Haus Westermann: So soll es nun weitergehen

Gespräch mit dem Architekten

Auf der Ausschusssitzung der Gemeinde Nordkirchen geht es um den Neubau im Gemeindezentrum. Architekt Thomas Buhl spricht über seinen zerschossenen Zeitplan, strategische Fehler und seine positive Einstellung zum weiteren Prozessablauf.

NORDKIRCHEN

, 27.06.2016, 18:21 Uhr / Lesedauer: 4 min
Investor und Architekt Thomas Buhl ließ? sich von den Ideen aus den Workshops für Haus Westermann inspirieren.

Investor und Architekt Thomas Buhl ließ? sich von den Ideen aus den Workshops für Haus Westermann inspirieren.

Thomas Buhl ist der Architekt, der als Investor bei Haus Westermann in Nordkirchen einen Neubau finanzieren möchte. Mit ihm sprach Redakteur Tobias Weckenbrock nach der Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde, in der es zeitweise hoch her ging, über einen zerschossenen Zeitplan, einen eigenen Fehler und warum Buhl den Prozess trotzdem weiter positiv verfolgt. 

Dieses Interview können Sie sich auch in unserem Podcast anhören.

Herr Buhl, wie haben Sie die Ausschusssitzung selbst erlebt? Sehr turbulent natürlich. Im Grunde hat mir das gezeigt, dass wir mit der Stelle nach wie vor umgehen müssen wie mit einem rohen Ei. Denn es ist das Zentrum, die Mitte von Nordkirchen. Wir hatten das Bild in der Sitzung, das wir schon in den vergangenen anderthalb Jahren haben: Die Bevölkerung, die Öffentlichkeit in Nordkirchen nimmt unheimlich großen Anteil an der Bebauung an dieser Stelle. Dem müssen wir gerecht werden.

Für Investoren ist das aber doch schwierig, wenn sie nicht machen können, was sie eigentlich wollen. Überrascht Sie das? Würden Sie das wieder machen, wenn Sie gewusst hätten, wie kompliziert das sein kann? Ja, wir würden das wieder machen. Wir haben das so nicht gewusst, aber uns schon gedacht, dass es in diese Richtung gehen wird. Wir haben erkannt, dass diese Stelle eine besondere Bedeutung hat. Ich finde es grundsätzlich richtig - auch wenn es für den Investor etwas sperrig ist -, aber auch als Mensch der Bundesrepublik Deutschland finde ich das einen guten Prozess, wenn sich die Gesellschaft so intensiv mit einer Bauaufgabe auseinandersetzt. Als Architekt freue ich mich, wenn an einem Projekt, das wir entwickeln, die Öffentlichkeit so viel Anteil nimmt. 

Auch mit der Konsequenz, dass es am Ende wirtschaftlich und gestalterisch nicht so werden könnte, wie Sie es sich vorgestellt haben? Was die Wirtschaftlichkeit angeht, haben wir in dem ganzen Prozess bisher überhaupt noch nicht die Situation gehabt, dass sie infrage gestellt werden konnte. Ich finde, dass aus allen Bereichen der Politik bisher mit dem Hintergedanken gearbeitet worden ist, dass es leistbar, finanzierbar und wirtschaftlich tragfähig sein muss.

Da ist sehr gut, dass die Partner im Boot diese Denkweise verfolgen. Insofern sind die unterschiedlichen Konzepte und Entwürfe, die wir bisher hatten, alle tragfähig. Die aus dem Januar und der auf den Vorschlägen entwickelte Bauentwurf, den wir jetzt vorgelegt haben. Viel tun die sich in der wirtschaftlichen Betrachtung nicht.

Auch wenn jetzt mehrmals erwähnt worden ist, dass wir dort nun ein kleines bisschen mehr bauen. Das heißt: Man hat mehr Wohnfläche, die man vermieten kann, aber es muss auch mehr gebaut werden. Dadurch entwickelt sich die Rendite proportional. Fixkosten sind nur die Grundstückskosten, die bleiben gleich. Aber bei einem Volumen von über 4 Millionen Euro schlagen diese in Höhe von rund 300.000 Euro letztlich nicht so stark zu Buche. 

