Nordkirchener fordern Tempolimit im Ortskern

Sommeraktion "Bei Anruf dort"

Sollte auf der Schloßstraße in Nordkirchen eine weitere Tempo-30-Zone eingerichtet werden? Drei Nordkirchener fordern genau das. Sie haben sich bei der RN-Sommeraktion "Bei Anruf dort" über das Tempo-50-Limit im Ortskern beschwert. Doch wie sieht es mit dem Unfall-Risiko aus? Wir haben bei Polizei und Verwaltung nachgefragt.

NORDKIRCHEN

, 04.08.2017, 19:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nordkirchener fordern Tempolimit im Ortskern

Gerd Winke (r.) ärgert sich nicht alleine darüber, dass auf der Schloßstraße Tempo 50 gefahren werden darf. Auch Eckhard Jung (l.) und Thomas Gornas sind zum Treffen am RN-Bulli gekommen.

„Das kann doch niemand verstehen“, sagt Gerd Winke. Der Diplom-Ingenieur lehnt an dem cyanblauen RN-Bulli, der kurz hinter dem Kreisel an der Schloßstraße parkt, blickt in Richtung Ortskern und schüttelt den Kopf. Nahezu im gesamten Gemeindegebiet dürften Autofahrer nur 30 Stundenkilometer schnell fahren – höchstens. „Aber ausgerechnet hier auf unserer Vorzeigestraße im Zentrum der Schlossgemeinde ist Tempo 50 erlaubt.“

Wieder Kopfschütteln. Dieses Mal im Duett. Auch Eckhard Jung versteht diese Regelung nicht. „Hier sind am meisten Menschen unterwegs, sie bummeln und sitzen in den Restaurants und Cafés“, sagt er. „Und da lassen wir dieses Tempo zu.“

Als Jung hörte, dass Gerd Winke an der RN-Sommeraktion „Bei Anruf dort“ teilgenommen und den RN-Bulli für Donnerstag nach Nordkirchen bestellt hatte, machte er sich sofort auf den Weg. „Eigentlich“, sagt er, „müssten hier vielmehr Leute sein, denn ich habe noch niemanden getroffen, der diese Regelung begrüßt oder auch nur versteht.“

Nordkirchener sehen Handlungsbedarf - Polizei und Verwaltung nicht

Einer, der sich ebenfalls für eine Tempo-30-Regelung einsetzt, ist Thomas Gornas, der sich jetzt dazu gesellt. Zusammen mit seinen beiden Kegelbrüdern vom Club Polterbuben beobachtet er regelmäßig, wie gefährlich es immer wieder zugeht auf der Kreisstraße 2, die hier Schloßstraße heißt. „Es ist Zeit zu handeln, bevor etwas passiert.“

So weit ist es bislang nicht gekommen. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren drei Unfälle auf der Schloßstraße registriert“, sagt Britta Venker von der Kreispolizeibehörde Coesfeld auf RN-Anfrage. Es seien in allen drei Fällen unterschiedliche Unfallursachen gewesen. Handlungsbedarf, das Tempo auf der Straße zu reduzieren, die die Gemeinde nach umfangreichem Umbau vom Juni vergangenen Jahres erst eingeweiht hat, sehe die Polizei deshalb nicht.

Die Gemeindeverwaltung Nordkirchen auch nicht. „Zwar ist Tempo 50 erlaubt“, sagt Josef Klaas, der Leiter des Bauamtes, am Telefon. Tatsächlich sei es aber meistens gar nicht möglich, so schnell zu fahren. Ohnehin: „Mehr Schilder bedeuten nicht mehr Sicherheit.“ Das sei ein Trugschluss.

Kritiker wollen Ausnahme auf die gesamte Schloßstraße ausdehnen

Schilder gibt es im weiteren Verlauf der Schloßstraße durchaus. Dort stehen gleich drei Tempo-30-Schilder: am Abzweig links zum Rathaus, am Übergang geradeaus zur Bergstraße und am Abzweig rechts zur Lüdinghauser Straße. Dort würden Ausnahmen greifen – wegen der Kinderheilstätte und wegen des Kindergartens.

„Wir sind doch stolz darauf, dass wir eine integrative Gemeinde sind“, sagt Eckhard Jung. Da sollte es doch selbstverständlich sein, dass Menschen mit und ohne Behinderung auch möglichst geschützt entlang der Schloßstraße bummeln könnten. „Auch hier müsste doch die Ausnahmeregelung greifen.“

Ob das Straßenverkehrsamt dafür eine Chance sieht, bleibt gestern offen. Kreissprecher Dietrich Aden verweist auf die Urlaubszeit und die deshalb fehlenden Fachleute in der Behörde. Er werde sich in der kommenden Woche melden.

Eltern von kleinen Kindern sind besorgt

Gerd Winke und seine Kegelbrüder erwarten die Antwort mit Spannung. Die Eltern der beiden kleinen Kinder, die auf der Bank der Eisdiele sitzen und die Gesprächsrunde am blauen Bulli aus der Ferne gesehen haben, ebenfalls. „Direkt neben uns ist die Fahrbahn“, sagt die Mutter. Einmal die Kinder aus dem Auge gelassen, und schon sei es zu spät, „erst recht, wenn jemand wirklich 50 fährt.“

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