Rohr-Sanierung: Gemeinde bittet Bürger zur Kasse

Marodes Abwassersystem

Nordkirchen hat gleich mehrere drängende Abwasserprobleme - manche der über 50 Jahre alten Rohre sind schon komplett aufgelöst. Die Gemeinde will daher möglichst schnell mit den Sanierungen beginnen - dabei kommen zusätzliche Kosten auf die Nordkirchener Bürger zu.

NORDKIRCHEN

, 14.03.2016, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Entsorgung der Abwässer ist in der Gemeinde verbesserungswürdig. Einige Leitungen sind defekt.

Die Entsorgung der Abwässer ist in der Gemeinde verbesserungswürdig. Einige Leitungen sind defekt.

Bürgermeister Dietmar Bergmann sprach am Donnerstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Bauen und Planen nicht lange um den „heißen Brei“ herum. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren nicht viel in den Kanalbau investiert. „Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt.“ Zugleich verwies er auf eine Stellungnahme der Gelsenwasser AG, die „dringenden Handlungsbedarf“ sehe. Die Druckleitungen von Südkirchen und Capelle haben sich in Teilabschnitten komplett aufgelöst. Marode sind auch die Abwasserleitungen in den älteren Quartieren wie Berger- oder Rosenstraße.

Bauamtsleiter Josef Klaas richtete den Blick exemplarisch auf den Meisen- und auf den Finkenweg. „Die Fahrbahn ist schlecht. Und darunter ist eine kaputte Kanalisation.“ Klaas sieht zwar nicht die Notwendigkeit, kurzfristig tätig zu werden. „Aber will sollten auch nicht immer wegsehen.“ Der Haushalt für dieses Jahr enthält deshalb einen Ansatz über 200.000 Euro für die Sanierung.

"Eine beitragspflichtige Maßnahme"

Dabei ist mit eingerechnet, dass auch die Bürger bei der Sanierung finanziell gefordert sein werden. „Das ist eine beitragspflichtige Maßnahme“, sagt Josef Klaas. Eine Aussage, die vor allem die Vertreter der CDU-Fraktion beschäftigte. „Wir sollten es dieses Jahr sein lassen“, so der Tenor. Dass er eine ganz andere Vorstellung hat, machte Bürgermeister Bergmann deutlich. „Wir sollten jetzt einsteigen.“ Josef Klaas schob einige Argumente nach. Auf einer Karte zeigte er Quartiere wie an der Berger- oder der Rosenstraße. „Die Kanäle sind 51, 52 Jahre alt.“ Und entsprechend der Zustand. So sickere Schmutzwasser in den Untergrund.

Noch größer scheinen allerdings die Probleme bei den Druckleitungen von Capelle und Südkirchen nach Nordkirchen zu sein. Ein Bruch in der Leitung im März 2015 auf der Südseite der Schloßstraße konnte umgehend behoben werden, zeigte zugleich den dringenden Handlungsbedarf auf. „Wir haben seit fünf Jahren Schäden. So kann es nicht weitergehen“, sagte Bauamtsleiter Josef Klaas. Vor allem das Gefällstück in Nordkirchen bereitet der Gemeinde Sorgen.

Günstigere Alternative

Welche mögliche Alternative es zu umfangreichen Sanierungen gibt, sagte Michael Lienkamp vom Büro DW-Ingenieure in Kamen: Angesichts rückläufigen Wasserverbrauchs reichen aus seiner Sicht auch kleinere Rohre. Auf Nachfrage der CDU-Fraktion erklärte Lienkamp, dass diese Rohre auch bei Erschließung neuer Wohngebiete ausreichen. Der geringere Durchmesser hat bei der Sanierung zudem den Vorteil, dass durch die alten Rohre neue, sogenannte Inliner, geschoben werden können. Bei der Frage nach den zu erwartenden Kosten gab Lienkamp einen Summe von 180 bis 200 Euro je laufendem Meter an.

Einstimmig sprach sich nach den vielfältigen Informationen der Ausschuss für einen Einstieg in diesem Jahr aus. Dabei könne dann auch besser festgestellt werden, wie marode die Leitung insgesamt ist. Das Befahren mit einer Kamera hatte nur wenige Erkenntnisse gebracht. Bis die insgesamt rund neun Kilometer langen Druckleitungen komplett saniert sind, wird es nach Aussage von Michael Lienkamp acht bis zehn Jahre dauern.

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