Nordkirchener Bezirkspolizist Dieter Herbstmann (61) ist im Ruhestand

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Seit 2016 war Dieter Herbstmann das Gesicht der Polizei in der Gemeinde Nordkirchen. Jetzt ist der Bezirksbeamte in den Ruhestand gegangen. Seine Arbeit als Polizist führte ihn bis nach Afrika.

Nordkirchen

, 05.08.2020, 16:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach 44 Dienstjahren ist Dieter Herbstmann (61), zuletzt Bezirkspolizist in Nordkirchen, offiziell zum 1. August in den Ruhestand gegangen. Seine Zeit als Nordkirchener Bezirksbeamter beschreibt Herbstmann als eine Arbeit, die ihm „unheimlich viel Spaß gemacht“ habe. Dabei musste er sich ausgerechnet auf dieser letzten beruflichen Etappe noch einmal einer großen Herausforderung stellen.

Dieter Herbstmann hat die dunkelblaue Polizeiuniform, mit der ihn viele Nordkirchener, Südkirchener und Capeller im Ortsbild verbinden, gegen Freizeitkleidung getauscht. Der Sommer ist mit Temperaturen, die an der 30-Grad-Marke kratzen, seit ein paar Tagen zurück und der Gartenstuhl ist vorbereitet. Besser könnte der Einstieg in den Ruhestand nicht starten. Er wirke nicht nur entspannt, sagt Herbstmann im Gespräch mit der Redaktion. „Ich bin sehr entspannt.“

Ermittlung gegen Schmuggler in Lagos

Am 1. Oktober 1976 startete Herbstmann, der in Coesfeld aufgewachsen ist, in den Polizeidienst. In Braunschweig arbeitete er zunächst beim Bundesgrenzschutz. Als Polizeihauptwachtmeister war er nach seiner Ausbildung einerseits an der innerdeutschen Grenze im Einsatz, wechselte aber später auch unter anderem an den Flughafen Düsseldorf, den Hauptbahnhof in Mönchengladbach und später auch den Flughafen in Frankfurt am Main.

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr (r.) verabschiedete Dieter Herbstmann Ende Juli in den Ruhestand.

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr (r.) verabschiedete Dieter Herbstmann Ende Juli in den Ruhestand. © Kreis Coesfeld

Gerade der riesige Flughafen in Frankfurt „war ein echtes Highlight“ erinnert sich Dietmar Herbstmann. „Alleine die Größe war beeindruckend“, erklärt er. Und über mangelnde Abwechslung habe man sich dort keine Sorgen machen müssen. An einem Tag ging es für den Beamten und einige Kollegen mit dem Flieger nach Lagos, die größte Stadt Nigerias. Dort folgten sie einer Spur von Schmugglern, die noch am Flughafen in Lagos identifiziert wurden und deren Einreise nach Deutschland verhindert werden konnte.

Treffen mit Nationaltorhüter Sepp Maier

An einem anderen Tag dann freuten sich die damals Anfang 30-jährigen Beamten über eine Durchreise der deutschen Fußballnationalmannschaft. Vor allem der damalige Nationaltorwart Sepp Maier sei Herbstmann durch seine lockere und offene Art in Erinnerung geblieben.

In den 90er-Jahren ging es für Dieter Herbstmann dann erst zur Bahnpolizei und nach Gelsenkirchen, wo er viel mit der Fan-Szene von Schalke 04 zu tun hatte. „Wir haben die Fanzüge begleitet und sind mit dem S04 quer durch Deutschland gefahren“, erzählt der 61-Jährige. Zu dieser Zeit seien die Fan-Gruppen auch noch anders gewesen als heute. Zumindest, was den Umgang einiger Fußball-Anhänger mit der Polizei betrifft. „Duelle im Fußball hat es schon immer gegeben“, sagt Herbstmann, „aber die Gewaltbereitschaft habe ich nicht als so extrem empfunden.“ Gerade gegenüber Polizisten habe der Respekt nachgelassen. „Die Polizei wurde damals nicht so massiv angegangen“, so Herbstmann.

Mitte der 90er-Jahre dann ging es für Herbstmann weiter nach Gladbeck, wo er als Streifenpolizist in Gladbeck im Einsatz war. Danach ging es für Dieter Herbstmann zurück in die münsterländische Heimat. Bis Ende 2015 arbeitete er im Streifendienst als Teil der Wache in Lüdinghausen.

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Am 1. Januar 2016 dann noch einmal die Umgewöhnung in den Bezirksdienst. Eine Umgewöhnung, die Herbstmann allerdings leicht gefallen ist. Anders als im Streifendienst habe man als Bezirksbeamter viel mehr Zeit für die Menschen, sagt der 61-Jährige. So war er für die Nordkirchener das Gesicht der Polizei im Ort, half bei der Verkehrserziehung der Kita-Kinder und Grundschüler und begleitete Veranstaltungen wie den Karnevalsumzug.

Zuletzt war dieses Gesicht der Polizei aber nicht mehr zu sehen, zumindest nicht in Polizeiuniform. Eine plötzliche, schwere Krankheit zwang Dieter Herbstmann ein Jahr lang zur Pause. Er kämpfte sich zurück, fühlt sich wieder hervorragend, wie er sagt. Den Ruhestand widmet er jetzt seiner Patchwork-Familie mit seiner Frau, sechs Kindern und einem Enkelkind. „Da gibt es immer etwas zu tun“, sagt er und lacht. Und die nächste Reise ist schon geplant. Camping in Skandinavien. Langeweile komme in nächster Zeit eher nicht auf, ist sich Dieter Herbstmann sicher.

Seinen Platz als Bezirksbeamter in Nordkirchen hat Ulrich Rödiger übernommen, der Herbstmann auch schon während seiner Krankheit vertrat.

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