Blick hinter die Kulissen: Wer waren die Herren des Schlosses Nordkirchen?

rnSchloss Nordkirchen

Burgherren, Grafen, Herzöge und Raubritter haben über mehrere Jahrhunderte das Schloss und Nordkirchen bewohnt. Ein neues Buch von Hildegard Schlutius beschreibt, wie sie dort gelebt haben.

Nordkirchen

, 27.06.2019, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Leben auf dem Schloss Nordkirchen ist heute bestimmt vom Alltag der FHF-Studenten, den Besuchen der Touristen am Wochenende. Aber: Wie sah das eigentlich noch vor einigen Hundert Jahren aus?

Wer schlenderte da durch die Hallen, hatte in dem prunkvollen Bau sein Zuhause? Welche Kinder liefen munter die Treppen hoch, wer tanzte auf den festlichen Bällen und wie kam es eigentlich, dass das Westfälische Versailles, wie das Nordkirchener Schloss auch genannt wird, jetzt als Fachhochschule für Finanzen (FHF) genutzt wird?

Antworten auf Fragen wie diese gibt es in dem neuen Buch der Nordkirchenerin Hildegard Schlutius. Es widmet sich den Burgherren, den Grafen, Herzögen und Raubrittern, die über die Jahrhunderte das Nordkirchener Schloss beziehungsweise davor die Burg bewohnt haben. Wichtig dabei: Hildegard Schlutius geht es in ihrem Buch nicht nur darum zu sagen, wer die Adelsgeschlechter waren, die Nordkirchen durch ihre Präsenz im Schloss geprägt haben. Sondern vor allem auch, wie sie dort gelebt haben.

„Wilde Kerle“ als Burgherren

Die von Morrien zum Beispiel. „Das waren schon wilde Kerle“, sagt Hildegard Schlutius und lacht. Friedlich war das Adelsgeschlecht, das seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in Nordkirchen angesiedelt war, so gar nicht. Gerhard von Morrien, 1488 geboren, nennt Hildegard Schlutius einen besonders starken Vertreter seiner Familie: „Sein Leben war geprägt von Aufregungen und Kämpfen. Er glaubte, auf die Erfindung der neuartigen Feuerwaffen sehr zügig und energisch handeln zu müssen, wie es übriges wohl auch seinem Wesen entsprach“, schreibt Hildegard Schlutius.

Dieser Gerhard von Morrien war es nämlich auch, der Anfang des 16. Jahrhunderts das gesamte Dorf Nordkirchen abreißen ließ und es einen Kilometer weiter nach Nordwesten wieder aufbauen ließ - inklusive Kirche und Friedhof. Ein Skandal, der die Menschen in Nordkirchen mehrere Jahrzehnte beschäftigte. Aber auch der Grundstein für die Burg: Dort nämlich, wo einst das Dorf gestanden hatte, ließ der „wilde Kerl“ eine feste Burg bauen.

Bis 1694 lebten die von Morrien dort: Dann erwarb Fürst Bischof Christian von Plettenberg-Lehnhausen den Besitz der Familie. „Im 18. Jahrhundert, in der Barockzeit, liebte man Pracht und Eleganz, und so entschloss er sich, die Burg niederzulegen und ein repräsentatives Schloss errichten zu lassen“, so Hildegard Schlutius in ihrem Buch. Der Grundstein dazu wiederum wurde 1705 gelegt und schon bald entstand der prachtvolle Platz für den adligen Alltag.

Fragen der Alltags- und Kulturgeschichte

„Wie war eine Kemenate eingerichtet und wie der barocke Saal? Was aß ein Burgherr im 16. Jahrhundert, welche Kleider trugen die Damen und Herren? Wie hat man sich gegen die Kälte im späten Mittelalter geschützt, und wie lebte man in dem großartigen barocken Wasserschloss, wie griffen politische Entwicklungen ein, und was bedeutete vor hundert Jahren das Kommen des Herzogs für ein Dorf wie Nordkirchen?“, diese Fragen formuliert Hildegard Schlutius im Vorwort ihres Buches - und beantwortet sie im Fortlauf des Buches.

Alltags- und Kulturgeschichte, so fügt sie im Gespräch mit der Redaktion hinzu, sind es, die sie an der Historie des Schlosses interessieren. Selbst ist sie eigentlich gar keine studierte Historikerin. Geschichte ist neben der Gartenarbeit aber das liebste Hobby von Hildegard Schlutius.

Und das betreibt sie - das belegen viele Publikationen im Laufe der vergangenen Jahre - sehr ernsthaft. Das Buch wurde im Eigenverlag in einer Auflage von 100 Stück gedruckt. Es gibt die Bücher in der Tourist-Information auf der Schlossstraße in Nordkirchen zum Preis von 7,50 Euro pro Stück zu kaufen.

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