Anfang 2019 zog das Nordkirchener Start-up Pickshare nach Dortmund. Der Abschied scheint aber nicht endgültig zu sein. Nicht nur das: Das Start-up steht kurz vor einem großen Neustart.

Nordkirchen

, 05.10.2019, 16:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es seien gerade „dicke Bretter zu bohren“, sagt Björn Paulus, Gründer und Geschäftsführer von Parcelbox - dem Start-up, das mit seiner Smartphone-App Pickshare nicht weniger versucht, als den Markt für die Paketzustellung auf den Kopf zu stellen.

Pickshare ist ein Nordkirchener Gewächs. Das Start-up war seit der ersten Stunde im Digitalcampus an der Aspastraße vertreten. War - weil es Paulus und sein Team Anfang 2019 nach Dortmund zog. Grund dafür war einerseits die Größe des Start-ups, das innerhalb des Digitalcampus bereits in größere Büroräume umgezogen war. Pickshare war dem Sprungbrett Digitalcampus also ein Stück weit entwachsen.

Durch Förderprogramm nach Dortmund

Zweiter Grund: Björn Paulus hatte es mit seinem Unternehmen in ein Förderprogramm des Ruhr-Hub in Essen geschafft. Das Ruhr-Hub ist eine „Zentralstelle für die Digitalisierung in der Region“, wie es auf seiner Internetseite beschrieben wird. Dafür musste Pickshare näher ran ans Ruhrgebiet.

In Nordkirchen seien seine Wurzeln und auch die von Pickshare, betonte Björn Paulus allerdings auch immer. Und zu denen könnte das Start-up bald wieder zurückkehren. Der Schritt zurück nach Nordkirchen sei geplant, sagt Paulus im Gespräch mit der Redaktion - „in welcher Form auch immer“ fügt er hinzu.

In der Zwischenzeit hat das Start-up den nächsten Entwicklungsschritt gemacht.

Seit September gibt es die bisherige Pickshare-App nicht mehr in den App-Stores von Apple und Android herunterzuladen. Die App soll Anfang 2020 in deutlich überarbeiteter Form zurückkommen.

Seit September unterwegs für die neue App

Zurzeit bedeutet das für Björn Paulus und sein Team, ständig unterwegs zu sein, um für das Konzept, das hinter der neuen Pickshare-App steckt, Werbung zu machen und schwergewichtige Partner in der Wirtschaft zu gewinnen. „Better than prime“ heißt die Tour - oder im Start-up-Jargon „Roadshow“ -, für die Paulus und Mitarbeiter seit September unterwegs sind.

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Der Nordkirchener macht unter anderem bei deutschen Online-Shops, wie den Mode-Shops Zalando, oder About You, aber auch großen Einzelhandelsketten wie Rewe Werbung für seine Idee und die neue große digitale Logistik-Plattform, die Pickshare werden soll.

Keine Abholzettel mehr im Briefkasten

Das Ziel: Gelbe, blaue oder rote Abholzettel - je nach Lieferdienst - sollen der Vergangenheit angehören. Wer in Zukunft im Internet eine Bestellung aufgibt, soll die Pickshare-App als einheitliche Plattform nutzen können, um bestimmen zu können, wohin das Paket geliefert wird, wenn klar ist, dass man zum Lieferzeitpunkt nicht zu Hause ist.

Fehl-Zustellungen sind aus Sicht des Start-ups nicht nur ärgerlich für den Kunden, auch im Sinne des Klimaschutzes seien die unnötigen Fahrten der Zustelldienste bedenklich.

Pakete beim Wocheneinkauf mitnehmen

So soll die Online-Bestellung in Zukunft also nicht vor der verschlossenen Haustür enden, sondern direkt zum Supermarkt geliefert werden, bei dem man auf dem Weg von der Arbeit nach Hause ohnehin seinen Wocheneinkauf erledigen wollte. Dabei sei es egal, mit welchem Lieferdienst das Päckchen kommt. Direkt bei der Bestellung bekommen Pickshare-Pakete ein eigenes Sendungslabel, einen Strichcode.

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Das Besondere daran: Anders als die vielen Codes, die jetzt schon auf den Paketen kleben und angeben, welchen Weg das Paket genau nehmen soll, sind die Pickshare-Codes nicht an ein Logistik-Unternehmen gebunden, sondern offen. „Wir sind die Ersten, die einen standardisierten Code auf das Paket bringen“, erklärt es Björn Paulus.

Viele Möglichkeiten, wie das Paket nach Hause kommt

So können die großen Lieferdienste die Pakete auf den ersten Streckenabschnitten transportieren, die sogenannte „letzte Meile“ - also der Weg bis zur Haustür - kann aber auch von anderen übernommen werden. Ein Beispiel sei die Abholung beim Supermarkt. Dazu bekommt der Kunde über die App einen Code, der zur Abholung einfach eingescannt wird und als Identifizierung dient.

Eine Lieferung über andere Wege, wie zum Beispiel durch Fahrrad-Boten oder auch autonome Lieferservices, seien möglich, erklärt Björn Paulus. Letzteres klingt vielleicht nach einer Zukunftsfantasie, genau das wird das Start-up Pickshare aber bald als eines von mehreren Pilot-Projekten testen: In Bruchsal bei Karlsruhe wird es einen Test für autonome Zustellung geben. Das sei durchaus auch auf Nordkirchen übertragbar, macht Björn Paulus deutlich.

Start-up soll zur Aktiengesellschaft werden

Bis Mitte Dezember soll die Roadshow noch laufen, Anfang 2020 dann die neue Pickshare-App an den Start gehen. Die aktuelle App hatte bis September 2019 Nutzer in 38 Städten, ein Großteil davon in Deutschland, aber auch zwei in Österreich und einer in der Schweiz. Aktiv hätten rund 48.000 Personen die App genutzt, sagt der Pickshare-Gründer.

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All diese Pläne seien in der bisherigen Geschäftsform, der Parcelbox GmbH, nicht in der geplanten Größe umsetzbar, erklärt Björn Paulus. Deshalb soll aus dem Start-up eine Aktiengesellschaft werden - „mit den Partnern, die sich daran beteiligen“, kündigt Paulus an.

Werden die Geschäfte, die bislang als Paketshops für Pickshare-Nutzer zur Verfügung standen, auch in Zukunft verfügbar sein? „Das entscheiden die Geschäfte“, sagt Björn Paulus. In Nordkirchen gehörte zum Beispiel das Geschäft Worms an der Schloßstraße zu den sogenannten „Pickplaces“, wo man Pakete und Päckchen abholen konnte.

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