Warum günstige Bustickets alleine dem öffentlichen Nahverkehr in Nordkirchen eher schaden

rnÖffentliche Verkehrsmittel

Sollten Bus- und Bahnfahrten im Kreis Coesfeld günstiger werden? Ja, sagt unter anderem Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann. Das alleine würde aber eher mehr Probleme bereiten.

Nordkirchen, Olfen

, 08.11.2019, 08:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einige Kommunen wagen sich bereits an den kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) heran. Die Stadt Bocholt testet zum Beispiel kostenlose Busfahrten an Samstagen, die Stadt Monheim am Rhein geht ab dem Frühjahr 2020 noch einen Schritt weiter und ermöglicht ihren Einwohnern grundsätzlich, den ÖPNV kostenlos zu nutzen. Rund drei Millionen Euro wird die Stadt nach Informationen von Zeit Online für das Angebot im Jahr ausgeben. Und im Kreis Coesfeld?

„Wir würden die Tickets gerne weiter verbilligen“, macht Richard Borgmann, Sprecher der Bürgermeister im Kreis Coesfeld und Verwaltungschef in Lüdinghausen, deutlich. Das alleine würde aber eher zu Problemen führen, als welche zu lösen, sagt er.

„Was uns ärgert ist, dass die Stadt Münster sich aus der Finanzierung zurückzieht.“
Richard Borgmann, Sprecher der Bürgermeister im Kreis Coesfeld

Gleichzeitig müsse sich die Infrastruktur verbessern, erklärt Borgmann. Denn, was würde es bringen, wenn alle Pendler extrem günstig Tickets bekommen könnten, Busse und Bahnen zu den Stoßzeiten aber so voll sind, dass viele sie nicht mehr nutzen können?

Beides müsse gleichermaßen gefördert werden, fordert Borgmann, stellvertretend für die Kommunen im Kreis Coesfeld. Der Bürgermeistersprecher nennt auch Beispiele, wie sich die Situation für Pendler in Zukunft entspannen und das ÖPNV-Angebot verbessert werden soll: Bausteine könnten unter anderem die geplante zusätzliche Schnellbuslinie X90, die Münster und Datteln verbinden soll, sowie die vorgeschlagene Ost-West-Verbindung zwischen Drensteinfurt und Haltern.

„Wir brauchen ein Gesamtkonzept für das ganze Münsterland.“
Dietmar Bergmann, Nordkirchener Bürgermeister

„Was uns ärgert ist, dass die Stadt Münster sich aus der Finanzierung zurückzieht“, sagt Borgmann. Gemeint sind damit eben solche ÖPNV-Verbindungen aus dem Umland, von denen Münster auch profitiert. Stichwort: X90.

Für Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann steht fest: „Wir brauchen ein Gesamtkonzept für das ganze Münsterland.“ Mit dem Reallabor Münsterland, das zurzeit läuft, gibt es einen gemeinsamen Ansatz, der allerdings bislang viele Einzel-Ideen liefert. Dazu gehört die Linie X90 ebenso, wie die in Nordkirchen und Olfen geplanten Mobilitätsstationen.

Pläne für besseren ÖPNV dürfen nicht an Kreisgrenze enden

Und: Die Planungen dürften nicht an den Grenzen des Kreises Coesfeld enden. Aus Nordkirchener Sicht sei gerade die Verbindung nach Selm und die dortige Anbindung an den Bahnhof wichtig, macht Bergmann deutlich.

„Viele Fragen und Bitten an den Kreis Coesfeld und die Zweckverbände“ hätten die Kreis-Coesfeld-Kommunen jetzt formuliert, sagt Richard Borgmann.

Die Gemeinde Nordkirchen befindet sich derweil im Endspurt ihrer Mobilitätsumfrage, die noch bis Sonntag, 10. November, läuft. Etwa 380 Nordkirchener hätten bislang mitgemacht, sagt Wirtschaftsförderer Manuel Lachmann auf Anfrage. 400 sei das Ziel. Damit hätten zehn Prozent der Haushalte teilgenommen.

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