Schmückt ein Jesus aus Südkirchen bald Werne?

Zerstörte Figur wird ersetzt

Im Juli 2014 haben Unbekannte die Jesusfigur auf dem Kirchplatz in Werne zerstört. Gefasst wurden sie nie. Die fehlende Figur, das leere Kreuz war eine schmerzhafte Lücke für die Gemeinde. Doch nun hat sie Ersatz gefunden: aus Südkirchen, über eine Internetauktion bei Ebay.

SÜDKIRCHEN/WERNE

, 03.08.2016, 15:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn alles so läuft, wie es sich Schäfer das wünscht, wird Mitte September wieder eine Jesusfigur am sogenannten Missionskreuz auf dem Christophorus-Kirchplatz hängen. Im Juli 2014 hatten Unbekannte den steinernen Christus im Herzen der Stadt zerstört. Seitdem ist das Kreuz leer.

Oben auf dem Dachboden der Kirche St. Christophorus ruhen die Reste der geschundenen, 1,80 Meter großen und 120 Kilogramm schweren Steinfigur aus dem Jahr 1898. Die Kirchengemeinde hatte das Kruzifix in Erinnerung an die zur Glaubensvertiefung durchgeführten Volksmission vom 9. bis zum 19. Juni 1898 aufgestellt. Deshalb der Name: Missionskreuz.

Warum die Suche nach Ersatz so lange dauerte:

Dass sich die Bruchstücke nicht mehr zusammensetzen lassen würden, stand bereits kurz nach der Vandalismustat fest. Seitdem suchte Pfarrdechant Jürgen Schäfer nach einem Ersatz – bis vor Kurzem ohne Erfolg. „Alle Angebote lagen bei 12.000 bis 15.000 Euro“, so Schäfer: „Zu viel.“

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Die zerstörte Jesusfigur in Werne

Diese Form von Vandalismus hat die ganze Stadt erschüttert: Unbekannte hatten in der Nacht zum 4. Juli 2014 des Jesusfigur des großen Steinkreuzes auf dem Kirchplatz in viele Stücke geschlagen. Nun steht fest, dass keine Restaurierung in Frage kommt. Wir haben uns die zerbrochene Figur noch einmal angeschaut.
29.07.2015
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Durch die Rotationsbewegung, die der Unbekannte bei seinem Zerstörungswerk vollführt hat, wurde die Figur heillos zerstört.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Figur stammt aus dem Jahr 1898.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die abgeschlagenen Gliedmaßen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Oberschenkel der Figur.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die geschundene Jesusfigur.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zur Mahnung sind die Einzelteile nebeneinander gelegt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Kirchturm von St. Christophorus ist ebenso alt wie das Missionskreuz. Dessen zerstörte Jesusfigur liegt jetzt unterhalb des Glockenturms.© Foto: Sylvia vom Hofe
Über der Orgel und unter dem neuen Kirchturm liegt die Jesusfigur.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Kirchturm beheimatet seit einigen Wochen die Reste der zerstörten Jesusfigur.© Foto: Sylvia vom Hofe
Durch diese Tür geht es zum Gewölbe hinauf und von da weiter zum Kirchturm.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Holz, das in der Kirche verbaut ist, wurde um 1400 geschlagen: Die Dachkonstruktion des Werner Gotteshauses ist damit älter als die des Kölner Domes.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wer die Reste der abgeschlagenen Figur besuchen möchte, muss über das Kirchengewölbe gehen.© Foto: Sylvia vom Hofe
An den alten Wehr- und Wachturm erinnern nur noch die zugemauerten Schaten.© Foto: Sylvia vom Hofe
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Unten auf dem Steinboden hinter der Glastür zur Sakristei liegt er seit vier Wochen: der neue Jesus für das alte Kreuz. „Alles andere als eine Notlösung“, sagt Schäfer. Die Figur hat ähnliche Gesichtszüge wie die alte, ist mit etwas mehr als 100 Jahren fast ebenso alt, entspricht demselben neugotischen Stil, ist gleich lang – allerdings deutlich leichter. „Der Korpus ist aus Holz“, erklärt der Pfarrer.

Woher die neue Jesus-Figur stammt:

Der Name des Schnitz-Künstlers ist nicht bekannt. Dass er das Missionskreuz aus Werne gekannt hat, hält Schäfer aber nicht für unwahrscheinlich. Denn obwohl er die Figur des Gekreuzigten auf dem weltgrößten Online-Marktplatz eBay für gerade einmal 400 Euro ersteigert hatte – „eine Frau aus der Gemeinde hatte mir den Tipp gegeben“ – , stammt sie doch aus der Region: aus Südkirchen.

„Es muss sich um den Korpus eines Wegekreuzes handeln“, so Schäfer. Nach seinen Informationen sei das Kreuz in den 1980er-Jahren abgebaut worden, weil es einer Straßenbaumaßnahme im Weg stand. Einer der Beteiligten habe es mit nach Hause genommen, auf den Dachboden gepackt – und wohl vergessen. Denn erst jetzt fanden Angehörige den stark verwitterten Jesus.

Was dem Ersatz noch in die Quere kommen könnte:

Schäfer hat ihn inzwischen von einem Fachmann aufarbeiten lassen. Der helle, witterungsabweisende Anstrich soll zehn Jahre halten. Mitte September, passend zum katholischen Fest Kreuzerhöhung (es geht zurück auf die angebliche Wiederauffindung des Kreuzes Cristi durch Kaiserin Helena am 14. September 320), will Schäfer das seit 2014 verwaiste Kreuz wieder komplettieren – vorausgesetzt, er bekommt grünes Licht von der Denkmalbehörde.

Mit der Zustimmung der Stadt kann er rechnen. „Ich kann nur sagen, dass es von den Proportionen gut passt“, so die Denkmalbeauftragte Monika Geißler auf Anfrage. Sie wolle aber nicht Dr. Bettina Heine-Hippler vom Landschaftsverband in Münster vorgreifen. Die habe das letzte Wort – voraussichtlich am 11. August.

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