Ein Anwohner des Sportplatzes in Capelle beschwert sich über Ruhestörungen - und die angebliche Untätigkeit der Verwaltung. © Patrick Fleckmann (Archiv)
Sportplatz

Ruhestörungen am Capeller Sportplatz? Anwohner beschwert sich

Kommt es in Capelle am Sportplatz häufig zur Ruhestörungen? Mindestens ein Anwohner meint: ja. Und äußert heftige Kritik an Sportverein und Gemeinde. Der Widerspruch fällt aber ähnlich deutlich aus.

Martin Klopsch ärgert sich. Das hat der Capeller schon vor der letzten Ratssitzung der Gemeinde Nordkirchen in einer Mail an Bürgermeister Dietmar Bergmann sehr deutlich gemacht. Die Mail ging auch an die Mitglieder des Rates und die Redaktion. ,„Seit mehr als zehn Jahren werden die Anwohner des Sportplatzes Capelle, insbesondere in den Straßen Kaperberg und Am Steinberg, in den Sommermonaten durch überlaute Musikbeschallung in den Nachtstunden und frühen Morgenstunden belästigt“, erklärt er in der Mail.

„Das stört nicht nur meine Familie und mich, sondern viele weitere Anwohner. Wie Sie wissen, haben andere Anwohner und auch wir uns in den vergangenen Jahren mehrfach an Sie oder das Ordnungsamt gewandt und um Hilfe gebeten“, schreibt er. Nichts sei aber passiert. „Ich befürchte, dass die übergroße Nachsicht mit dem SC Capelle mit der starken Verflechtung zu tun hat, die es zwischen dem SC Capelle und der Gemeindeverwaltung gab und gibt.“

Vorwürfe oder Darstellungen, denen Bürgermeister Dietmar Bergmann in der Bürgerfragestunde der Ratssitzung, bei der auch Martin Klopsch anwesend war, deutlich widersprach. „Es ist keinesfalls so, dass wir verwaltungsintern Ihre Hinweise nicht ernst nehmen“, sagte er. So habe es bereits öfter Gespräche mit dem SC Capelle gegeben. Dass es eine „übergroße Nachsicht“ mit dem Fußballverein gebe und das mit „starken Verflechtungen“ zu tun habe, wies der Bürgermeister weit von sich. In einem Ort von 10.000 Einwohnern sei es ganz normal, dass Menschen, die bei der Gemeinde arbeiten, auch im Fußballverein aktiv sind. Das habe aber keinen Einfluss darauf, wie mit Beschwerden an das Ordnungsamt umgegangen werde, sagte er. Und wiederholte: „Wir nehmen jeden Hinweis ernst.“

An Gemeinde und Verein wurden keine weiteren Beschwerden herangetragen

Nur: Neben den Hinweisen von Martin Klopsch liegen dem Ordnungsamt gar keine Hinweise auf Ruhestörungen vor. „Es hat in den vergangenen Jahren keine Beschwerden von Anwohnern aus Capelle und und aus dem Wohngebiet in Bezug auf Ruhestörungen am Sportplatz gegeben“, sagte der Bürgermeister. Vor der Ratssitzung habe er das innerhalb der Verwaltung recherchiert.

Nachdem die Mail an ihn und die Ratsmitglieder gegangen sei, hätten sich im Gegenteil sogar Anwohner gemeldet, um sich von Martin Klopsch zu distanzieren.

Sport und Vereinsleben und die dazu gehörende Geselligkeit: „Das macht Capelle auch lebenswert“, sagt Dietmar Bergmann – und erntete Applaus von den Ratsmitgliedern. Er sprach Martin Klopsch auch direkt an und wurde noch deutlicher: „Mein Eindruck ist, dass Sie einen Teil dieser Geselligkeit, die ein Dorfleben ausmacht, nicht unbedingt akzeptieren oder akzeptieren wollen. Dazu gehören Fußballspiele und dazu gehört es auch – wenn es in einem vernünftigen Rahmen passiert -, dass man nach einem Fußballspiel auch noch auf der Bank sitzen darf und ein Bier trinken darf. Das ist wichtig und das macht das Dorfleben aus.“

Etwas, das auch Josef Mertens, der Vorsitzende des SC Capelle, im Gespräch mit der Redaktion sagt. Natürlich müsse der Verein sich an Ruhezeiten halten. Aber es müsse schon erlaubt sein, nach dem Spiel noch zusammenzusitzen. In der Vergangenheit, so Josef Mertens, habe es auch schon viele Gespräche des Vereins mit Martin Klopsch gegeben. Auch dem Verein seien aber keine weiteren Anwohner bekannt, die sich in den letzten Jahren über Ruhestörungen auf dem Platz beschwert haben.

Polizei war wegen Ruhestörung vor Ort

„Ich bin schon sehr enttäuscht“, sagte wiederum Martin Klopsch nach der Ratssitzung im Gespräch der Redaktion. Er hätte sich gewünscht, so sagt er, dass der Bürgermeister auch auf einen nächtlichen Vorfall Anfang September eingegangen wäre, den er in seiner Mail ausführlich beschrieben hatte. Es war dabei zu einer Ruhestörung in der Nachbarschaft (nicht auf dem Platz) gekommen und, so Martin Klopsch, zu Beleidigungen gegen ihn. Die Polizei sei auch vor Ort gewesen – etwas, das Polizeisprecherin Britta Venker auf Anfrage der Redaktion bestätigt hat.

Dietmar Bergmann hatte aber in seinen Ausführungen erklärt, dass er sich auf das bezieht, was auf der Sportstätte passiert – also dort, wo die Gemeinde auch direkt zuständig ist. Der Vorfall, den Martin Klopsch detailliert beschrieben hatte, hatte auf Privatgrundstücken zwischen Privatpersonen stattgefunden.

Enttäuscht war Martin Klopsch zudem darüber, so sagte er, dass der Bürgermeister versucht habe, ihn in eine gewisse Ecke zu stellen. Ein Gefühl, das er am 13. September dann auch noch mal in einer Mail an den Bürgermeister und die Ratsmitglieder sowie an die Redaktion, zum Ausbruch brachte.

„Ich habe rückschauend den Eindruck, dass es Ihnen in der Sitzung mehr darauf ankam, mich vor den Ratsmitgliedern und in Anwesenheit der Presse zu diskreditieren, indem Sie etwa behaupteten, spontan hätten sich Anwohner telefonisch bei der Verwaltung gemeldet und erklärt, sich von meinen Vorwürfen distanzieren zu wollen“, schreibt er darin. Er sei keineswegs ungesellig und habe in seiner Straße auch schon Feste mit organisiert. Und ihm seien auch sehr wohl Anwohner bekannt, die sich ähnlich gestörten fühlten wie er.

Auf seinen Vorschlag hin werden sich die Gemeinde, Vertreter des Vereins, er selbst und seine Frau und bei Interesse weitere Anwohner für ein Gespräch treffen. Auch die Kreispolizeibehörde wünsche er sich bei dem Gespräch dazu, so Martin Klopsch. „Wir können gerne über alles reden“, signalisierte Josef Mertens vom SC Capelle das, was sich Martin Klopsch in seinem Anschreiben gewünscht hatte: ein offenes Ohr für seinen Ärger.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher