Seit dem 6. Januar fährt zwischen Davensberg und Lünen kein Zug mehr. Es gilt der Schienenersatzverkehr. Längere und weniger komfortable Fahrzeiten inklusive. Oder vielleicht doch nicht?

Nordkirchen

, 31.01.2020, 21:10 Uhr / Lesedauer: 4 min

Manfried Kuliga ist sicher: „Es gibt eine sensationelle neue und besonders schnelle Verbindung für Menschen ohne eigenes Kfz, die von Nordkirchen Mitte oder Capelle nach Dortmund kommen möchten. In weniger als in einer Stunde.“

Diese Verbindung hat der Nordkirchener auch im Ausschuss für Bauen und Planung am 21. Januar vorgestellt. Und er hat darum gebeten, „dass man auf diese schnelle Verbindung auch deutlich hinweist und darauf aufmerksam macht. Eine solche Verbindung funktioniert nur, wenn man sie auch versteht. Sie ist etwas kompliziert“.

Der Nordkirchener Manfried Kuliga hat sich die Mühe gemacht und Bus-/Zugverbindungen von Nordkirchen nach Dortmund rausgesucht.

Der Nordkirchener Manfried Kuliga hat sich die Mühe gemacht und Bus-/Zugverbindungen von Nordkirchen nach Dortmund rausgesucht. © Arndt Brede

Wie kompliziert und doch lohnenswert sie sei, hat er der Redaktion beschrieben: „Das funktioniert werktäglich und am Wochenende zu vielen Zeiten, auch früh und spät, einmal pro Stunde mit dem Bus des Ersatzverkehrs Linie C, zum Beispiel ab Nordkirchen Rathaus von der Haltestelle an der Bergstraße.“ Man komme gut nach Dortmund und zurück und könnte sogar ein Fahrrad mitnehmen - soweit Platz ist - um in der Großstadt mobil zu sein.

Gesamte Fahrzeit beträgt 44 Minuten

„Die gesamte Fahrzeit von Nordkirchen zum Hauptbahnhof Dortmund beträgt nur 44 Minuten, inklusive der sechs Minuten, um einmal in Selm umzusteigen“, führt Kuliga aus. Und: „Das schaffen Sie, wenn Sie ganz legal mit einem Auto fahren und einen Parkplatz in Dortmund benötigen, ,brutto‘ nicht schneller, behaupte ich aus meiner langjährigen Erfahrung.“

Mit dem Zug der Linie RB 51 können Nordkirchener ab Bahnhof Selm nach Dortmund fahren.

Mit dem Zug der Linie RB 51 können Nordkirchener ab Bahnhof Selm nach Dortmund fahren. © Arndt Brede

„Das Projekt Schienenersatzverkehr wird, indirekt auf jeden Fall, aus öffentlichen Mitteln finanziert“, erklärt der Nordkirchener. Wer Steuern zahle, solle auch etwas davon haben. Und zum Beispiel ein Museum oder andere kulturelle Angebote nutzen oder eben mobil sein mit guten Angeboten. Sinnvoll wäre seiner Meinung nach eine breite Nutzung, da individueller Verkehr und Staus etwas verringert werden könnten und ganz nebenbei auch Emissionen wie Lärm und Dreck.

Fahrradmitnahme möglich

Die neue Verbindung gibt Interessierten laut Kuliga die Möglichkeit, ein Fahrrad mitzunehmen. Im Zug und auch im Bus, soweit Platz vorhanden wäre. Allerdings: „Ich habe den Fahrer kurz gesprochen. Er war offenbar nicht darüber informiert, dass ein Fahrgast auch ein Rad mitnehmen kann.“

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Was kostet nun eine Reise Nordkirchen nach Dortmund und zurück per Auto?

Kuliga rechnet für eine Hin- und Rückfahrt mit dem Auto 70 Kilometer und veranschlagt für das Parken „vier Euro oder mehr als das Doppelte“. Rechne man nicht mit den echten Kfz-Vollkosten, so wie der ADAC, sondern nur mit dem „zu geringen steuerlichen Satz von 30 Cent pro Kilometer, die man mit einem Smart oder einem ähnlich kleinen Auto vielleicht gerade noch erreicht“ , dann koste das Autofahren also 21 Euro plus Parkgebühren – oder mehr - je nach Fahrzeug und Vollkostenrechnung.

Nachteil der Autofahrt laut Manfried Kuliga: „Das eigene Fahrrad kann man zum Beispiel kaum bis gar nicht in einem Smart mit befördern. Und wenn ein anderer Kleinwagen das könnte: Es kostet Zeit, das Rad am Kfz zu befestigen und abzubauen und den Radträger vor Ort zu sichern und so weiter.“

Was kostet die Bahnverbindung im „Westfalentarif“ von Nordkirchen nach Dortmund? „Der ist auf den Tafeln an den Haltestellen erwähnt“, berichtet Kuliga.

