Nordkirchener Hochzeitsschilder nur selten lesbar

Namensplaketten an Bäumen

Mehr als 700 Bäume haben Hochzeitspaare im Lauf der Jahre als Erinnerung an ihre Trauung in Nordkirchen gepflanzt. Die ersten bereits zu Anfang des Jahrtausends - da überrascht es nicht, dass viele der Namensplaketten mittlerweile nicht mehr zu lesen sind.

NORDKIRCHEN

, 20.04.2017, 07:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nordkirchener Hochzeitsschilder nur selten lesbar

An der Schloßstraße stehen die ältesten Hochzeitsbäume. Die meisten Schildern sind nur mit großer Mühe zu entziffern.

Grün ist die Farbe der Hoffnung, weiß die des Hochzeitskleides. So gesehen war es eine gute Idee, beides für Namensplaketten neben Hochzeitsbäumen zu kombinieren. Dennoch: Mit den Jahren ist ein Gros der weißen Schriftzüge auf grünem Untergrund verblasst – genauso wie manche Liebe, die einst – in Nordkirchen mit einem Baum besiegelt – für ewig halten sollte.

Entlang der Schloßstraße ist kaum noch ein Schild zu entziffern. „Dort stehen auch die ältesten Bäume“, sagt Bauamtsleiter Josef Klaas auf Anfrage unserer Redaktion. Anfang des Jahrtausends hatte die Gemeinde Nordkirchen angefangen, Paaren die Möglichkeit zu geben, zur Erinnerung an ihr Ja-Wort auch einen Baum zu pflanzen – mitsamt Plakette auf Holzpfählen daneben. „Nach zehn Jahren verrotten die Pfähle langsam“, so Klaas. Die Schrifttafeln sind auch nicht beständiger, besonders die älteren, die noch mit einer anderen Technik beschriftet wurden als zuletzt.

Schluss nach 15 Jahren Ehe

Einzelne Paare tauschten die Schrifttafeln aus, wie Klaas sagt. Die meisten hätte sich aber damit abgefunden, dass das grüne Denkmal ihrer Zweisamkeit genauso altert wie sie selbst. „Und manchen ist es auch ganz Recht, dass nichts mehr zu lesen ist“, sagt er mit Verweis auf die Scheidungsrate. Immerhin: Von den mehr als 500 Eheschließungen pro Jahr in Nordkirchen – die meisten Paare kommen von auswärts – enden mehr als 100 vorm Scheidungsanwalt, wie das Standesamt der Schlossgemeinde mitteilt. Bundesweit war laut Statistischem Bundesamt Wiesbaden nach 14,9 Jahren Zweisamkeit Schluss – spätestens dann, wenn der letzte Buchstabe auf dem Nordkirchener Schildchen verwittert ist.

Das muss aber nicht bedeuten, dass es dann auch mit der Lust am Bäumepflanzen vorbei ist, wie Josef Klaas weiß. „Tatsächlich gibt es einen Mann, der bei uns schon drei Bäume gepflanzt hat“, sagt er und schmunzelt – immer als Bräutigam, aber immer mit einer anderen Frau an seiner Seite.

Obst in Südkirchen als Alternative

Seit zwei Jahren ist Schluss mit dem verliebten Bäumepflanzen – nicht wegen der verblassenden Schilder und auch nicht wegen der immer noch hohen Scheidungsquote. „Wir haben einfach keinen Platz mehr“, so Klaas: weder an den Straßen, noch im Schlosspark, wo die meisten Bäume sehen. „Mehr als 700“, sagt Ludger Hölscher, der Chef des Gärtnerteams rund um die Fachhochschule für Finanzen, die im Schloss residiert. „In den vergangenen Jahren hatten wir mit den Hochzeitsbäumen Alleen erneuert. Damit sind wir jetzt erst einmal durch.“

Es gibt aber Alternativen – in Südkirchen. Statt Eiche und Kastanie wie im Schlosspark können Paare gegenüber des Wohngebietes Hegekamp Kirsche, Birne, Walnuss und Apfel pflanzen als wachsenden Liebesbeweis.

Ehen und Scheidungen

2015: 528 Eheschließungen in Nordkirchen und 6 Lebenspartnerschaften
2016: 520 Eheschließungen und vier Lebenspartnerschaften
Bei den Eheschließungen handelt es sich in der Mehrzahl um Personen, die nicht in der Gemeinde Nordkirchen wohnen, aber die die Gemeinde dennoch ausgesucht haben für den glücklichsten Tag des Lebens – vor allem wegen des Hochzeitstürmchen im Schloss, in dem die Zeremonie in den meisten Fällen stattfindet.
Auch die Scheidungen werden in Nordkirchen protokolliert. Diese belaufen sich laut Standesamt auf etwa 140 bis 150 jährlich.

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