Jörg Hausner wird Unfall beim Martinszug nie vergessen

SÜDKIRCHEN/SELM „Die Bilder bleiben wohl für immer in einem hängen.“ Die Bilder, die der 39-Jährige Jörg Hausner meint, haben bundesweit für Aufsehen gesorgt. Beim Martinszug in Südkirchen raste vor fast einem Jahr ein PKW in die Menschenmenge, hob über dem Kreisverkehr ab und riss den kleinen Mirco Schäperklaus von den Schultern seines Vaters.

von Von Malte Woesmann

, 03.11.2008, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jörg Hausner stand bei dem Unglück direkt neben Mirco und seinem Vater.

Jörg Hausner stand bei dem Unglück direkt neben Mirco und seinem Vater.

Lange wurde um das Leben von Mirco Schäperklaus gebangt, zu schwer waren die Kopfverletzungen, die der Kleine davon getragen hatte. Jörg Hausner, befreundet mit Mircos Vater Jörg Schäperklaus, und sogar Patenonkel von Mircos Schwester Kimberley, litt mit der Familie. Drei bis viermal pro Woche war Hausner im Krankenhaus bei Mirco.  „Es ist natürlich schwierig, da wirklich zu helfen“, sagt Hausner heute. Auch er hatte am Anfang Schwierigkeiten, die Bilder zu verarbeiten. „In den Träumen sehe ich immer wieder den Wagen über mich hinweg fliegen“, sagt er. Denn Hausner ging unmittelbar neben Jörg Schäperklaus und Mirco im Umzug.   Wie durch ein Wunder wurde er nicht getroffen. „Ich weiß nur noch, dass ich irgendwie zu Boden ging und den Wagen über mich hinwegfliegen sah.“ Wie aus einem Spielfilm kommt ihm die Szene heute vor. Immer und immer wieder wird sie in seinem Kopfkino abgespielt, sie nagt an ihm.

Wenn Jörg Hausner heute über das Erlebte spricht, legt er die Hände übereinander, spricht leise aber mit fester Stimme. Ein halbes Jahr hatte er sich professionelle Hilfe von Psychologen der Uniklinik Münster geholt. Die Therapie hat er schließlich abgebrochen, sie habe ihn nicht weiter gebracht. „Man hat mir aber aufgezeigt, wie ich das ganze verarbeiten soll“, sagt er. Denn vergessen oder verdrängen wäre der falsche Weg, weiß Jörg Hausner. Beim kommenden Umzug in Südkirchen wird er nicht dabei sein. „Ich habe darüber auch mit meiner Tochter gesprochen. Das geht einfach nicht.“

Auch seine neunjährige Tochter war beim letztjährigen Umzug dabei und hatte die schrecklichen Szenen mit verfolgt. Dass für den Umzug durch Südkirchen nun eine neue Route gewählt wird, findet Hausner richtig. Jedoch will er auch in Selm oder Umgebung nicht an einem Umzug teilnehmen.   „Ich werde mich am 11. November wohl in Ruhe zuhause hinsetzen und alles noch einmal verarbeiten!“ Als einen zweiten Geburtstag sieht er fast diesen Tag an. „Ich kann gar nicht begreifen, was ich und natürlich auch Mirco für ein Glück an diesem Tag gehabt haben.“  

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