Pläne geändert: Architekt überrascht Politiker

Haus Westermann in Nordkirchen

Der Fall "Haus Westermann" in Nordkirchen nimmt nach der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstagabend noch einmal eine neue Wendung: Investor Thomas Buhl überraschte viele Politiker mit veränderten Plänen, die er vorstellte, um damit die erforderliche Bebauungsplan-Änderung genehmigt zu bekommen. Er selbst sprach von kleinen Änderungen, die Fraktionen SPD und CDU von großen.

NORDKIRCHEN

, 26.06.2016, 06:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pläne geändert: Architekt überrascht Politiker

So kam es im Verlauf der ohnehin schon langen Sitzung im Südkirchener Quartiersbüro zu einer Unterbrechung, die die CDU-Fraktion beantragte. Es bestand Beratungsbedarf auf fast allen Seiten. Danach ergriff Gereon Stierl (SPD) das Wort und präsentierte eine Lösung, die am Ende alle mittrugen: Die Änderung des Bebauungsplanes wurde beschlossen, aber es gibt neuen Beratungsbedarf. Denn beschlossen ist auch, dass vor dem Grundstücksverkauf der Gemeinde an den Investor, also ein ganz entscheidender Planungsschritt, der dieses Jahr eigentlich folgen sollte, noch mal über ein noch mal zu modifizierendes Bauvorhaben beraten wird.

Dorfkontor und Tourismuszentrale sollen ins Erdgeschoss

Diesmal ging es um den Zwischenbau zwischen dem sogenannten Dorfkontor (etwa 80 Quadratmeter) am Krampeneck und der geplanten kommunalen Tourismuszentrale (etwa 164 Quadratmeter). Beides muss im Erdgeschoss platziert werden. Die Verwaltung, aber auch die Politik möchten die Tourismuszentrale am vielleicht zentralsten Ort, den Nordkirchen zu bieten hat, haben – also auf der Ecke, wo heute die bekannte, beliebte und markante Westermann-Fassade steht.

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„Der Ort ist von allen Seiten, auch von der Bergstraße aus einzusehen“, argumentierte Dietmar Bergmann in einem eindringlichen Redebeitrag von der Verwaltungsbank aus. Da aufgrund der Größe des Raumes dann aber der Erdgeschoss-Raum für die altengerechten Wohnungen zu klein ausfiele, müsste Investor Thomas Buhl „um die Ecke“ bauen. Bei Planung des kleineren Kontors, in dem vielleicht einmal regionale Produkte verkauft werden sollen, auf dieser Ecke, hätte er entlang der Mühlenstraße genug Platz und könnte auf einen Zwischenbau verzichten.

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Buhl: "Politik zuletzt nicht genug mitgenommen"

Daran stießen sich aber die Politiker: Der Riegel war in dem Plan, der im Januar die größte politische Zustimmung erhalten hatte, nicht enthalten. Lediglich eine Art Glasgang oder eine andere kleine Verbindung hatte die Politik gewünscht. „Da muss ich zugeben, dass wir die Politik im Prozess zuletzt nicht genug mitgenommen haben“, sagte Buhl am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion. Er habe aber im Januar wahrgenommen, man wolle die eher tradierte, klassische Bauweise von Entwurf A aber den Baukörper aus Entwurf C. Das bestritt die Politik.

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Fazit: Ein neuer Bebauungsplan ist im Ausschuss einstimmig beschlossen. Noch vor der Sommerpause könnte es zu einer Haus-Westermann-Sondersitzung kommen, auf der Buhl erneut modifizierte Pläne vorstellen könnte. Der Grundstücksverkauf wird auf jeden Fall an genaue Auflagen geknüpft sein. 

Das Verfahren für das Projekt „Haus-Westermann-Viertel“ hat früh Bürger- und Politikerbeteiligung vorgesehen. Darum dauert es länger als Verfahren, bei denen dem Investor freiere Hand gelassen wird. Unter anderem gab es Ende 2015 einen Baukultur-Workshop.
Architekt Thomas Buhl setzte sich bei einem Wettbewerb mit seinen Ideen durch – allerdings mit dem einzigen ernstzunehmenden Entwurf.
Im Januar hatte der Bauausschuss schon mal unter drei Buhl-Entwürfen ausgewählt.

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