Prozess um umstrittenen Schiedsrichter geht weiter

Kinderpornografische Schriften

Weil er kinderpornografische Schriften besessen haben soll, muss sich ein 50-jähriger Nordkirchener am Dienstag vor dem Landgericht in Münster verantworten. Aufsehen erregte der Fall schon in erster Instanz: Der Angeklagte ist ein ehemaliger Fußball-Schiedsrichter. Er pfiff auch Jugendturniere.

Nordkirchen

26.04.2015, 17:28 Uhr / Lesedauer: 1 min

Zum ersten Mal war der Mann im Jahr 2009 wegen exhibitionistischer Handlungen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im August 2013 stand er vor Gericht, weil bei ihm kinderpornografisches Material gefunden worden war. Damals verhängte das Amtsgericht Lüdinghausen eine Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung.

Er lernte nicht daraus. Am 18. Dezember 2014 musste er sich erneut vor dem Amtsgericht wegen des gleichen Deliktes verantworten. Die Verteidigung plädierte wieder auf Bewährungsstrafe.

Dem folgte das Gericht allerdings nicht, obwohl der Angeklagte geständig war: Zehn Monate Haft ohne Bewährung lautete das Urteil, das nur knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft von einem Jahr blieb. Gegen das Urteil legte der Nordkirchener Berufung ein, die jetzt vor der 16. Strafkammer des Landgerichts Münster verhandelt wird.

Als Jugend-Schiedsrichter nach Prozess tätig

Nur einen Tag nach dem Prozess am 18. Dezember 2014 pfiff der Verurteilte ein Jugend-Fußballturnier in Werne, obwohl der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) Bescheid wusste. Das sorgte für Ärger. „Der Verband hätte tätig werden müssen. Hätten wir das alles gewusst, hätten wir den Schiedsrichter niemals bei uns pfeifen lassen“, sagte damals Thomas Overmann, Fußballchef des Werner SC.

Laut Bundeskinderschutzgesetz müssen alle Jugendtrainer ihren Vereinen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Ziel ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Sexualstraftätern. Die Zeugnispflicht gilt aber nicht für Schiedsrichter. Darauf berief sich FLVW-Präsident Hermann Korfmacher im Dezember: "Die Schiedsrichter stehen nicht im ständigen Kontakt zu den Kindern. Sie treffen diese nur im öffentlichen Raum."

Dagegen hatte der Fußballkreis Lüdinghausen sofort gehandelt und beschlossen, dass der umstrittene Schiedsrichter nicht mehr in seinem Bereich eingesetzt werde. Anfang Januar 2015 stellte sich der FLVW dann hinter diese Entscheidung.

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