Nordkirchener Briefe aus dem Ersten Weltkrieg

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Bernard und Theresia Kersting stammten aus Nordkirchen. Sie liebten einander, gründeten zwischen dem Ersten und den Zweiten Weltkrieg eine Familie. Erinnerungen an ihr Leben bewahren ihr Sohn Walter und Enkel Hubert. Wie, sehen Sie in unserer Fotostrecke. Haben auch Sie solche Geschichten? Dann erzählen Sie sie uns!

NORDKIRCHEN

, 14.05.2014, 14:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nordkirchener Briefe aus dem Ersten Weltkrieg

Hubert Kersting (r.), Vorsitzender des Heimatvereins Nordkirchen, hat sich intensiv mit der eigenen Familiengeschichte auseinander gesetzt. „Bernard war als Soldat in Frankreich und Russland“, sagt sein Enkel. Walter Kersting (l.), eines der drei Kinder von Theresia und Bernard, weiß noch, dass sein Vater als Schuhmacher die Stiefel seiner Kompanie ausbessern musste.

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Erinnerungen an das Leben von Bernard und Theresia Kersting

Bernard und Theresia Kersting lebten ihr Leben lang in Nordkirchen. Sie liebten einander, gründeten eine Familie - doch zwei Weltkriege belasteten die beiden. Ihr Sohn Walter und Enkel Hubert bewahren die Erinnerungen, die Bernard Kersting aus dem Ersten Weltkrieg an seine Liebste schickte.
14.05.2014
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Vier Jahre diente Bernard Kersting (4.v.l.) im Ersten Weltkrieg. Anschließend gründete er mit seiner Frau Theresia, geborene Siemers, eine Familie. Dieses Familienfoto zeigt (v.l.) Sohn Erwin, Theresia, Tochter Antonia, Bernard und Sohn Walter. Die Aufnahme entstand 1943.© Foto: Jessica Strotmann
Die Einträge im Militärpass von Bernard machen aber auch deutlich, dass der Soldat auch in vorderster Front kämpfen musste.© Foto: Jessica Strotmann
Bernard wurde am 16. September 1894 in Nordkirchen geboren. Mit zwanzig Jahren wurde er zum Militär eingezogen.© Foto: Jessica Strotmann
Walter Kersting kann die Einträge im Militärpass gut lesen: „Unter Feldzüge und Verletzungen steht hier: Russland, Masuren-Schlacht. Schrapnell-Schuss, rechter Unterschenkel, im Februar 1915. Lazarett-Aufenthalt Allersberg." Trotz der Verletzung überstand der Nordkirchener den Ersten Weltkrieg: 1918 kehrte er in seine Heimatstadt zurück.© Foto: Jessica Strotmann
Hubert Kersting (r.), Vorsitzender des Heimatvereins Nordkirchen, hat sich intensiv mit der eigenen Familiengeschichte auseinander gesetzt. „Bernard war als Soldat in Frankreich und Russland“, sagt sein Enkel. Walter Kersting (l.), eines der drei Kinder von Theresia und Bernard, weiß noch, dass sein Vater als Schuhmacher die Stiefel seiner Kompanie ausbessern musste.© Foto: Jessica Strotmann
Außerdem sind im Militärpass alle Gefechte, an denen Bernard teilgenommen hat, sorgfältig aufgelistet. Hubert Kersting, Vorsitzender des Heimatvereins Nordkirchen, hat sich intensiv mit der eigenen Familiengeschichte auseinander gesetzt. „Bernard war als Soldat in Frankreich und Russland“, sagt sein Enkel.© Foto: Jessica Strotmann