Waren Sie überrascht, dass die politische Diskussion in dieser Breite noch einmal entstand? Sie hatten ja einen modifizierten Plan vorgelegt, den die Politiker für stark, Sie hingehen für leicht modifiziert halten. Ja, im Nachhinein muss ich aber sagen, dass wir einen strategischen Fehler gemacht haben. Wir haben im letzten halben Jahr die ganze Zeit an dieser Sache gearbeitet und kennen darum genau den Hintergrund dessen, was wir jetzt vorgestellt haben. Es ist aber ganz klar, dass die politischen Vertreter, die das im Januar gesehen haben und jetzt, diesen Hintergrund so nicht kennen.

Ich habe den Fehler gemacht, dass wir die Entwicklungsprozesse nicht ausreichend genug erklärt haben. Wenn wir etwas anderes gezeigt haben als im Januar, dann ja nicht, um eine Fraktion zu verärgern, sondern aus gutem Grund: Wir haben im Planungsprozess gemerkt, dass es so mit den gemeindlichen Flächen, also dem Tourismusbüro, der Poststelle und der Mobilitätszentrale am Krampeneck nicht schön wäre.

Diese Nutzungen gehören in den Bereich des Giebels Westermann an der zentralen Stelle. Hätten wir das am Krampeneck und im Bereich Wetsermann eventuell ein Dorfkontor, das aber zurzeit noch auf wackeligen Füßen steht und vielleicht auch nicht kommt, und dort vielleicht am Ende nur noch Wohnungen sein können, das wäre aus meiner Sicht städtebaulich und für Nordkirchen eine ganz, ganz schlechte Lösung. 

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Dieser Meinung schließt sich ja auch die Verwaltung an... Ich glaube auch, nachdem wir das mehrfach gestern Abend erklärt haben, hat die Politik das verstanden. Am Ende war dann auch der Konsens da, dass sie das ziemlich blöd fänden. Nur das ist der Prozess, den wir verstanden haben, weil wir eng daran gearbeitet haben. Den anderen war dieser nicht transparent, das war von uns ungeschickt. Das hätten wir erklärend voranstellen müssen. 

Nach Diskussion und Beratungspause kam es zu dem Ergebnis: Bebauungsplan beschlossen, aber zum Grundstücks-Kaufvertrag soll ein Plan beigelegt werden, der verbindlich mitgetragen wird. Ist das Ergebnis für Sie akzeptabel oder hätten Sie sich doch mehr Freiheit gewünscht? Das ist akzeptabel. Das haben wir ja auch immer gesagt und wollen es schon seit jeher. Ich komme aus Schwerte und werde künftig zum Radfahren dreimal im Jahr nach Nordkirchen kommen. Die Nordkirchener sind von dieser Bebauung sehr viel mehr betroffen, darum sollen diese Menschen mitreden können, wie es hier hinterher aussehen wird.

Aber es muss natürlich technisch sinnvoll funktionieren können. Wenn wir wieder auf die A-Lösung aus dem Januar zurück gehen (die sah zwei Einzelbauwerke vor, d. Red.), dann können wir das durchaus machen, haben aber die schlechtere Lösung nach heutigem Erkenntnisstand. Da mahne ich ein kleines bisschen an, dass man darüber nachdenkt. 

Blicken wir voraus: Können Sie abschätzen, wie es jetzt we itergeht? Wie ist der Zeitplan?   Vor dem Abend hatte ich einen Zeitplan, danach vielleicht nicht mehr ganz so sehr (lacht). Man hat ja trotzdem ein einstimmiges Votum gegeben, das finde ich auch sehr gut. Aber wir müssen uns jetzt erstmal Gedanken machen, wie wir dieses Votum umsetzen. Das ist zeitmäßig nun noch nicht zu fassen. Bisher gingen wir davon aus, dass die Bebauungsplan-Änderung bis Ende des Jahres erfolgt ist, wir gleichzeitig die Baugenehmigung erwirken, sodass wir nach der Winterpause im Februar/März 2017 Abbruch und Rohbau für den größeren Teil, den des alten Hauses Westermann, realisieren können. Ein Jahr später wäre dann der Bereich am Krampeneck gefolgt. Wie es mit den neuen Voraussetzungen aussieht, weiß ich nicht. Das hängt jetzt von den weiteren Gesprächen ab.  

 

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