Nordkirchen: Jeder fünfte Flüchtling reist weiter

Notunterkunft des DRK

Aus der Notunterkunft für Flüchtlinge im Nordkirchener Hallenbad verschwinden immer wieder Asylsuchende, ohne dass sich im Nachhinein nachvollziehen lässt, wohin sie weitergereist sind. Das bestätigte Christoph Schlütermann, DRK-Vorstand im Kreis Coesfeld, auf Anfrage unserer Redaktion.

NORDKIRCHEN

, 01.03.2016, 18:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nordkirchen: Jeder fünfte Flüchtling reist weiter

Die Notunterkunft für Flüchtlinge im Nordkirchener Hallenbad.

Doch nicht nur von dem umfunktionierten Hallenbad aus ziehen die Flüchtenden weiter. Betroffen seien davon sämtliche DRK-Notunterkünfte im Kreis Coesfeld und im ganzen Land. Das Phänomen der untergetauchten Flüchtlinge war zuletzt auch Thema im Bundestag.

143.000 Menschen weitergereist

Auf eine entsprechende Anfrage der Linksfraktion antwortete das Bundesinnenministerium, dass im vergangenen Jahr rund 13 Prozent der registrierten Asylsuchenden nicht in der Erstaufnahmeeinrichtung angekommen seien, für die sie eigentlich vorgesehen waren. Laut Pressemitteilung der Linksfraktion seien das etwa 143.000 Menschen, die vermutlich zu Verwandten oder Bekannten in Deutschland oder ins Ausland weitergereist seien.

Der DRK-Vorstand spricht bei der Notunterkunft in Nordkirchen von durchschnittlich 20 Prozent, teilweise aber auch bis zu 50 Prozent der Bewohner, die auf eigene Faust weiter reisen. Die Zahlen variieren, so Schlütermann, je nach Belegung der Unterkunft. Genaue Statistiken werden vom DRK aber nicht geführt.

 

Im Februar wieder mehr Flüchtlinge

Aktuell sind in Nordkirchen 50 Flüchtlinge untergebracht. Nachdem der Dezember und Januar eher ruhig waren, seien im Februar wieder spürbar mehr Menschen nach Nordkirchen gekommen, berichtet der DRK-Vorstand.

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Dass die Flüchtlinge in den Notunterkünften den Zuständigkeitsbereich ihrer Ausländerbehörde nicht verlassen dürfen, werde ihnen mitgeteilt, sagt Schlütermann. Manchen sei die Vorschrift allerdings egal. Andere seien sich der Konsequenzen schlicht nicht bewusst, so der DRK-Vorstand weiter.

"Können Leute nicht einsperren"

Das Rote Kreuz könne die Menschen nicht daran hindern, die Einrichtung einfach zu verlassen, macht er deutlich. Schlütermann: „Wir können die Leute nicht einsperren.“

Auf Anfrage der Redaktion bei der zuständigen Bezirksregierung in Münster, bestätigt Sprecher Thomas Drewitz, dass es immer wieder vorkomme, dass Flüchtlinge zumindest für einige Tage aus den Unterkünften verschwinden – zum Beispiel, um Verwandte zu besuchen. In den meisten Fällen tauchen die Menschen aber wieder auf. 

Es sei aber durchaus auch möglich, dass Flüchtlinge nach der ersten Registrierung weiterziehen und sich in einer anderen Registrierungsstelle unter anderem Namen melden, erklärt Drewitz.

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Zahlen und gesetzliche Grundlage
Laut Asylgesetz, Paragrafen 85 und 86, handelt es sich beim Verstoß gegen die Residenzpflicht um eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbußen bis zu 2.500 Euro, im wiederholten Fall auch mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden kann.
Auch in den Nachbarorten sind aktuell wieder mehr Flüchtlinge untergebracht: In Olfen leben 161 und in Seppenrade 69 Menschen in den Unterkünften.

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