Meinung

Kirche in Not: In Nordkirchen hat die Zukunft schon begonnen

Immer mehr Menschen wenden sich ab von den Kirchen, evangelisch wie katholisch. Gleichzeitig bleibt der Wunsch, dass sich nichts verändere - anders als in Nordkirchen. Das funktioniert nicht.
Pfarrerin Jenny Caiza Andresen (Archiv) hatte die Leitung der evangelischen Kirchengemeinde Lüdinghausen übernommen, nachdem 2021 klar war, dass Pfarrerin Silke Niemyer die Gemeinde verlassen würde. Jetzt geht auch Caiza Andresen.
Pfarrerin Jenny Caiza Andresen hatte die Leitung der evangelischen Kirchengemeinde Lüdinghausen übernommen, nachdem 2021 klar war, dass Pfarrerin Silke Niemyer die Gemeinde verlassen würde. Jetzt geht auch Caiza Andresen. © Redaktion

Eigentlich ist es nur eine Personalie: Jenny Caiza Andresen hat um Versetzung gebeten. Die Pfarrerin möchte nach drei Jahren in Nordkirchen woanders beruflich tätig werden. Diese Entscheidung katapultiert die Protestanten aus Nordkirchen in eine Zukunft, die andere Gemeinden auch erwartet. Eine Zukunft ohne Pfarrer oder Pfarrerin vor Ort.

Die evangelische Kirche in Deutschland sieht sich herben Einnahmeverlusten ausgesetzt – auch weil die Zahl der Mitglieder und damit der Kirchensteuerzahler drastisch sinkt. Gleichzeitig geht auch die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer zurück. Deshalb ist es zwar richtig, dass die Kirchenleitung rechtzeitig ein Sparprogramm mit schmerzhaften Einschnitten aufgelegt hat, aber sie muss achtgeben, dass sie sich nicht kaputtspart.

Was eigentlich erst 2025 passieren sollte, wird in der Gemeinde Lüdinghausen mit Nordkirchen und Seppenrade jetzt schon Wirklichkeit. Frei werdende Pfarrstellen werden nicht mehr 1:1 besetzt. Die Gemeinde muss künftig mit nur einem Pfarrer oder einer Pfarrerin auskommen. Aus einer anderen Berufsgruppe – ob Diakon, Kirchenmusiker, Jugendreferent oder Gemeindemanager – wird es Unterstützung geben.

Wer die Kirche als Dienstleisterin sieht, wird damit Probleme haben. Wer sie als gestaltende, helfende, antwortende, feiernde und manchmal auch streitende Gemeinschaft von Menschen mit unterschiedlichen Talenten, aber einer verbindenden Hoffnung sieht, wird gebraucht. Mehr denn je.

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