Nordkirchen könnte eine Tiny-House-Siedlung bekommen - Das sind die ersten Ideen

rnTiny Houses

Leben auf kleinstem Raum: In Nordkirchen soll eine „Tiny House“-Siedlung entwickelt werden. Noch ist es ein Gedankenspiel, erste Ideen für die Umsetzungen gibt es aber trotzdem schon.

Nordkirchen

, 10.05.2019, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Thema „Tiny Houses“, also Kleinst-Häuser, ist in Nordkirchen angekommen. Die Fraktion der Unabhängigen Wähler (UWG) hat die neue Wohnform aufgegriffen und als Diskussionsvorschlag in die Sitzung des Ausschusses für Bauen und Planung am Donnerstag (9. Mai) gebracht.

Zum Hintergrund: „Tiny Houses“ im ursprünglichen Sinn sind, wie der englische Name vermuten lässt, besonders kleine Wohnhäuser mit 15 bis 40 Quadratmetern Wohnfläche. Der Begriff ist in den USA mittlerweile rechtlich geschützt. Dort handelt es sich unter anderem um Häuser mit umgerechnet etwa 37 Quadratmetern Fläche oder weniger (Link in englischer Sprache).

Nordkirchen könnte eine Tiny-House-Siedlung bekommen - Das sind die ersten Ideen

Ein Blick ins Innere eines Tiny Houses. © THomas Thiel (Archiv)

„Die eigentlichen Tiny Houses sind eigentlich auch mobil“, erklärt Architekt und SPD-Ratsmitglied Lothar Steinhoff auf Anfrage dieser Redaktion.

So sei das in Deutschland bekannteste Tiny House der berühmte Bauwagen von Peter Lustig. „Das ist aber eigentlich nicht das, was wir in Nordkirchen wollen“, erklärt Steinhoff, dessen Fraktion den UWG-Vorschlag sehr begrüßt. Auch bei den anderen Fraktionen stieß die Idee der UWG auf Gegenliebe.

Kein Park für mobile Häuser

In der Diskussion bestätigte sich dann, was auch Lothar Steinhoff noch einmal auf den Punkt brachte: In Nordkirchen würde mit einer solchen Siedlung kein Park für mobile Häuser entstehen. Auch im Vorschlag der UWG ist die Rede von Häusern mit einer Wohnfläche von 40 bis 100 Quadratmetern Wohnfläche, also mehr als der Begriff „Tiny House“ streng genommen zulassen würde.

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Die Debatte ist nicht neu: In Ahaus waren es zuletzt ebenfalls Mitglieder der UWG, die den Denkanstoß gegeben hat, bei wachsendem Bedarf nach Wohnraum auch Kleinhäuser mit in die Planung der Stadtplaner aufzunehmen. Am Samstag, 11. Mai, soll ein Tiny House als Beispielobjekt in der Ahauser Innenstadt ausgestellt werden. Der Ahauser Stadtverwaltung liegen zurzeit über 50 Interessensbekundungen für das Wohnen in Tiny Houses vor.

In anderen Orten sind die Pläne schon konkreter

Die Stadt Dortmund ist sogar noch einen Schritt weiter: Die Chancen stehen gut, dass dort 2022 die erste Tiny-House-Siedlung NRWs entsteht. Eine geeignete Fläche ist im Stadtteil Sölde, im Südosten der Stadt, bereits identifiziert. Auf der nur knapp 16.000 Quadratmeter großen Fläche wäre Platz für 20 bis 30 der Kleinst-Häuser, wie Stadtplaner Gerald Kampert erklärt.

Wie Bauamtsleiter Josef Klaas im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt, habe auch die Gemeinde Nordkirchen sich schon mit solchen alternativen Bauformen auseinandergesetzt. Als vor einigen Jahren die Vermarktung des Neubaugebietes „Kolpingstraße Nord“ in Capelle schleppend verlief, habe es einen Vorschlag gegeben, ähnlich kleine Häuser dort zu errichten. Damals allerdings mit mäßiger Resonanz.

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Als eigenständiges Konzept könnte das Thema jetzt aber noch einmal eine eigene Dynamik bekommen, ist sich Architekt Lothar Steinhoff sicher. „Solche Kleinst-Häuser könnten sich zum Beispiel als barrierefreier Wohnraum für Senioren oder für Singles anbieten“, so Steinhoff. Mit einer modularen Bauweise wäre zum Beispiel auch eine nachträgliche Erweiterung oder Anpassung der Häuser möglich, erklärt der Architekt weiter.

Die Fraktionen wollen sich jetzt weiter mit dem Thema beschäftigen. Die Verwaltung will bei den nächsten Neubaugebieten Quartiere für Tiny-House-Siedlungen berücksichtigen. Denn: Einzelne Kleinst-Häuser zwischen klassischen Ein- oder Doppelhäusern soll es eher nicht geben. Der Capeller Architekt spricht sich ebenfalls für zusammenhängende Quartiere aus.

Geplantes Baugebiet in Capelle bekommt noch kein Mini-Haus-Quartier

Bis konkretere Pläne in die Diskussion kommen, kann aber noch etwas Zeit vergehen, zumindest was den möglichen Ort einer solchen Siedlung in Capelle angeht. Im geplanten Baugebiet „Wohr“ in Capelle soll kein Tiny-House-Quartier nachträglich in den Plänen ergänzt werden.

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