Nach Nazi-Graffiti: Sind die Flüchtlinge in Gefahr?

Im Umfeld der Notunterkunft

Hakenkreuz, SS-Runen, Reichsflagge und rechte Parolen - diese fremdenfeindlichen Schmierereien prangten am Wochenende an Mauern im direkten Umfeld der Notunterkunft für Flüchtlinge in Nordkirchen. Welche Schlüsse sind aus dieser Tat zu ziehen? Schweben die Flüchtlinge in Gefahr? Wir haben nachgefragt.

NORDKIRCHEN

, 21.10.2015, 18:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach Nazi-Graffiti: Sind die Flüchtlinge in Gefahr?

Schwarz, Weiß, Rot - die Farben der Flagge des deutschen Reiches. Unbekannte haben die Mauer im Bereich des Capeller Tors beschmiert.

Der Vorfall hat vorerst keine Auswirkungen auf das Sicherheitskonzept der Anlage. Das erklärte DRK-Vorstand Christoph Schlütermann am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. „Die Gefahrenabschätzung geschieht durch die Kreispolizeibehörde“, so Schlütermann.

Bislang habe das Rote Kreuz keine derartigen Hinweise bekommen. Es sei keine besondere Bedrohungslage feststellbar, sagte der DRK-Vorstand weiter. Weiterhin werden rund um die Uhr insgesamt fünf Wachleute eines privaten Sicherheitsunternehmens auf die Unterkunft aufpassen – drei am Tag und zwei in der Nacht.

DRK-Vorstand: Haben in Nordkirchen sehr großen Rückhalt

Den Schmierereien wolle Christoph Schlütermann keine besondere Bedeutung beimessen. Es sei an allen acht Standorten, für die das Rote Kreuz im Umkreis zuständig ist, der einzige Vorfall dieser Art. Aus persönlicher Sicht sagt Christoph Schlütermann: „Ich finde es einfach schade.“ Seit festgestanden habe, dass Nordkirchen eine Notunterkunft für Flüchtlinge bekommt, habe er aus der gesamten Gemeinde nur Zuspruch erhalten. „Ich weiß ganz genau, dass wir in Nordkirchen sehr großen Rückhalt haben“, sagt der DRK-Vorstand.

Bei den Schmierereien könne er vielmehr einen bundesweiten Trend erkennen, die Flüchtlingssituation falsch einzuschätzen. „Es wird immer transportiert: ‚Wir stoßen an Grenzen‘“, macht Schlütermann deutlich. Das verführe vielleicht dazu, sich zu solchen Aktionen hinreißen zu lassen, vermutet der DRK-Vorstand.

Aufnahme von Flüchtlingen stößt keineswegs an Grenzen

Fakt sei: Die Probleme, die es in der Abstimmung zwischen kommunalen Einrichtungen, Behörden und dem DRK am Anfang gegeben habe, seien mittlerweile größtenteils überwunden. Es habe sich ein funktionierendes System eingespielt. „Natürlich sind wir vom DRK teilweise an Grenzen gestoßen, aber das war zu jedem Zeitpunkt machbar“, so Schlütermann.

Auch anhand der aktuellen Belegungszahlen ist eine Überlastung der Unterkunft nicht erkennbar: Stand gestern waren 151 Menschen in Turnhalle und Hallenbad untergebracht, 15 Plätze seien frei. Insgesamt kümmert sich das Rote Kreuz im Kreis Coesfeld um 1600 Plätze in allen Einrichtungen.

Finanzielle Situation mittlerweile geklärt

Mittlerweile habe sich auch die anfangs noch holprige finanzielle Situation geklärt. Bis zum Stichtag 1. September sei das DRK im Kreis Coesfeld für den Betrieb seiner Unterkünfte mit knapp 500.000 Euro in Vorkasse getreten. Mittlerweile habe das Land NRW diesen Betrag beglichen. Seitdem komme der monatliche Abschlag, so Schlütermann.

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