Eine besondere Methode haben Gärtner im Schlosspark gefunden, um die Buchsbäume im Barockgarten zu schützen. Und das ganz ohne Chemiekeule. Seit ein paar Wochen sind dort Laufenten unterwegs

Nordkirchen

, 10.08.2018, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das kleine Wort mit „Z“ bringt Buchsbaumbesitzer derzeit zum Verzweifeln. Schon drei Raupen des Zünslers reichen aus, um eine Buchsbaumkugel von 30 Zentimetern Durchmesser in eineinhalb Tagen kahl zu fressen, schätzt der Landesverband Gartenbau NRW. Besonders prekär hätte das für den Barockgarten im Schlossgarten in Nordkirchen ausgehen können: Buchsbaumhecken von insgesamt fünf Kilometern Länge schlängeln sich dort nach historischem Vorbild in edlen Formen über den Boden. Und das zum größten Teil grün und gesund – als könnte die Zünsler-Raupe der Pflanze nichts anhaben. Der Schein trügt. „Auch wir hatten natürlich ein Problem mit dem Zünsler“, sagt Martin Küpers von der Verwaltung der Finanzhochschule im Schloss. Er kann in diesem Satz die Vergangenheitsform nutzen, weil das Gärtnerteam um Ludger Hölscher einen ziemlich ungewöhnlichen Weg gefunden hat, mit dem Parasiten umzugehen – ganz ohne Chemiekeule. Eine Bande aus 17 Laufenten sorgt seit einigen Wochen dafür, dass der Zünsler die historische Gartenanlage nicht zerstört.

Enten ziehen eine Raupe nach der anderen aus der Hecke

Ein kleines Lächeln sitzt im Mundwinkel des Gärtnermeisters, als er von seiner Idee erzählt, Laufenten auf der Venusinsel – dort befindet sich der historische Garten – anzusiedeln. „Ich hatte über die Medien darüber erfahren“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Auf seinem Handy zeigt er ein Video, in dem Enten mit sichtlichem Spaß eine Raupe nach der anderen aus Buchsbäumen ziehen und sich schmecken lassen.

Laufenten machen im Nordkirchener Schlosspark Jagd auf den Zünsler

Oft ziehen sich die Enten bei den warmen Temperaturen auch ins Wasser zurück.

„Nach Nacktschnecken ist der Zünsler deren Leibspeise. Die schlabbern den richtig weg“, sagt Ludger Hölscher. Auch im Schlosspark, so erzählt er, waren die Laufenten, nachdem sie von der Zuchtfarm eingetroffen waren, direkt auf Jagd und haben dafür gesorgt, dass die Buchsbaumhecken noch so gesund aussehen. Wie viel Schaden die kleinen Raupen, rund fünf Zentimeter lang, anrichten können, wissen die meisten Buchsbaumbesitzer seit ein paar Jahren. Sie fressen erst die Blätter ab. Danach können sie auch an die grüne Rinde gehen, erklärt der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Stellen über den Fraßstellen sterben dann ab.

Nicht angeleinte Hunde machen Probleme

Ein Problem, das die Verwaltung der Finanzhochschule im Schloss Nordkirchen jetzt erst mal gelöst hat. Allerdings gibt es auch noch ein paar Schwierigkeiten: Schon zwei Laufenten sind in den letzten Tagen verletzt worden, weil Hunde auf sie Jagd gemacht haben. „Die eine da kommt gar nicht mehr aus dem Wasser“, sagt Ludger Hölscher mit einem Fingerzeig auf ein Tier, das in der Gräfte schwimmt. „Der Hund muss sie irgendwie erwischt haben.“ Seitdem, so erklärt der Gärtner weiter, ziehen die Laufenten, die ja nicht wirklich fliegen können, sich oft in den Teich zurück, dort sind auch kleine Treppen für sie eingerichtet.

Laufenten machen im Nordkirchener Schlosspark Jagd auf den Zünsler

Die Laufenten in ihrem Revier: Insgesamt rund fünf Kilometer lang ist die Buchsbaumhecke, die sich durch den Schlosspark schlängelt.

Ein Stall soll auch noch kommen, sagt Martin Küpers. Wegen dieser Unfälle mit den Hunden hängen jetzt im Park am Zugang zur Venusinsel Schilder, die darauf hinweisen, dass Hunde hier angeleint werden müssen. „Solche gibt es zwar auch an den großen Parkeingängen, die werden aber oft übersehen“, erklärt Martin Küpers. Außerdem wichtig: „Die Laufenten dürfen nicht gefüttert werden“, sagt er. Das tue erstens den Tieren nicht gut, zweitens sollen sie ja etwas anderes essen: den Zünsler.

  • Der Garten vor dem Schloss Nordkirchen wurde von 1989 bis 1991 gartendenkmalpflegerisch nach dem historischen Vorbild wiederhergestellt. Das wurde von der Unseco gefördert.
  • Einmal im Jahr – im Juni – beschneiden fünf Gärtner aus dem Team die Hecken.
  • Das dauert insgesamt dann drei Wochen, wie Ludger Hölscher erklärt.
  • Um den Schlosspark, der insgesamt 72 Hektar umfasst, kümmern sich zehn Gärtner und zwei Gärtnerinnen. „Das meiste ist Intensivpflege“, so Gärtnermeister Ludger Hölscher.
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