Pfarrgemeinde Nordkirchen sucht Integrationshelfer

Ehrenamtliche gesucht

Seit Jahren helfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarrcaritas der katholischen Pfarrgemeinde Nordkirchen Flüchtlingen und Asylbewerbern in der Schlossgemeinde. Jetzt suchen die Helfer nach weiteren Ehrenamtlichen, die bei der Flüchtlingsarbeit helfen wollen. Auch Sie können helfen - alle Infos gibt es hier.

NORDKIRCHEN

, 08.03.2017, 05:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pfarrgemeinde Nordkirchen sucht Integrationshelfer

Die Flüchtlinge und Asylbewerber wollen unbedingt in die Deutschkurse, sagen die Flüchtlingshelfer der Pfarrcaritas.

Der Blick aus dem Südkirchener Pfarrheim am Kirchplatz ist trüb. Dichte, graue Wolken hängen tief am Himmel. Nach draußen wandern die Blicke allerdings nicht. 15 Deutschschüler sitzen im Gemeinderaum, schauen konzentriert auf ihre Unterlagen. „Pluspunkt Deutsch“ heißt das Arbeitsbuch, das der Deutschkurs für Asylbewerber nutzt. Der Titel ist auch die Aussage, die die Flüchtlingshelfer der Pfarrcaritas nicht müde werden zu betonen.

Zur Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Nordkirchen ist vor allem der Bedarf an Deutschkursen riesig, wie Mitarbeiter der Pfarrcaritas im Gespräch erklären. „Es gibt einige, die sind zehn Jahre zur Schule gegangen, andere wiederum nur zwei oder drei Jahre“, sagt Leo Kortmann, Mitarbeiter des Leitungsteams der Pfarrcaritas in Nordkirchen.

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So sieht es bei einem Deutschkurs der Pfarrgemeinde Nordkirchen aus

Seit Jahren helfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarrcaritas der katholischen Pfarrgemeinde Nordkirchen Flüchtlingen und Asylbewerbern in der Schlossgemeinde. Wir waren mit der Kamera bei einem Deutschkurs dabei.
07.03.2017
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Reinhard Niehues (v.l.), Monika Berkenfeld und Leo Kortmann engagieren sich seit Jahren in der Pfarrcarits für Flüchtlinge.© Foto: Karim Laouari
"Pluspunkt Deutsch" heißt das Lehrbuch, das im Kurs zum Einsatz kommt. "Die Sprache ist der wichtigste Schritt zur Integration", sagt Reinhard Niehus von der Pfarrcaritas Nordkirchen.© Foto: Karim Laouari
Der Kurs findet in den Räumen der katholischen Kirchengemeinde statt.© Foto: Karim Laouari
15 Asylbewerber nehmen zurzeit an einem sogenannten ESF-Sprachkurs in Südkirchen teil.© Foto: Karim Laouari
Die Teilnehmer kommen aus unterschiedlichsten Ländern in Afrika, Asien und dem nahen Osten.© Foto: Karim Laouari
Kursleiterin ist Svetlana Malova. Sie übt mit den Schülern vor allem das Sprechen anahnd von alltäglichen Situationen.© Foto: Karim Laouari
Die Flüchtlinge und Asylbewerber wollen unbedingt in die Deutschkurse, sagen die Flüchtlingshelfer der Pfarrcaritas.© Foto: Karim Laouari
Die Flüchtlinge und Asylbewerber wollen unbedingt in die Deutschkurse, sagen die Flüchtlingshelfer der Pfarrcaritas.© Foto: Karim Laouari
In dem Lehrbuch wird die deutsche Sprache anhand alltäglicher Dialoge geübt.© Foto: Karim Laouari
Kursleiterin ist Svetlana Malova. Sie übt mit den Schülern vor allem das Sprechen anahnd von alltäglichen Situationen.© Foto: Karim Laouari
Die Flüchtlinge und Asylbewerber wollen unbedingt in die Deutschkurse, sagen die Flüchtlingshelfer der Pfarrcaritas.© Foto: Karim Laouari
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So gebe es auch immer wieder Kursteilnehmer, die bei null anfangen müssen. Dazu gehören einerseits die aktuell fünf bis sechs Analphabeten oder die zehn Asylbewerber, die zwar schreiben und lesen können, allerdings nicht unsere Schriftzeichen kennen, sondern ausschließlich arabische oder kyrillische. Das sei nur ein kleiner Teil, allerdings stellen die verschiedenen sprachlichen und kulturellen Herkunftsgeschichten der Menschen die Kursleiter vor sehr unterschiedliche Herausforderungen, wie aus dem Gespräch mit Mitarbeitern der Pfarrcaritas deutlich wird. „Da muss man wirklich von ganz unten, in der Regel mit Schreibübungen anfangen“, erklärt Reinhard Niehues, Koordinator für den Deutschunterricht.