18,20 Euro hin und zurück

Kuligas Rechnung sieht so aus: „Kosten je nach Startzeit: Vor 9 Uhr ist es teurer, danach und an Wochenenden und Feiertagen wird es interessant: Ab 9 Uhr inklusive einer Fahrradmitnahme kostet ein ,Tagesticket 1 Person‘ hin und zurück nur 18,20 Euro.“ Dieses Ticket gilt laut Deutscher Bahn für eine Person und bis zu 3 Kinder beziehungsweise Fahrräder.

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Eine frühere Reise vor 9.23 Uhr kostet laut Manfried Kuliga mehr: Zweimal 10,60 Euro plus Fahrradticket von 4 Euro. Summe also 21,20 Euro. Hin und zurück. Oder mit einem Fahrrad 25,20 Euro. „Trotz aller Kritik ist man in Dortmund mit einem Fahrrad in der Stadt meistens erheblich schneller unterwegs als mit einem Auto und muss nie lange einen Parkplatz suchen. Ein gut passenden eigenes Fahrrad ist fast immer besser als ein gemietetes (für das eine Gebühr fällig wäre). Ein Leihfahrrad wäre gut, wenn ,man ein eigenes nicht hat oder es nicht mehr in den Bus passt.“

Der Schienenersatzverkehrsbus bringt Fahrgäste aus Nordkirchen zum Bahnhof Selm.

Der Schienenersatzverkehrsbus bringt Fahrgäste aus Nordkirchen zum Bahnhof Selm. © Arndt Brede

Diese Rechnung gilt laut Manfried Kuliga für mehrere Reisende:

Mit dem Einzelticket können eine Person und bis vier Kinder hin und zurück in 44 Minuten von Nordkirchen nach Dortmund über Selm reisen (ohne Fahrrad) für 18,20 Euro. „Es ist also billiger, als mit einem Auto“, sagt Kuliga, „nur Treibstoffkosten zu rechnen wäre schlicht falsch“.

Vor Ort mobil

Zwei Erwachsene mit je einem Fahrrad könnten das 9-Uhr-Tages-Ticket 5 Personen für 32,40 Euro nutzen. „Es gilt aber auch sogar für bis zu fünf Erwachsene oder für zwei Erwachsene, die jeweils ihr eigenes Fahrrad mitnehmen.“

Kuliga weiter: „Das Fünfer-Erwachsenen-Ticket ist eine schnelle Alternative zum eigenen Auto und kostet für jede Person nur 6,48 Euro hin und zurück.“

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Wenn man zu zweit seine zwei Fahrräder mitnehmen würde, sei man immer noch im Vorteil und „vor Ort“ sehr mobil. „Und es wird mit dem Angebot sehr gut ausgeglichen, dass es keinen sichereren direkten Fahrradweg (K2) von Nordkirchen nach Selm zum Bahnhof gibt.“

Verwirrende Informationsflut im Internet

Nachteile habe die Suche nach dem besten Tarif aber auch, sagt Manfried Kuliga: Bis man im Internet diese Tarife aufgerufen hat und die verwirrende Informationsflut gesichtet und für sich bewertet hat, vergehe viel Zeit. „Wer einfach an eine Haltestelle geht und den rundum günstigsten Tarif für sich finden will, hat vermutlich keine Chance und wird zu viel bezahlen. Das zur Kunden-Nutzen-Orientierung der Anbieter.“

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„Das ist eine deutliche Verbesserung“, sagte Bürgermeister Dietmar Bergmann in der Sitzung des Ausschusses für Bauen und Planung, nachdem Manfried Kuliga die Verbindung und seine Rechenbeispiele vorgestellt hatte. „Wir haben mit der Haltestelle Rathaus eine zusätzliche Haltestelle während der Zeit des Schienenersatzverkehrs.“ Die Gemeinde appelliere an die Bürger, diese Haltestelle möglichst viel zu nutzen.

Forderung nach Dauerhaltestelle am Rathaus

Aus der Bürgerschaft sei schon die Forderung an die Gemeindeverwaltung heran getragen worden, dass diese Haltestelle eine dauerhafte Einrichtung sein solle. Die Gemeinde werde sich gern daran beteiligen, darauf hinzuweisen, dass diese Streckenverbindung „eine deutliche Verbesserung“ sei.

Manfried Kuliga hat übrigens an einem Vormittag mal geschaut, wie die Busverbindung von Nordkirchen zum Bahnhof Selm genutzt wird. Ergebnis: „Leider fuhr der Bus um 11.23 Uhr völlig leer von Nordkirchen nach Selm. Der Gegen-Bus war etwas besetzt.“

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