Heinz Ferkinghoff, Nordkirchens Burgundermann, möchte seine Gäste und Kunden bald unter einem neuen Konzept bewirten. © Stephanie Tatenhorst
In den Startlöchern

Nordkirchens Burgundermann will bald wieder zur Weinprobe bitten

Die Türen sind immer mal wieder geöffnet, der Weinverkauf läuft und so manche Weinprobe gab es auch. Dennoch wartet der Burgundermann noch, bis er mit seinem neuen Konzept startet.

Sehnsüchtig warten die Nordkirchener darauf, dass der Burgundermann seine Pforten wieder für einen geregelten Publikumsverkehr öffnet – und wer die gemütliche Weinstube an der Schlossstraße betritt, der weiß auch sofort, warum. Im rustikalen und urigen Ambiente des rund 300 Jahre alten Hauses, das liebevoll restauriert wurde, kommt Urlaubsstimmung auf, als wäre man in einer griechischen Taverne. Dass von draußen noch Bauarbeiterlärm hineindringt, stört nur den Gastgeber.

Im rustikalen Ambiente der Weinstube kommt die Luft auf eine Weinprobe sofort. Wer sehen und gesehen werden will, kann auch vor der Tür Platz nehmen und auf die Schloßstraße schauen.
Im rustikalen Ambiente der Weinstube kommt die Lust auf eine Weinprobe sofort. Wer sehen und gesehen werden will, kann auch vor der Tür Platz nehmen und auf die Schloßstraße schauen. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

„Wir liegen in den letzten Zügen“, sagt Hausherr Heinz Ferkinghoff. Tatsächlich ist die neue Westterrasse schon komplett gepflastert, es fehlt noch Erde in den neu angelegten Blumenbeeten und auch die dort geplanten Weinreben stehen noch nicht. Doch es braucht nicht viel Phantasie, um sich hier die Weinfass-Deko sowie die Tische und Stühle unter einem Weinlaubdach vorzustellen.

Corona warf nicht nur Pläne über den Haufen

Alsbald sollen hier wieder regelmäßig Weinproben stattfinden können, aber auch der eine oder andere spontan auf ein Glas Wein vorbeikommen können. „Der Handel hat aber oberste Priorität“, sagt Heinz Ferkinghoff. Damit fing der Mann, der noch einen Handwerksbetrieb hat, ursprünglich an: Der Weinliebhaber mit einem Faible für Burgund verkaufte schlicht Weine. Aber dann wuchs eine Struktur, die ihn im Bestand überforderte. Ein Umbau musste erfolgen, um dem Ansturm Herr werden zu können. Und dann kam Corona. „Unsere gesamte Philosophie war über den Haufen geworfen“, sagt Heinz Ferkinghoff traurig.

Bald wird es auch eine Südwestterrasse geben, auf der die Gäste zwischen Deko-Weinfällern und Weinreben sitzen können. Die letzten Bauarbeiten dazu laufen gerade noch.
Bald wird es auch eine Südwestterrasse geben, auf der die Gäste zwischen Deko-Weinfässern und Weinreben sitzen können. Die letzten Bauarbeiten dazu laufen gerade noch. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Doch 35 Jahre als Kaufmann und Meister seines Fachs sowie 50 Jahre Erfahrungen auf Baustellen ließen ihn nicht den Kopf in den Sand stecken. Er dachte neu und nochmals größer – und baute erneut um. Jetzt liegen die Maßnahmen in den letzten Zügen – und Heinz Ferkinghoff hofft, bald richtig öffnen zu können. „Aber das ist jetzt wie eine komplette Neugründung. Alles muss neu erfunden werden.“ Und ein bisschen müsse er gerade auch auf die Gesundheit achten. Deshalb geht es langsam weiter. „In den nächsten Wochen werden wir aber eröffnen.“

Käufer sollen zuvor eigenen Geschmack kennenlernen

Die Philosophie von Heinz Ferkinghoff ist einfach: „Die Leute wollen Wein trinken, aber die meisten kennen ihren eigenen Geschmack nicht. Sie kaufen nach Etikett – und sind nach dem Öffnen der Flasche enttäuscht.“ Dem will der Burgundermann entgegenwirken, der längst nicht nur die berühmten französischen Weine im Sortiment hat. Neben der Gascogne hat er auch gute Tropfen aus der Steiermark, aus Franken, der Pfalz im Angebot. Als Geheimtipp wertet er noch die Slowenen.

Sein Pfund: „Ich weiß, woher die Weine kommen. Ich kenne die Winzer und die Weingüter“, sagt er. Einen Großteil holt er selbst und probiert vor Ort, was er seinen Kunden kredenzen möchte. „Ich könnte mir auch Weinproben schicken lassen. Aber ich weiß, was ich meinen Kunden anbieten kann und was nicht.“

Weinverkauf ist auch Entertainment

Denn Weinverkostung ist für den Nordkirchener eng verbunden mit Vertrauen und Einfühlungsvermögen. „Ich rede mit meinen Kunden und finde dabei ihren Geschmack heraus. Dann kann ich ihnen einen Wein anbieten, der ihnen schmecken wird.“ Bei einer Verkostung gibt es natürlich mehrere Sorten zum Probieren, aber meist kennt Heinz Ferkinghoff den Geschmack seiner Kunden schnell besser als diese selbst. „Viele Leute müssen noch lernen, Wein zu trinken. Jeder wird von mir da abgeholt, wo er steht.“ Mit Maske geht das aber nicht. „Ich muss beim Wein Emotionen haben. Sonst kann ich Zement verkaufen, aber keinen Wein“, sagt der Weinkenner, der sich aber nicht als Sommelier sieht.

Wie genau seine Öffnungszeiten oder das neue Konzept künftig aussehen werden, weiß der Burgundermann noch nicht. Bis zur Weihnachtszeit soll sich das aber geändert haben. Denn Heinz Ferkinghoff strebt auch eine Kooperation mit den Gastronomen in der Nachbarschaft an. „Ich selbst mache keine Küche, aber mit den Nachbarn können wir eine Dynamik schaffen, die jedem hilft. Es kann nicht mehr jeder alles machen. Wir müssen uns ergänzen.“

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