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Das alles ändere hingegen an der Motivation der Schüler nichts, darin sind sich Niehues und Kortmann einig. Das wird auch im Unterricht deutlich. Es geht um alltägliche Situationen. Kinobesuche, Kochen, Ausgehen, verschiedene Tageszeiten und unweigerlich auch um die Eigenheiten der deutschen Sprache. „Es heißt 'am Morgen', 'am Nachmittag' und 'am Abend'“, erklärt Kursleiterin Svetlana Malova ihren Schülern und fügt hinzu: „Aber es heißt ‚in der Nacht‘.“ Die Schüler schreiben mit, unterstreichen, markieren und sprechen vor allem sehr viel.

Weitere Sprachkurse sind in der Vorbereitung

Der Kurs, der zurzeit in Südkirchen stattfindet, ist in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Berufsförderung und Ausbildung (Geba) zustande gekommen, bereits im Dezember beendeten 20 Personen einen dreimonatigen Basissprachkurs, der im Nordkirchener Pfarrheim in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) Lüdinghausen-Nordkirchen stattfand. Zwei weitere Sprachkurse sind mit der Geba und der VHS in Vorbereitung. Innerhalb der kommenden Wochen sollen sie an den Start gehen.

Im Überblick: Kontakte und Zahlen
Wer Interesse hat, sich als ehrenamtlicher Helfer zu engagieren, kann Kontakt zur Pfarrcaritas aufnehmen.
Ansprechpartner sind Reinhard Niehues, Tel. (02596) 17 89; Leo Kortmann, Tel. (02596) 2583; Monika Berkenfeld, Tel. (02596) 2063 oder Joachim Thiele, Tel. (0172) 7872553.
In Nordkirchen leben zurzeit 159 Asylbewerber, teilt Gemeindesprecherin Anne Büscher auf Anfrage mit.
15 ehrenamtliche Lehrer sind in der Schlossgemeinde engagiert, über 120 Helfer sind insgesamt in der Flüchtlingsarbeit aktiv.

Zusätzlich dazu bieten die Flüchtlingshelfer seit zwei Jahren Unterricht in kleinen Gruppen und für Einzelpersonen an. Diesen Unterricht leiten Ehrenamtliche, teilweise Lehrer im Ruhestand. Für eben solche Angebote sucht die Pfarrcaritas freiwillige Helfer. Dazu müsse man kein ausgebildeter Lehrer sein, betont Reinhard Niehues. Viel wichtiger sei es, Empathie für die Schüler und ihre speziellen Voraussetzungen mitzubringen. Lehr- und Lernmaterial werden von der Pfarrcaritas gestellt, Unterrichtsräume stehen ebenfalls zu Verfügung. Angeboten werden außerdem kostenlose Aus- und Weiterbildungen.

Zusätzlich zur Sprachförderung gibt es noch eine weitere Möglichkeit zu helfen: Die Pfarrcaritas ist noch auf der Suche nach Paten für Flüchtlinge und Flüchtlingsfamilien. Als Pate würde man die Menschen besuchen, ein Ohr für Probleme und Sorgen offen haben und bei der alltäglichen Integration helfen.

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