Die Film-Crew hatte viel Technik mitgebracht nach Nordkirchen. Szenen von den Drehs wurden nicht für Fotos freigegeben. © Günther Goldstein
Dreharbeiten am Schloss

Kristen Stewart war nicht die einzige Lady Di in Nordkirchen

Hollywood-Star Kristen Stewart ist abgereist. Eine zweite Lady Di ebenfalls und mit ihr die übrige Spencer-Filmcrew. Der Landsitz der Queen ist nun wieder Schloss Nordkirchen. Etwas bleibt aber.

Ein Hochdruckreiniger und ein Zauberstab haben nichts miteinander gemeinsam. Genauso wenig wie der Arbeiter in Gummistiefeln einem Magier gleicht. Und doch: Was er und seine Kollegen in den letzten Tagen vorm ersten Frühlingswochenende geleistet haben, hat etwas mit Zauberei zu tun. Mit Wasser, Druck und Ausdauer haben die Männer die Auffahrt von House Sandringham, dem Landsitz der englischen Königin, zurück verwandelt in den Ehrenhof von Schloss Nordkirchen. Das ist eine Leistung – aber nichts, verglichen mit dem, was Kristen Stewart (30) und der Rest der Fimcrew von „Spencer“ in den drei Wochen zuvor geschafft haben.

Zurück in die frühen 1990er-Jahre

Sie haben die Zeit zurückgedreht: von Frühjahr 2021 auf Weihnachten Anfang der 1990er-Jahre. Sie haben Nordkirchen in Norfolk verwandelt und die 1997 bei einem tragischen Unfall gestorbene Stilikone Lady Di für das royale Filmdrama wieder zum Leben erweckt – und das alles gut abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit. Einer, der den Zauber aber aus der ersten Reihe verfolgen durfte, ist Franz Lauter.

Fotostrecke

Dreharbeiten zum Lady-Di-Film in Nordkirchen

Der mehrfach ausgezeichnete Chef des Gourmet-Restaurants Venus im Untergeschoss des Schlosses brauchte wegen des anhalten Lockdown nicht in der Küche zu stehen. Und für die Verpflegung der Filmcrew hatte die Produktionsfirma ein Catering-Unternehmen aus Berlin beauftragt. Lauter hatte also Muße zuzusehen, wie die Gäste aus den USA und ganz Europa auch die Räume seines Restaurants nutzten – nicht als Drehorte, sondern vor allem als Aufenthaltsbereiche in den Drehpausen. Twilight-Star Kristen Stewart hat er dabei auch zu Gesicht bekommen.

Die doppelte Lady Di am Drehort

Eine Frau, von deren Ausstrahlung und Wandlungsfähigkeit Lauter nachhaltig beeindruckt ist. Wer sie gesehen habe, als ein Fahrer sie morgens gegen 8 Uhr brachte, sei nicht auf die Idee gekommen, dass da die weltweit bekannte Darstellerin vor einem stünde. Und wer ihr später – geschminkt, frisiert und anders gekleidet – gegenüberstand, habe auch nicht Kristen Stewart erkannt, sondern nur die unglückliche Prinzessin. „Zum Verwechseln ähnlich“, sagt Lauter. Zumindest eine der beiden Dianas.

Die Garderobenwagen, die hintereinander an der Schlosszufahrt parkten, verrieten, dass die Hauptperson zweimal mitspielt: einmal als Knapp 30-Jährige und einmal als 9-Jährige. Die Beschriftungen an den übrigen Türen verwiesen auf die weiteren Mitwirkenden: Prince Philip, Charles und die Queen.

Zwei Ärzte haben jeden Tag getestet

Die Traumfabrik hat in Nordkirchen Tag für Tag auf Hochtouren gearbeitet. Meistens war auch Kristen Stewart dabei. Während der laufenden Dreharbeiten hatte die Produktionsfirma das noch dementiert – wohl auch, um Fan-Aufläufe zu verhindern. Dafür sorgte zwar auch der Sicherheitsdienst, der das Gelände großräumig absperrte, aber sicher ist sicher – gerade auch mit Blick auf Corona.

Jeder Drehtag begann mit einem Arztbesuch. Zwei Ärzte haben alle Crew-Mitglieder in der ehemaligen Mensa getestet – da, wo auch 70 Bierbänke standen, damit alle mit maximalem Abstand ihre Mahlzeiten einnehmen konnten. Auch alle Handwerker und Dienstleister kamen nur mit einem negativen Testergebnis aufs Gelände. Wenn der Regisseur nicht gerade „Action“ rief, trugen alle FFP2-Masken. Höchste Sicherheitsvorkehrungen, denn ein Coronafall am Set hätte im schlimmsten Fall die gesamten Dreharbeiten bedroht, die an anderen Schauplätzen – unter anderem Potsdam, aber auch England – gerade fortgesetzt werden.

Die meisten Drehs vor Ort benötigten Tageslicht, wie zu hören war. Aber es gab auch die Ausnahme: einen Nachtdreh vorm Schloss. Von morgens bis abends lächeln, schluchzen, rebellieren: Schauspielerei hat sich bei Spencer durchaus als Knochenjob erwiesen – für die meisten zumindest. Die Kinder-Darsteller der jüngsten Thronfolger-Generation, Henry und William, durften gemäß der Arbeitsstättenverordnung nur einen Bruchteil der achtstündigen Drehzeit vor Ort verbringen.

Stars übernachteten in Lüdinghausen und Münster

Zum Feierabend brauchten die Schauspieler nicht weit zu fahren. Die meisten seien in Hotels im nahen Umfeld abgestiegen, war zu hören: vor allem in Lüdinghausen und in Münster.

Insgesamt drei Hochzeiten fanden im Standesamt des Schlosses während der Dreharbeiten statt. Eine wird besonders in Erinnerung bleiben. Denn die Festgesellschaft hielt sich dort länger und in größerer Zahl auf als erlaubt. Der Film-Crew auf der anderen Seite des Ehrenplatzes blieb nichts anderes übrig als Mittagspause zu machen. Dabei waren es an diesem Tag besonders viele Darsteller: zig Statisten aus der Region, die Jagdteilnehmer in Tweed- und Barbour-Jacken spielten – erst vorm Schloss, später im Dülmener Wildpark.

Inzwischen ist das königliche Wohnzimmer wieder der Jupiter-Saal. Alle deutschsprachigen Hinweisschilder sind wieder angeschraubt. Und der Hochdruckreiniger hat das Pflaster von den Resten des englischen Kies‘ befreit. Etwas hat die Film-Crew aber zurückgelassen: fein beschnittene Buchsbäume im Ehrenhof des Schlosses. Sie werden dort erst einmal bleiben.

Film kommt Anfang 2022 ins Kino

Die Premiere des Films ist für Herbst geplant. Anfang 2022 soll der Film auch in die deutschen Kinos kommen. Laut Branchenmagazin Deadline wurden die Verleihrechte im virtuellen Marktplatz von Cannes weltweit verkauft.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
Zur Autorenseite
Sylvia vom Hofe