Bernard diente in der 10. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regimentes 218.© Foto: Jessica Strotmann
Diese Aufnahme entstand im Kriegsjahr 1914/1915. Bernard steht in der hinteren Reihe, als zweiter von rechts.© Foto: Jessica Strotmann
Die ersten Liebesbriefe schrieb Bernard Kersting seiner späteren Ehefrau Theresia im Ersten Weltkrieg von der Westfront.© Foto: Jessica Strotmann
„Die Beiden müssen sich schon als Kinder gekannt haben“, sagt Hubert Kersting. Theresia und Bernard wuchsen in Nordkirchen auf, Theresia war nur ein Jahr jünger als ihr Mann.© Foto: Jessica Strotmann
Schon die Briefe, die der Soldat seiner Liebsten von der Front schrieb, lassen erkennen, dass sie eine gemeinsame Zukunft planten. „Deine Photografie ist mir ein teures Andenken, ich habe sie ständig bei mir, wohin es auch geht. Wenn ich Dich erst so ganz bei mir haben kann, dann ist mein Wunsch erfüllt. Es grüßt und küsst dich recht herzlich, dein dich liebender Bernard“, schrieb der Soldat im August 1918.© Foto: Jessica Strotmann
Die Briefe gehören zu den wenigen Einblicken, die Bernards Nachfahren in das Seelenleben an sein Leben als Soldat haben: „Über den Krieg hat mein Vater nicht allzu viel gesprochen. Aber als sie mich 1942 eingezogen haben, hat er zu mir gesagt: ‚Halt den Kopf tief unten. Ich weiß, was dich da erwartet. Nicht, dass sie dir Arme oder Beine wegschießen‘“, sagt Walter Kersting.© Foto: Jessica Strotmann
1918 kehrte Bernard nach Nordkirchen zurück. Drei Jahre später, am 10. Mai 1921, heiratete er seine Theresia. Die beiden bekamen drei Kinder: Antonia, Walter und Erwin.© Foto: Jessica Strotmann
Dieses Foto aus dem Jahr 1934 zeigt Erwin (l.), Bernard (4.v.l.), Antonia (6.v.l.), Theresia (8.v.l.) und Walter (r.). Im Zweiten Weltkrieg mussten Walter und Erwin an die Front. Und auch ihr Vater wurde nicht verschont: „Er hat immer gesagt: ‚Wenn sie mich noch holen, ist der Krieg schon verloren.‘ Und so war er auch. Er war schon 49 Jahre alt, als sie ihn 1944 zur Marine eingezogen haben“, sagt Walter Kersting.© Foto: Jessica Strotmann
Ein harter Schlag für Theresia Kersting: Beide Söhne und ihr Mann waren zeitgleich im Krieg. 1944 gerieten Erwin und Walter in Kriegsgefangenschaft, galten als verschollen. In einem Brief erhielt Theresia dann ebenfalls 1944 die Nachricht, die ihr sämtliche Kraft raubte: „Bernards Schiff wurde in der Schelde-Mündung in Holland getroffen, er sprang ins Wasser um sich zu retten und ertrank am 5. September 1944, nur 11 Tage vor seinem 50 Geburtstag“, sagt Hubert Kersting. Theresia habe darauf eine Woche das Bett nicht verlassen. Ihre beiden Söhne kehrten glücklicherweise gesund aus der Kriegsgefangenschaft heim.© Foto: Jessica Strotmann
Mit 88 Jahren starb Theresia 1983. Vielleicht trösteten sie bis dahin auch die Liebesbriefe ihres Mannes über seine Verlust hinweg. In einem davon schrieb Bernard 1917 aus Frankreich: „Alles kann ich vergessen, nur dich nicht, lieber Schatz.“© Foto: Jessica Strotmann
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Erinnerungen an das Leben von Bernard und Theresia Kersting

