Missbrauch: Diakon aus Nordkirchen verurteilt

Sexueller Übergriff

Nach einem sexuellen Übergriff auf einen Ex-Schüler ist ein pensionierter Lehrer (75) und Diakon, wohnhaft im Ortsteil Nordkirchen, am Freitag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Für den Beamten, der nach eigenen Angaben seelsorgerisch arbeitet, sei die Strafe privat und finanziell die Niederlage des Lebens.

NORDKIRCHEN

19.03.2016, 05:29 Uhr / Lesedauer: 1 min

Den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen: Der frühere Leiter einer Förderschule im Ruhrgebiet nahm das Urteil regungslos entgegen. Der 75-Jährige hatte vor dem Essener Landgericht eingeräumt, mit einem seiner ehemaligen Schüler (heute 44) mehrfach sexuelle Praktiken ausgeübt zu haben. Mal in seiner Wohnung in Nordkirchen, als seine Frau nicht zu Hause war. Mal bei einem Besuch in der Wohnung des Ex-Schülers.

Handlungen war laut Täter stets einvernehmlich

Dass der Austausch sexueller Handlungen angeblich stets einvernehmlich abgelaufen ist, nahmen ihm die Richter nicht ab. Sie werteten das erste Sex-Treffen mit dem intelligenzschwachen Opfer (IQ: 52) als Missbrauch einer „widerstandsunfähigen“ Person.

„Wir meinen, dass das Opfer damals zu einem ‚Nein‘ unfähig war“, sagte Richterin Jutta Wendrich-Rosch. „Es gab keine andere Möglichkeit, als den Angeklagten gewähren zu lassen.“

Zwei mitangeklagte Sex-Übergriffe gegen das gleiche Opfer endeten mit einer Verfahrenseinstellung und einem Teilfreispruch. Hier war das Kriterium „widerstandsunfähig“ fraglich, weil das Opfer sich offenbar bewusster auf Sex-Angebote – unter anderem als Gegenleistung für die Hilfe beim Erwerb des Führerscheins – eingelassen hatte. Das Opfer hatte das wörtlich mit „eine Runde Sex machen“ betitelt.

Mann arbeitete 20 Jahre lang in einer Förderschule

Der Nordkirchener arbeitete mehr als 20 Jahre in der Förderschule. Nach einem Ehemaligen-Fest im Jahr 2010 tauchte der „Oberchef“, wie ihn der das spätere Opfer nannte, häufiger spontan bei ihm zu Hause auf oder rief an.

Bekannt geworden war der Missbrauchs-Skandal, als die Betreuerin des Opfers zufällig ein Telefonat mitgehört hatte, bei dem der Nordkirchener den Ex-Schüler zu sexuellen Handlungen „fernsteuerte“.

Der verurteilte Beamte (A15) verliert laut Urteil seinen Pensionsanspruch. Auch in seinem aktuellen Wirkungskreis in der kirchlichen Seelsorge dürfte es Probleme geben. „Das wird nun alles rauskommen“, hieß es vor Gericht. Der Nordkirchener hatte auf einen Freispruch gehofft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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