Günter Raesfeld ist seit seiner Jugend begeistert von Oldtimern. Seit Jahrzehnten restauriert und sammelt er vor allem Motorräder. Die stehen mittlerweile nicht nur in der Garage.

Nordkirchen

, 02.09.2018, 15:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

Viel wohler als auf der Straße fühlt sich Günter Raesfeld eigentlich auf der Rennstrecke, erzählt der 61-jährige Nordkirchener. Das Gefühl der Rennstrecke, das laute Knattern der Maschinen, der Geruch verbrannten Treibstoffs, die Vibrationen von Motor und Asphalt sind noch ganz frisch. Am 18. und 19. August fuhr Günter Raesfeld mit beim 30. Grand-Prix auf dem Schottenring. Ein Rennen für historische Renn- und Sportmotorräder und Motorradgespanne. „Ein enger Stadtkurs über 1,4 Kilometer - schwierig zu fahren“, erklärt Günter Raesfeld.

Der Nordkirchener trat beim Grand-Prix mit seiner Yamaha RD aus den 1970er-Jahren an und gewann. Für den 61-Jährigen ist der erste Platz in Schotten nicht nur eine Bestätigung für seine Fähigkeiten als Schrauber und Fahrer, er bedeutet mehr. Zwei Jahre lang musste Raesfeld gesundheitsbedingt auf sein Hobby verzichten. Rennen um Rennen zog an ihm vorbei, ohne, dass er selbst mitfahren konnte. Jetzt, nachdem er seine schwere Krankheit überstanden hat, ist mit dem Rennen im hessischen Schotten ein weiteres Stück Normalität in Günter Raesfelds Leben zurückgekehrt.

Günter Raesfeld lebt mit 34 Oldtimer-Motorrädern unter einem Dach

Günter Raesfeld beim Grand-Prix in Schotten. Der Sieg auf dem engen Stadtkurs war für ihn ein einmaliges Erlebnis. © Markus Raesfeld

Um zu verstehen, was Oldtimer - Autos, aber vor allem Motorräder, - dem 61-Jährigen bedeuten, reicht ein Blick in das Haus, in dem Raesfeld gemeinsam mit seiner Frau lebt. 35 Oldtimer-Motorräder lagern in dem Haus, dazu eine BMW Isetta und ein Unimog 411. Eines der neuesten Fahrzeuge ist ein Polo von 1989. „Perfekt erhalten und gerade einmal 40.000 Kilometer gelaufen“, sagt Günter Raesfeld, als er die Schutzplane zur Seite zieht.

Die Fahrzeuge sind allgegenwärtig. „Oben unter dem Dach sind die Motorräder, die noch restauriert werden müssen“, erklärt er. Raesfeld macht jeden Handgriff an seinen Fahrzeugen selbst. Der 61-Jährige ist gelernter Kfz-Schlosser, er kennt die Technik seiner Oldtimer in- und auswendig. Zum Schrauben kommen die Motorräder oder Autos in die Garage und wenn sie fertig sind, lagert Raesfeld sie dann ein. Viele Motorräder stehen im Keller, eins sogar im Wohnzimmer neben dem Esstisch. „Den Platz hatte meine Frau vorgeschlagen“, sagt er und grinst.

Mit der Maschine ist Raesfelds Sohn Markus schon bei Rennen angetreten. Die Geländemaschine ist klein und „unglaublich schnell“, sagt Günter Raesfeld.

Vor einigen Jahren gehörten noch viel mehr Fahrzeuge zu seiner Sammlung. In den 1970er-Jahren hatte er konkrete Pläne, ein Oldtimermuseum in der Schlossgemeinde zu gründen. Ausstellungsstücke hätte er genug gehabt. Nur der damalige Gemeindedirektor sei von der Idee nicht zu überzeugen gewesen, erinnert sich Günter Raesfeld.

Günter Raesfeld lebt mit 34 Oldtimer-Motorrädern unter einem Dach

Sogar im Wohnzimmer steht bei Familie Raesfeld ein restauriertes Motorrad. © Karim Laouari

Einen weiteren Anlauf, um das Museum zu eröffnen, hat er nicht mehr unternommen. Allerdings musste er sich nach und nach von einigen Motorrädern und Autos trennen. Einfach sei es nicht, die Fahrzeuge abzugeben. Viele Stunden Arbeit steckt er in die Aufbereitung. Wenn Ersatzteile nicht mehr aufzutreiben sind, stellt er sie selbst her. Fünfen bis Sechsen seien seine Fahrzeuge beim Kauf, beschreibt Günter Raesfeld. Nach der Restauration würde er ihnen die Schulnote Zwei geben, ergänzt er. Unter seinen Motorrädern sind Maschinen von Yamaha und Toyota, aber auch vom ehemaligen deutschen Hersteller Kreidler.