Bernard und Theresia Kersting lebten ihr Leben lang in Nordkirchen. Sie liebten einander, gründeten eine Familie - doch zwei Weltkriege belasteten die beiden. Ihr Sohn Walter und Enkel Hubert bewahren die Erinnerungen, die Bernard Kersting aus dem Ersten Weltkrieg an seine Liebste schickte.
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Vier Jahre diente Bernard Kersting (4.v.l.) im Ersten Weltkrieg. Anschließend gründete er mit seiner Frau Theresia, geborene Siemers, eine Familie. Dieses Familienfoto zeigt (v.l.) Sohn Erwin, Theresia, Tochter Antonia, Bernard und Sohn Walter. Die Aufnahme entstand 1943.© Foto: Jessica Strotmann
Die Einträge im Militärpass von Bernard machen aber auch deutlich, dass der Soldat auch in vorderster Front kämpfen musste.© Foto: Jessica Strotmann
Bernard wurde am 16. September 1894 in Nordkirchen geboren. Mit zwanzig Jahren wurde er zum Militär eingezogen.© Foto: Jessica Strotmann
Walter Kersting kann die Einträge im Militärpass gut lesen: „Unter Feldzüge und Verletzungen steht hier: Russland, Masuren-Schlacht. Schrapnell-Schuss, rechter Unterschenkel, im Februar 1915. Lazarett-Aufenthalt Allersberg." Trotz der Verletzung überstand der Nordkirchener den Ersten Weltkrieg: 1918 kehrte er in seine Heimatstadt zurück.© Foto: Jessica Strotmann
Hubert Kersting (r.), Vorsitzender des Heimatvereins Nordkirchen, hat sich intensiv mit der eigenen Familiengeschichte auseinander gesetzt. „Bernard war als Soldat in Frankreich und Russland“, sagt sein Enkel. Walter Kersting (l.), eines der drei Kinder von Theresia und Bernard, weiß noch, dass sein Vater als Schuhmacher die Stiefel seiner Kompanie ausbessern musste.© Foto: Jessica Strotmann
Außerdem sind im Militärpass alle Gefechte, an denen Bernard teilgenommen hat, sorgfältig aufgelistet. Hubert Kersting, Vorsitzender des Heimatvereins Nordkirchen, hat sich intensiv mit der eigenen Familiengeschichte auseinander gesetzt. „Bernard war als Soldat in Frankreich und Russland“, sagt sein Enkel.© Foto: Jessica Strotmann
Bernard diente in der 10. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regimentes 218.© Foto: Jessica Strotmann
Diese Aufnahme entstand im Kriegsjahr 1914/1915. Bernard steht in der hinteren Reihe, als zweiter von rechts.© Foto: Jessica Strotmann
Die ersten Liebesbriefe schrieb Bernard Kersting seiner späteren Ehefrau Theresia im Ersten Weltkrieg von der Westfront.© Foto: Jessica Strotmann
„Die Beiden müssen sich schon als Kinder gekannt haben“, sagt Hubert Kersting. Theresia und Bernard wuchsen in Nordkirchen auf, Theresia war nur ein Jahr jünger als ihr Mann.© Foto: Jessica Strotmann
Schon die Briefe, die der Soldat seiner Liebsten von der Front schrieb, lassen erkennen, dass sie eine gemeinsame Zukunft planten. „Deine Photografie ist mir ein teures Andenken, ich habe sie ständig bei mir, wohin es auch geht. Wenn ich Dich erst so ganz bei mir haben kann, dann ist mein Wunsch erfüllt. Es grüßt und küsst dich recht herzlich, dein dich liebender Bernard“, schrieb der Soldat im August 1918.© Foto: Jessica Strotmann
Die Briefe gehören zu den wenigen Einblicken, die Bernards Nachfahren in das Seelenleben an sein Leben als Soldat haben: „Über den Krieg hat mein Vater nicht allzu viel gesprochen. Aber als sie mich 1942 eingezogen haben, hat er zu mir gesagt: ‚Halt den Kopf tief unten. Ich weiß, was dich da erwartet. Nicht, dass sie dir Arme oder Beine wegschießen‘“, sagt Walter Kersting.© Foto: Jessica Strotmann
1918 kehrte Bernard nach Nordkirchen zurück. Drei Jahre später, am 10. Mai 1921, heiratete er seine Theresia. Die beiden bekamen drei Kinder: Antonia, Walter und Erwin.© Foto: Jessica Strotmann
Dieses Foto aus dem Jahr 1934 zeigt Erwin (l.), Bernard (4.v.l.), Antonia (6.v.l.), Theresia (8.v.l.) und Walter (r.). Im Zweiten Weltkrieg mussten Walter und Erwin an die Front. Und auch ihr Vater wurde nicht verschont: „Er hat immer gesagt: ‚Wenn sie mich noch holen, ist der Krieg schon verloren.‘ Und so war er auch. Er war schon 49 Jahre alt, als sie ihn 1944 zur Marine eingezogen haben“, sagt Walter Kersting.© Foto: Jessica Strotmann
Ein harter Schlag für Theresia Kersting: Beide Söhne und ihr Mann waren zeitgleich im Krieg. 1944 gerieten Erwin und Walter in Kriegsgefangenschaft, galten als verschollen. In einem Brief erhielt Theresia dann ebenfalls 1944 die Nachricht, die ihr sämtliche Kraft raubte: „Bernards Schiff wurde in der Schelde-Mündung in Holland getroffen, er sprang ins Wasser um sich zu retten und ertrank am 5. September 1944, nur 11 Tage vor seinem 50 Geburtstag“, sagt Hubert Kersting. Theresia habe darauf eine Woche das Bett nicht verlassen. Ihre beiden Söhne kehrten glücklicherweise gesund aus der Kriegsgefangenschaft heim.© Foto: Jessica Strotmann
Mit 88 Jahren starb Theresia 1983. Vielleicht trösteten sie bis dahin auch die Liebesbriefe ihres Mannes über seine Verlust hinweg. In einem davon schrieb Bernard 1917 aus Frankreich: „Alles kann ich vergessen, nur dich nicht, lieber Schatz.“© Foto: Jessica Strotmann
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1921 heirateten sie, drei Kinder folgten: Antonia, Walter und Erwin. Walter Kersting und sein Sohn Hubert sind fasziniert von den historischen Dokumenten.  "Über den Krieg hat mein Vater nicht allzuviel gesprochen", sagt Walter Kersting. Aber als sie mich 1942 eingezogen haben, hat er zu mir gesagt: ‚Halt den Kopf tief unten. Ich weiß, was dich da erwartet. Nicht, dass sie dir Arme oder Beine wegschießen.‘“ Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Söhne und 1949 auch Bernard Kersting erneut eingezogen. Walter und Erwin kehrten nach Kriegsgefangenschaft zurück, Bernard Kersting ertrank als Marinesoldat vor Holland.  Teresia Kersting starb 1983 im Alter von 88 Jahren.

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