Nordkirchener will gegen nervenden Motorradlärm vorgehen - mit ungewöhnlichen Mitteln

rnMotorradlärm

Um etwas gegen den Lärm von einigen Motorrädern zu unternehmen, ist ein Nordkirchener aktiv geworden. Aber statt ein niedrigeres Tempolimit zu fordern, setzt er auf ganz andere Aktionen.

Nordkirchen

, 16.10.2019, 03:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es ist fast ein Dauerzustand“, sagt André Bock (52). Der Nordkirchener wohnt mitten in der Gemeinde und ist von dem Lärm genervt, den einige Motorradfahrer verursachen, wenn sie zum Biker-Treff Nordkirchen oder auf den umliegenden Landstraßen fahren. Er will etwas gegen die Lärmbelastung tun - mit eher ungewöhnlichen Mitteln.

Von März bis Oktober könne er vor allem am Wochenende den „ständigen Motorradlärm“ hören. Besonders die Motorradfahrer, die übertrieben schnell fahren „hört man mehrfach“, erzählt er.

Nur ein kleiner Teil der Motorradfahrer ist viel zu laut

Es gebe Wochenenden, an denen er die Motorräder im Zehn-Minuten-Takt höre. „Der Lärm wäre vermutlich weniger, wenn sich alle ans Tempolimit halten würden“, sagt er. Es seien aber nicht alle Motorradfahrer, über die er sich ärgere, betont er.

Vielmehr gehe es ihm um die wenigen schwarzen Schafe, die es mit der Lautstärke ihres Fahrzeugs übertreiben. Zum Beispiel „die, die glauben, hier mit 260 km/h fahren zu können.“ Doch er wisse auch, dass nicht jeder Raser direkt übertrieben laut ist und nicht jeder mit einem lauten Motorrad auch zu schnell fährt.

Die Initiative „Silent Rider“ aus der Eifel dient als Vorbild

Daher gehen seine Ideen weit über eine simple Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit hinaus. „Ich habe viele Ideen“, sagt er. So wolle er vor allem ein Netzwerk aufbauen, um sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können.

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Gemeinsam könne man dann womöglich Aktionen ins Leben rufen - zum Beispiel eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei, um Motorradfahrer für das Anliegen der Anwohner zu sensibilisieren. Auch habe er bereits Karl-Heinz Hermanns, den Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, kontaktiert, um sich mit ihm auszutauschen.

Andere Gemeinden haben die gleichen Probleme

Denn Simmerath ist Mitglied der Initiative „Silent Rider“, die von mehreren Kommunen aus der Eifel gegründet wurde und sich ebenfalls gegen übertriebenen Motorradlärm einsetzt.

Das fordert die Initiative „Silent Rider“

  • Leisere Motorräder durch die Hersteller
  • Die Erwirkung eines Lärmschutzgesetzes
  • Drastischere Strafen für das Manipulieren von Auspuffen oder Luftfiltern zur Erhöhung der Lautstärke
  • Frontkennzeichen für Motorräder zur besseren Erkennung bei Kontrollen
  • Neue Verfahren für die Polizei, um die Lautstärke von Motorrädern besser und unkomplizierter messen zu können

„Alle, die in der Eifel leben, haben das Problem noch viel mehr“, sagt Bock. Auch mit Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann habe er sich bereits zusammengesetzt. Für die Zukunft hofft André Bock, dass es einen runden Tisch geben wird, „wo alle, die betroffen sind, zusammensitzen“.

„Das ist der richtige Weg“

Vor allem auch mit den Motorradfahrern selbst möchte er in Kontakt treten. „Ich führe keinen Krieg“, erklärt der 52-Jährige. Er wolle nicht den Eindruck vermitteln, gegen das Motorradfahren zu sein. Er wolle einfach nur auf die Probleme der Nordkirchener Anwohner aufmerksam machen und die Fahrer für das Thema sensibilisieren.

Dass das geht, habe er bereits gemerkt. Denn der Nordkirchener hatte in der Vergangenheit bereits das Gespräch mit Motorradfahrern gesucht. Dabei habe er zum Beispiel während einer Unterhaltung mit einem ehemaligen Fahrer gemerkt, wie sich beide Seiten immer weiter annäherten.

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Im Laufe des Gesprächs sei der Motorradfahrer immer offener für seine Sichtweise geworden, sagt André Bock. „Das ist der richtige Weg.“ Daher werde er in Zukunft weiter auf Motorradfahrer zugehen. „Es bringt ja nur was, wenn wir uns zusammensetzen.“

Mit persönlichen Gesprächen will André Bock etwas verändern

Beim Bikertreff Nordkirchen werde er auch die ansprechen, „die laut sind“. In den persönlichen Gesprächen wolle er „schauen, ob man damit was verändern kann“.

Vor allem hofft er aber auch, Gleichgesinnte zu finden, mit denen er weitere Ideen ausarbeiten und etwas verändern kann. „Ich kann mich auch an die Straße stellen und sagen, ‚ihr geht mir auf den Keks‘“, sagt er.

Dadurch werde sich aber nichts verändern. „Wenn da aber 1000 Leute sitzen, ist das vielleicht anders.“ Wer genau wie André Bock von zu lauten Motorradfahrern genervt ist, kann sich bei dem Nordkirchener mit einer Mail an NordkirchenZeigtFlagge@t-online.de melden.

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