Aus vielen kleinen Einzelteilen setzt sich für Günter Raesfeld die Faszination für Oldtimer zusammen: „Die Ursprünglichkeit und das besondere Motorengeräusch“ sind nur zwei davon. Ein anderes sei, Teile, die nicht mehr hergestellt werden, selbst zu produzieren. Am Ende stehe das großartige Gefühl, eine Aufgabe bewältigt zu haben, erklärt Raesfeld weiter.

Günter Raesfeld lebt mit 34 Oldtimer-Motorrädern unter einem Dach

Viele restaurierte Motorräder hat Günter Raesfeld im Keller eingelagert. © Karim Laouari

Die Liebe für Motoren, Karosserien und Pferdestärken wurde bei dem Nordkirchener schon früh entfacht. Seine beiden Brüder Albert und Thomas hätten schon vor Jahrzehnten an Rennen teilgenommen, „damals war ich als Schrauber dabei“, sagt Raesfeld. Als die Brüder 2006 aufgehört hätten, Rennen zu fahren, habe sich Günter Raesfeld mehr und mehr für die Deutsche Historische Meisterschaft interessiert. Das Oldtimer-Sammeln hat er nebenbei betrieben, als Hobby. Hauptberuflich arbeitet Günter Raesfeld seit 25 Jahren bei den Caritas-Werkstätten, zunächst als Lagerist, mittlerweile auch als Fahrer.

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Oldtimer-Sammler Günter Raesfeld gewährt einen Einblick in seine Sammlung.

Günter Raesfeld ist seit Jahrzehnten Oldtimer-Fan und Sammler historischer Fahrzeuge. Vor allem Motorräder restauriert der 61-jährige Nordkirchener.
30.08.2018
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Der Nordkirchener Günter Raesfeld ist passionierter Oldtimer-Bastler. Im Haus des Ehepaars Raesfeld sind insgesamt 35 Fahrzeuge gelagert. Den Großteil machen Oldtimer-Motorräder aus.© Karim Laouari
Die Pokalsammlung von Günter Raesfeld
Viele restaurierte Motorräder hat Günter Raesfeld im Keller eingelagert.
Viele restaurierte Motorräder hat Günter Raesfeld im Keller eingelagert.
Viele restaurierte Motorräder hat Günter Raesfeld im Keller eingelagert.
Der ehemalige deutsche Hersteller Kreidler hat es dem Oldtimer-Sammler besonders angetan.
Der ehemalige deutsche Hersteller Kreidler hat es dem Oldtimer-Sammler besonders angetan.
Der ehemalige deutsche Hersteller Kreidler hat es dem Oldtimer-Sammler besonders angetan.
Sogar im Wohnzimmer steht bei Familie Raesfeld ein restauriertes Motorrad.
oznor© Markus Raesfeld
Günter Raesfeld beim Grand-Prix in Schotten. Der Sieg auf dem engen Stadtkurs war für ihn ein einmaliges Erlebnis.© Markus Raesfeld
Günter Raesfeld beim Grand-Prix in Schotten. Der Sieg auf dem engen Stadtkurs war für ihn ein einmaliges Erlebnis.© Markus Raesfeld
Günter Raesfeld beim Grand-Prix in Schotten. Der Sieg auf dem engen Stadtkurs war für ihn ein einmaliges Erlebnis.© Markus Raesfeld
Günter Raesfeld beim Grand-Prix in Schotten. Der Sieg auf dem engen Stadtkurs war für ihn ein einmaliges Erlebnis.© Markus Raesfeld
Günter Raesfeld beim Grand-Prix in Schotten. Der Sieg auf dem engen Stadtkurs war für ihn ein einmaliges Erlebnis.© Markus Raesfeld

Günter Raesfeld blickt jetzt nach vorn. Nicht nur, weil er sich endlich wieder gesund fühlt. In Schotten konnte er wieder seiner Leidenschaft nachgehen. Das will er im kommenden Jahr fortsetzen. „Ab dem Frühjahr will ich wieder eine Rennserie mitfahren“, sagt Raesfeld. Und auch in seiner Garage wird es für den leidenschaftlichen Schrauber in nächster Zeit noch viel zu tun geben, nicht nur an seinen Rennmaschinen. Die Isetta war das erste Fahrzeug seiner Sammlung. „Die ist erst zu 80 Prozent fertig“, erklärt Raesfeld. Sie musste sich immer wieder hinten anstellen. Der eiförmige BMW, der im Volksmund auch Knutschkugel hieß, sei jetzt aber definitiv als nächstes an der Reihe und soll sich dann auch um einige Schulnoten verbessern.

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