Nordkirchener Wälder sind Paradies für Tierarten

Naturschützer im Video-Interview

Mit ihren etwa 600 Hektar Wald bietet die Gemeinde Nordkirchen einen hervorragenden Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Heniz Perrar, Obmann für Umwelt- und Naturschutz, spricht zum Tag des Artenschutzes im Video über die Vielfalt des Waldes. Die sei in Nordkirchen ganz besonders ausgeprägt.

NORDKIRCHEN

, 03.03.2015, 06:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hier hat es sich ein Reh bequem gemacht. Die Wiederkäuer halten sich oft nicht weit abseits der Wanderwege auf, wie Perrar erklärt.

Hier hat es sich ein Reh bequem gemacht. Die Wiederkäuer halten sich oft nicht weit abseits der Wanderwege auf, wie Perrar erklärt.

Seit 23 Jahren ist Heinz Perrar im Auftrag der Jägerschaft und des Hegerings als Berater in Sachen Naturschutz im Einsatz. Die Wälder in der Umgebung kennt der 48-Jährige in- und auswendig. Perrar beschreibt die Naturschutzgebiete Ichterloh, Tiergarten und Hirschpark als einzigartigen Lebensraum für viele, in Nordrhein-Westfalen teils seltene Tier- und Pflanzenarten.

Ein Beispiel dafür sei der Mittelspecht, eine in Mitteleuropa seltene Spechtart, die leicht mit dem weiter verbreiteten Buntspecht verwechselt wird. Den Mittelspecht erkennt man am besten am Klang, weiß Perrar. In der Balzzeit lassen sich die Arten am unterschiedlichen Paarungsruf unterscheiden. Bei einer Bestandsaufnahme wurden so über zehn Brutpaare des Mittelspechts entdeckt.

Ansiedeln konnte sich der Mittelspecht wie auch andere Arten vor allem, weil der menschliche Einfluss in den drei Nordkirchener Naturschutzgebieten auf ein Minimum beschränkt ist. Viel Totholz bleibe zwischen den gesunden Bäumen stehen und biete so einen Lebensraum für Insekten und Vögel, beschreibt Perrar. Hier ist erwünscht, was für die Forstwirtschaft nutzlos oder sogar schädlich ist. Wie zum Beispiel die Gemeine Waldrebe, die lianenartig ganze Bäume überwächst und umklammert.

Dass es sogar ganz ohne den Menschen gehen kann, soll ein Versuch zeigen, der bald in den Naturschutzgebieten beginnen könnte. "Es gibt Überlegungen, Teile des Waldes ganz sich selbst zu überlassen", verrät Perrar. Das Vorbild ist der Bayrische Wald, in dem große Teile komplett unbeforstet sind. So großflächig ist der Plan für Nordkirchen nicht angelegt, trotzdem ist die Überlegung da, die Natur möglichst in Ruhe zu lassen.

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Unterwegs im Naturschutzgebiet Nordkirchen

Mit ihren etwa 600 Hektar Wald bietet die Gemeinde einen hervorragenden Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Am heutigen Tag des Artenschutzes lohnt sich ein Blick auf den Zustand der Natur rund um Nordkirchen. Heinz Perrar, Obman für Umwelt- und Naturschutz, kennt sich aus.
02.03.2015
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Ein Graureiher hält am Biotop neben dem Schloss Ausschau nach etwas Essbarem.© Foto: Karim Laouari
Ähnliche Stelle, anderes Bild: Wo im Moment noch Laub liegt, blüht in zwei bis drei Monaten der Bärlauch und bildet einen geschlossene Blütenteppich unter den Bäumen.© Foto: Karim Laouari
Wer sich von den Wegen in den Naturschutzgebieten entfernt, richtet mehr Schaden an, als er vielleicht denkt. Heinz Perrar zeigt auf die Bereiche, aus denen sich zum Beispiel Rehe zurückgezogen haben, weil sie von Spaziergängern auf Trampelpfaden gestört wurden.© Foto: Karim Laouari
Hier haben Wildschweine ihre Spuren hinterlassen.© Foto: Karim Laouari
Der erste Bärlauch wächst schon.© Foto: Karim Laouari
Trampelpfade wie dieser schaden der Tier- und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet mehr, als man ahnt. Wer abseits der Wege geht, zerstört nicht nur Pflanzen sondern verschreckt auch viele Tiere.© Foto: Karim Laouari
Heinz Perrar vor der ehemaligen Pferderennbahn in der Nähe des Hauses Ichterloh. "Ein ganz toller Bereich", wie Perrar findet, denn hier kommt kein Wanderer oder Spaziergänger durch. So bleibt das Biotop völlig ungestört.© Foto: Karim Laouari
Hier hat es sich ein Reh bequem gemacht. Die Wiederkäuer halten sich oft nicht weit abseits der Wanderwege auf, wie Perrar erklärt.© Foto: Karim Laouari
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Das ist bei den vielen Wanderwegen und Naturlehrpfaden natürlich nicht immer möglich. Wie schnell der Mensch das Gleichgewicht in dem Naturschutzgebiet beeinflussen kann, zeigt Perrar im Bereich Ichterloh. Viele Spaziergänger haben hier einen Pfad ausgetreten, der abseits des vorgegebenen Weges eine Abkürzung bietet. Ein kleiner Pfad, der große Auswirkungen hat. "Durch den Lärm werden die Rehe gestört und ziehen sich weiter zurück", sagt Perrar.

Die Tiere seien an die Geräusche auf den Wegen gewöhnt und nehmen diese auch nicht als Bedrohung wahr. Deshalb sehe man hier auch öfter tagsüber Wildtiere - "eigentlich eine Seltenheit", so Perrar. Kommen die Spaziergänger den Rehen allerdings zu nah, flüchten diese und trauen sich auch erst einmal nicht wieder zurück. 

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