das veränderte Bestattungsverhalten.

Man muss nicht weit gucken, um ein entsprechendes Beispiel zu finden: In Bork hat die Stadt Selm im August 2017 ein neues Baugebiet am Rande des Borker Friedhofs für Bauherren freigegeben. Mittlerweile sind die fast 40 Grundstücke nahezu fertig bebaut.

Gibt es solche Pläne auch in Nordkirchen?

Der Bedarf nach Baugrundstücken ist in der gesamten Region groß, Nordkirchen ist da keine Ausnahme. Wäre es für die Schlossgemeinde ebenfalls eine Überlegung, Friedhofserweiterungsflächen für Wohnbebauung zu nutzen?

Solche Pläne gibt es in Nordkirchen nicht, wie Bürgermeister Dietmar Bergmann auf Anfrage mitteilt. Allerdings merkt auch die Gemeinde Nordkirchen deutliche Veränderungen beim Thema Bestattungen. Das sind letztlich auch die Veränderungen, die die Stadt Selm dazu veranlasst haben, ihre Erweiterungsfläche in Bork anders als vor einigen Jahrzehnten geplant zu nutzen.

„Das Bestattungsverhalten hat sich in den letzten zehn Jahren geändert“, erklärt Bergmann. Die Urnenbestattungen nehmen zu, was zur Folge hat, dass auf den Friedhöfen mehr Platz ist, als noch vor zehn Jahren prognostiziert worden war.

Bestattungen in der Gemeinde Nordkirchen 2018 und 2019

  • In Nordkirchen gab es 2018 insgesamt 103 Bestattungen, davon waren 52 Erdbestattungen und 51 Urnenbestattungen.
  • 2019 waren es bis zum 21. November insgesamt 79 BEstattungen, davon 39 Erd- und 40 Urnenbestattungen.

„In den Jahren 2010, 2011 hatten wir auf dem Nordkirchener Friedhof fast zu wenig Platz“, erklärt Bergmann. Damals wurde über Möglichkeiten diskutiert, wie auf dem Friedhof, der zu diesem Zeitpunkt bereits in alle Richtungen von Wohnbebauung umschlossen war, mehr Platz für neue Gräber geschaffen werden kann. Eine Überlegung: mehrstöckige Bestattungen - also zwei Gräber übereinander.

2020 soll neues Friedhofskonzept erstellt werden

Auch wenn der Druck auf die Verwaltung, neuen Platz für Gräber zu schaffen, gesunken ist, kündigt Bergmann an, dass im ersten Halbjahr 2020 ein neues Friedhofskonzept von einem Fachbüro erstellt werden soll. Eine Überlegung, die Bergmann nennt sind Urnenwände angesichts der steigenden Zahl der Urnenbestattungen.

Diese Bestattungsform ist, was die Grabstättengebühren angeht, mit knapp unter 700 Euro deutlich günstiger als ein Wahlgrab (rund 1700 Euro), ein Reihengrab (1388 Euro) oder ein anonymes beziehungsweise halbanonymes Reihengrab (etwa 1500 Euro). Die Gebühren gelten für einen Zeitraum von 30 Jahren.

Lesen Sie jetzt