Noch mehr als ein Jahr ohne alte Kirche: St. Pankratius weiter nicht nutzbar

rnSüdkirchener Kirche

Ausgerechnet der Sommerfrost setzt der Kirche zu, die einem Eisheiligen geweiht ist: St. Pankratius. Derzeit müssen die Südkirchener auf die alte Kirche verzichten: Hilfe ist aber in Sicht.

Südkirchen

, 27.11.2018, 08:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Kirchturm ist vermutlich mehr als 800 Jahre alt. Ein wehrhafter Hüne aus massivem Bruchstein. Nichts kann dem in sich fest ruhenden Gebäude anhaben. Bei der Kirche, die Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg ab 1691 ebenfalls mit Bruchstein anbauen ließ, sieht das ganz anders aus. Ihr setzt ein Phänomen zu, das mit dem extremen Sommer zu tun hat.

„Sommerfrost“, sagt Josef Rößmann vom Bauausschuss der Kirchengemeinde St. Mauritius. Er habe den Begriff auch nie gehört, versichert er. Erst der im Oktober hinzugezogene Bodengutachter habe ihn benutzt. Die Ursache für die plötzlich aufgetretenen Risse im altehrwürdigen Mauerwerk hat damit einen Namen, der meistens nur im Zusammenhang mit Wasserrohrbrüchen zu hören ist: Sommerfrost.

Technische Fachsprache

So nennen die Techniker in den Versorgungsgesellschaften die durch die extreme Dürre knochenhart gewordenen Böden. Sommerfrost führt dazu, dass die Erde nicht mehr abfedert und auch kleinste Erschütterungen auf die Wasserleitungen übertragen werden. In Südkirchen sind zwar keine Wasserleitungen betroffen, sondern Kirchenmauern und Kuppeln, aber das Prinzip ist dasselbe. Der Mergelboden im Untergrund sei völlig ausgetrocknet und sei dadurch zusammengesackt, erklärt er. Die Kirche darüber mit dem Mergel. Dadurch die „extreme Rissbildung“. Es kommen aber noch weitere Verursacher hinzu. Und die sind - anders als der trockenharte Mergel im Boden - für jedermann sichtbar.

„Die Bäume im Bereich der Kirche“, sagt Rößmann.

Die Fachleute von Bistum und Denkmalbehörde, die die Gemeinde zurate gezogen hatte, sehen Eiche und Hainbuchen als Verstärker für den unheilvollen Effekt des Sommerfrosts. Die Bäume hätten ihre Wurzeln in Richtung Kirche ausgestreckt. Der Effekt, dass die alte Kirche nach mehr als 300 Jahren Ruhe plötzlich ungewollt in Bewegung komme, werde dadurch noch verstärkt. Das mag einem leidtun um die Bäume, „aber die Fachleute raten dringend, die Bäume zu entfernen“ – vermutlich der erste Schritt im Sanierungsvorhaben. Ihn wird die Kirchengemeinde vermutlich noch in diesem Jahr gehen. Die weiteren Schritte lassen noch auf sich warten. Das hat wieder mit dem Wetter zu tun.

Fundament wird an mehreren Stellen freigelegt

Geplant sei eine sogenannte Bodensanierungsmaßnahme, so Rößmann, den Pfarrer Gregor Wolters „unseren Bauexperten nennt“. Rößmann wehrt ab. Er sei zwar Diplom-Ingenieur, aber für Maschinenbau. Das habe mit Architektur und Bauforschung gar nichts zu tun. Allerdings habe er als Kirchenvorstandsmitglied 2015 bereits die Sanierung der Capeller Kirche St. Dionysius betreut. „Da lernt man eine ganze Menge.“ Bei der Bodensanierung werde das Fundament an mehreren Stellen freigelegt. „Dann kann man erst einmal richtig gucken, was ist.“ Und man kann handeln. Er reiche eben nicht aus, auf den nächsten Regen zu warten in der Hoffnung, dass sich die in der Trockenphase entstandenen Hohlräume wieder schlössen. Statt Wasser sei dafür Zwei-Komponenten-Harz gefragt. Fachleute empföhlen, die Arbeit unbedingt im Herbst durchzuführen. „Das ist tatsächlich die Jahreszeit, in der am wenigsten Wasser im Boden ist.“ Durch diese Maßnahme werde der Ist-Zustand stabilisiert. Das heißt: Die Kirche sackt nicht weiter ab, die Risse werden damit noch nicht behoben sein.

„Man arbeitet von unten nach oben“, nennt Rößmann das Prinzip. Oben: Das sind das Gewölbe und die Kirchenwände. Nachdem die teilweise Meter langen Risse geschlossen sein werden, sei ein Anstrich des Gotteshauses erforderlich. Wie teuer das alles werde, werde zurzeit noch ermittelt. „Wir rechnen damit, dass alles bis Frühjahr 2020 dauern wird.“ So lange sei die alte Kirche nicht zu betreten – aus Sicherheitsgründen. Zwar werde das betagte Gebäude nicht zusammenfallen, „aber Krümel fallen immer wieder von oben herab“.

„Es hat auch etwas Gutes“

„Wir haben ja zum Glück die neue Kirche direkt nebenan“, sagt Pfarrer Wolters mit Verweis auf den 1965/66 errichteten mächtigen Anbau. Gottesdienste müssten dadurch nicht ausfallen, aber „es ist schon ein Schmerz, dass wir nicht in der alten Kirche sein können“. Allerdings: Es habe auch etwas Gutes: die Erfahrung großer Nähe und Intensität während Familien- und Taufgottesdiensten. „Dann knubbeln sich 50 bis 60 Leute um den Taufbrunnen herum“ – nicht nur ein echtes Gemeinschafts-, sondern auch Gemeindegefühl.


Das mag ganz in Pankratius Sinne sein. Der Heilige aus der heutigen Türkei hat sich der Legende nach in seinem kurzen Leben mit aller Kraft dafür eingesetzt, dass christliche Gemeinschaften entstehen. Sein Gedenktag ist am 12. Mai: einem der letzten Tage, an denen noch Frost möglich ist. Winterfrost.

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