Maximilian-Kolbe-Förderschule: Sonderpädagogik im Ausnahmezustand

rnMaximilian-Kolbe-Schule

Als letzte der Schulformen haben die Förderschulen nach der coronabedingten Zwangspause wieder geöffnet. Sie stehen vor ganz besonderen Herausforderungen.

Nordkirchen

, 04.06.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Montag, 25. Mai, war ein besonderer Tag für die Maximilian-Kolbe-Schule. Für Lehrer. Für Schüler. Für deren Eltern. Denn an diesem Tag sahen sich Schüler, Lehrer und Eltern erstmals nach der coronabedingten Zwangspause wieder. Was für Regelschulen schon seit Wochen gilt - die Wiederöffnung im eingeschränkten Modus -, soll nun auch an der Maxischule möglich sein. Aber: Vergleichbar sind Regel- und Förderschulen wie die Maxischule, wie sie liebevoll genannt wird, nicht.

Die Maxischule ist eine Förderschule mit den Schwerpunkten geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung. „Sonderpädagogik ist erst mal Beziehungsgestaltung“, sagt Norbert Heßling, Leiter der Nordkirchener Förderschule, auf Anfrage der Redaktion. Der Unterricht lebe von der persönlichen Begegnung. Und so ist es kein Wunder, was der stellvertretende Schulleiter Julian Groß zum ersten Tag der Wiederöffnung sagt: „Die Kinder haben sich auf die Schule gefreut.“

Der Präsenzunterricht für die externen Schüler findet im Haus 5 statt.

Der Präsenzunterricht für die externen Schüler findet im Haus 5 statt. © Arndt Brede

„Das ist bei unseren Schülern sehr häufig so“, ergänzt Schulleiter Norbert Heßling. Wo andere Schüler womöglich maulen, weil die Ferien vorbei sind und sie wieder zur Schule gehen müssen, ist das an der Maxischule, glaubt man den Worten Heßlings, offenbar anders: „Gerade nach den Sommerferien freuen sich unsere Schüler immer. Ferien sind für unsere Schüler eine doofe Zeit.“

„Sie vermissen die Schule“, führt Heßling fort. „Und jetzt, mit Corona, noch mal ganz besonders.“ Die Zwangspause sei für Schüler und deren Eltern „eine verdammt harte Zeit“ gewesen.

Lernen auf Distanz eingeschränkt möglich

Lernen auf Distanz mit digitalen Medien gebe es an der Maxischule zwar auch. „Das haben unsere Kollegen auch gemacht. Mit den Schülern, die das können, die die Möglichkeiten haben, nicht nur kognitiv, sondern auch technisch.“ Aber Sonderpädagogik lebe vom direkten Austausch miteinander.

Der ist jetzt wieder gegeben. Im Präsenzunterricht sei jedoch vieles anders, als es die Schüler gewohnt sind, sagt Julian Groß: „Wir haben die Klassen kleiner gemacht.“ Die Lerngruppen seien so gestaltet, dass zum Beispiel externe Schüler, also Schüler, die nicht im Wohnheim der Kinderheilstätte wohnen, „mit der Hälfte ihrer Mitschüler in der Gruppe“. Schüler aus dem Wohnheim kommen quasi als „Familiengruppe“. So bezeichnet Norbert Heßling das Konzept. „Weil wir die Wohnheimgruppen nicht mischen dürfen.“ Morgens komme die eine Hälfte der Wohngruppe in die Schule, nachmittags die andere Hälfte.

Die Zeit der Coronazwangspause hat die Maxischule laut Julian Groß auch genutzt, um regelmäßig mit den Eltern der Schüler zu kommunizieren. „Wir haben mit den Eltern zuletzt natürlich auch über Gefahren und Risiken gesprochen, die mit einer solchen Teilöffnung der Schule verbunden sind, zum Beispiel, was Infektionsketten betrifft.“ Da sei eben das persönliche Gespräch mit den Eltern sehr hilfreich gewesen, individuell abzusprechen, in welcher Form ein Schulbesuch für das Kind sinnvoll sei.

„Corona ist auch Unterrichtsinhalt“, berichtet Schulleiter Heßling. In der gesamten Schule gebe es zum Beispiel bebilderte Hinweise auf Hygiene- und Abstandsregeln.

Aber neben Corona müsse auch wieder der Alltag ein Stück weit einkehren, sagt Heßling: „Wir kochen gemeinsam, wir essen gemeinsam.“ Immer unter der Vorgabe, die Abstandsregeln einzuhalten.

Wunsch nach Normalität

Dass der Alltag an der Maxischule nach der Wiederöffnung nicht normal laufen kann, das geben Heßling und Groß zu. „Ich würde es als neuen Ausnahmezustand bezeichnen“, sagt der Schulleiter. „Aber wir wünschen uns die Normalität zurück.“ Allerdings werde der jetzige Zustand bis zu den Sommerferien bestehen bleiben.

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